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Ralf Fährmann vom FC Schalke 04 im Spiel gegen den FC Augsburg
Ralf Fährmann vom FC Schalke 04 im Spiel gegen den FC Augsburg © Getty Images

München - Manuel Neuer glänzt, Hamburg stellt gleich mehrere Bestmarken auf, Nils Petersen wäre ein Kandidat für Schalke. SPORT1 zeigt Dinge, die sie über diese Saison noch nicht wussten.

Seit Samstag ist sie vorbei, die 52. Saison der Bundesliga.

Am Ende präsentierte der FC Bayern seinen Fans wie so oft die Meisterschale auf dem Münchner Rathaus-Balkon, Aufsteiger SC Paderborn und der SC Freiburg müssen den bitteren Gang in Liga zwei antreten. Große Überraschungen blieben weitestgehend aus.

So weit, so gut. Doch was bleibt am Ende einer Spielzeit das sich aus der Tabelle nicht ablesen lässt? Welche Geheimnisse lassen sich der Liga erst auf den zweiten Blick entlocken?

SPORT1 zeigt Dinge, die sie über diese Saison noch nicht wussten.

Rekordjäger HSV

Noch ist die Spielzeit des Hamburger SV noch nicht ganz beendet, doch schon jetzt können die Hanseaten auf eine Saison der Superlative zurückblicken - wenn auch in negativer Hinsicht. Die Hamburger brauchten 507 Minuten bis zum ersten Saisontor, so lange wie zuvor kein anderer Bundesligist.

Am 21. Spieltag kassierten Heiko Westermann und Co. zudem beim 0:8 in München die höchste Niederlage der Klubgeschichte, bekamen über die Saison gesehen die wenigsten Eckbälle und begingen die meisten Fouls. Ob in der Relegation gegen den Karlsruher SC weitere - unfreiwillige - Bestmarken fallen werden?

Mr. Unbesiegbar

Beim HSV-Debakel gegen die Bayern stand damals natürlich Nationaltorhüter Manuel Neuer zwischen den Pfosten.

Dass der Bayern-Keeper mit 20 Zu-Null-Spielen den bisherigen Rekord von Oliver Kahn einstellte, mag wenig überraschen, eine Zweikampf-Quote von 100 Prozent (!) im Statistik-Bogen ist dann aber doch eher ungewöhnlich. Und das bei immerhin 21 direkt geführten Duellen. (SERVICE: Die Statistiken der Saison 2014/15)

Neben vier weiteren Torhütern gibt es mit Mittelfeldmann Patrick Pflücke auch einen Feldspieler mit weißer Weste. Mit drei geführten Zweikämpfen hält sich sein Einfluss auf die Leistungen seiner Mainzer allerdings in Grenzen.

Koan Libero

Spätestens seit Neuer ist das Mitspielen eines Torhüters ein wichtiger Bestandteil für die Einordnung seiner Qualität. Dass aber nicht jeder Torhüter problemlos auch als Feldspieler agieren könnte, beweist Freiburgs Roman Bürki.

Mit 355 Fehlpässen und damit einer "Erfolgsquote" von nur 64,25 Prozent gelingt ihm überraschend der zweifelhafte Sprung in die Top Ten der Spieler mit den meisten Fehlpässen der Liga.

Angeführt wird diese Statistik übrigens von Augsburgs Daniel Baier, der seinem Gegner netterweise ganze 463 Mal den Ball überließ und passenderweise vor einigen Wochen als neuer Lenker und Organisator beim FC Schalke 04 ins Gespräch gebracht wurde.

Eiskalter Knipser Petersen

Möglicherweise wäre ja auch Nils Petersen ein Kandidat für die königsblaue Offensive. Nach Di Matteos Abgang könnte diese zuletzt ja als antiquiert geltende Methode, also das Offensivspiel, auf Schalke eine Renaissance erleben.

Und Petersen traf in dieser Saison neun Mal und brauchte dafür nur 16 Torschüsse. Das entspricht einer sensationellen Erfolgsquote von 56 Prozent.

Zum Vergleich: Auf Platz zwei der Spieler mit mindestens fünf Treffern folgt Wolfsburgs Teilzeit-Knipser Bas Dost, der 37 Prozent seiner 43 Versuche über die Linie drückte. Schalkes Toptorjäger Klaas-Jan Huntelaar und Eric-Maxim Choupo-Moting brachten es ebenfalls auf neun Treffer, versuchten ihr Glück allerdings auch 73 bzw. 68 Mal. 

