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Bayer 04 Leverkusen v SC Freiburg - Bundesliga
Josip Drmic geht ab kommender Saison für Gladbach auf Torejagd © Getty Images

Mönchengladbach - Mit Josip Drmic hat Gladbach den Wunschkandidaten für seine Champions-League-Mannschaft gefunden. Kruse kann er aber nicht eins zu eins ersetzen. Ein Verteidiger soll noch kommen.

Josip Drmic geriet geradezu ins Schwärmen.

"Ich bin begeistert von dem Verein, von der Mannschaft. Was sie geleistet haben, wie sie spielen. Das ist einfach nur ein geiler Fußball. Dazu ein Hammer-Trainer, bei dem ich richtig Bock habe, mit ihm zu arbeiten“, sagte der Schweizer bei seiner Vorstellung bei Borussia Mönchengladbach.

"Großes Puzzlestück" gefunden

Mit einem Jahr Verspätung hat Manager Max Eberl ein „großes Puzzlestück“ für den neuen Kader gefunden. Denn Drmic wollten die Gladbacher bereits 2014 an den Niederrhein holen.

Nun darf sich der Ex-Leverkusener auf Champions League mit den Fohlen freuen, die in der letzten Saison Platz 3 erreichten.

Aber es ist nicht nur die sportliche Perspektive in Gladbach, die in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gewachsen ist. Sondern auch die Art und Weise, wie hartnäckig Eberl Wunschspieler über Jahre verfolgt, um dann zuzuschlagen, wenn sich die Chance ein zweites oder auch drittes Mal bietet. Beharrlichkeit, die sich inzwischen auszahlt.

Unzufrieden in Leverkusen

Im Fall von Drmic war es auch dessen Unzufriedenheit über seine Reservistenrolle in Leverkusen. Auch wenn der Nationalspieler mit der kolportierten Ablösesumme von rund zehn Millionen Euro drei Millionen Euro teurer war als bei seinem Wechsel von Nürnberg zu Bayer vor einem Jahr.

"Es gibt einen Wert, den wir als Verein bereit sind, zu investieren und den der andere Verein haben möchte. Wenn das zusammenpasst, gibt es auch eine Einigung. Die kann auch mal konstruktiv, aber auch kreativ sein. Es ist ein Puzzlestück, das uns ein Stück nach vorne bringen kann", sagte Eberl.

Lücke geschlossen

Nach dem Abgang von Max Kruse hat Eberl mit Drmic also die Lücke, die der Nationalspieler hinterlassen hat, geschlossen. So zumindest die Hoffnung, die Erwartung an den Neuen. "Wir haben die Nummer neun gefunden, die am besten zu uns passt", sagte Eberl.

Dabei wird Drmic nicht nur auf Tore reduziert. Der 22-Jährige arbeitet viel für die Mannschaft, ist schnell, fußballerisch stark und reißt Räume. Dabei nicht so wie Kruse aus der Tiefe kommend und mit einem großen Aktionsradius, sondern eher in die Tiefe gehend, der Typ klassischer Mittelstürmer, dabei jedoch immer auch flexibel. Letztendlich kein Eins-zu-Eins-Ersatz für Kruse, so dass sich die Borussia im Spiel nach vorne auch ein Stück weit verändern wird.

Mehr als 20 Millionen investiert

Zehn Millionen für Drmic, acht für Thorgan Hazard und drei für Lars Stindl – auch wenn die Borussia bereits über zwanzig Millionen Euro für Zugänge ausgegeben hat, wird es in Gladbach trotz der Königsklasse keine klassischen Königstransfers mehr geben. Es wird kein ultimativer Angriff auf dem Transfermarkt gestartet, der Kader nicht auf Teufel komm raus qualitativ und kostenintensiv aufgehübscht.

Drmic ist der typische Eberl-Transfer: Jung, willig, ehrgeizig und entwicklungsfähig. Während man bei den Spielern geduldig auf den nächsten Schritt hofft, verordnet sich auch der Verein selbst eine kontinuierliche Entwicklung, in der ausdrücklich auch sportliche Rückschläge einkalkuliert sind.

Baustelle Innenverteidigung

Eine wichtige Baustelle gibt es noch: Die Innverteidigung soll verjüngt und gleichzeitig verstärkt werden. Wunschkandidat Matthias Ginter erhielt von Borussia Dortmund allerdings keine Freigabe. Trotz der geplanten Leihe des 19-jährigen Dänen Andreas Christensen (FC Chelsea) hat Eberl "noch zwei, drei, vier gute andere Ideen, die wir dann versuchen, umzusetzen. Und dann werden wir als Kader und Mannschaft gewinnen."

Nachhaltiges Nachbessern, punktuelle Puzzlestücke statt kurzfristiges Klotzen ist also das Motto. Auch wenn die bisherigen Verpflichtungen alleine schon durch die Teilnahme an der Königsklasse finanziert werden, gibt es in Gladbach keine in der Branche oft üblichen reflexartigen Investitionen, um der Mannschaft für die Champions League ein komplett neues Gesicht zu verleihen.

Kalkuliertes Risiko