Freiburgs Abstieg konnte aber auch Petersen nicht verhindern. Weil Verteidiger Pavel Krmas in seinem 100. und letzten Spiel für die Breisgauer seinen zwölften Torschuss in dieser Spielzeit zu seinem ersten Treffer nutzte - zu seinem Leidwesen allerdings ins eigene Tor.

Aus dem Rennen geprügelt

Hätte Trainer Christian Streich stattdessen Martin Stranzl in seinem Kader, hätte er sich seiner Abstiegssorgen womöglich frühzeitig entledigt.

Gladbachs Oldie, der seit 2013 erfolglos versucht, seine Karriere zu beenden, war mit einer Erfolgsquote von 74,7 Prozent der mit Abstand beste Zweikämpfer der Liga mit mindestens 200 direkt geführten Duellen.

Knapp den Einzug in die Top Ten verpasst hat dagegen Bayer Leverkusens Emir Spahic. Nachdem der 34-Jährige im Pokal seine "Qualitäten" im Nahkampf mit diversen Bayer-Ordnern bewies, wurde er folgerichtig bis Saisonende suspendiert.

Zu allem Überfluss fanden seine Schwinger und der am Ende gewinnbringende Kopfstoß nicht einmal Berücksichtigung in den Büchern der Statistik-Freunde.

Opfer oder Täter?

Während es einem bei Spahic schwer fällt, ihn in die Opfer-Rolle zu drängen, taugt Stefan Kießling schon eher als bemitleidenswerter Prügelknabe.

Borussia Moenchengladbach v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga
Stefan Kießling (r.) teilt gerne mal aus, muss aber auch einstecken © Getty Images

Immer wieder von Bundestrainer Joachim Löw übergangen, wurde er in diesem Jahr auch noch mit Abstand am meisten gefoult. Ganze 107 Mal wurde auf den Torjäger a.D. eingetreten. Auf Platz zwei folgt Freiburgs Felix Klaus (87) mit deutlichem Abstand.

Einen Offensiv-Akteur der Bayern sucht man in der Liste der meistgefoulten Spieler lange Zeit vergeblich. Erst auf Rang 44 taucht Stürmer Robert Lewandowski auf, er teilt sich diesen Platz mit Augsburgs Abdul Rahman Baba.

Dass sich Kießling auf dem Platz aber auch zu wehren weiß, zeigt die Statistik der begangenen Fouls. Hinter Raul Bobadilla und Gladbachs Mittelfeldmotor Granit Xhaka reiht sich Kießling hier an Position drei ein.

Kopfloses Gegenpressing?

Apropos Xhaka. Der Schweizer hat als Organisator enormen Anteil an der bärenstarken Spielzeit der Gladbacher. Wie gut er das Spiel lenkte, zeigt auch, dass die Borussia nur 59 Mal ins Abseits gestellt wurde - Bestwert in der Liga.

Borussia Dortmund dagegen, das mit Klopps Gegenpressing oft eine ähnliche Strategie verfolgte, lief ganze 119 Mal zu früh in die verbotene Zone. Nur Leverkusen und Augsburg knackten ebenfalls die Hunderter-Marke.

Von wegen Tiki-Taka

100 Tore hatten irgendwann auch mal die Bayern im Visier - bevor sie in den Augen einiger das Fußballspielen einstellten und sich als "Piss-Mannschaft" beschimpfen lassen mussten.

Erstaunlicherweise versuchte der FCB trotz Pass-Liebhaber Pep Guardiola oftmals per Kopfball zum Erfolg zu kommen. Mit 87 Abschlüssen liegt der Rekordmeister auf Platz zwei in dieser Statistik. Nur Aufsteiger Paderborn setzte noch öfter den Kopf ein (90 Mal).

Bundesliga rechtslastig

Zumeist kamen die notwendigen Flanken dann von der rechten Seite. Nicht nur beim alten und neuen Meister, sondern bei einem Großteil der Liga war das Spiel sehr rechtslastig.

Nur Hamburg, Stuttgart und Augsburg flankten häufiger von ihrer linken Angriffs-Seite.

Die meisten Hereingaben überhaupt (404) gab es vom VfL Wolfsburg zu sehen, das mit Kevin De Bruyne den besten Bundesliga-Vorbereiter aller Zeiten in ihren Reihen hatten. Und der kann es bekanntlich links wie rechts.

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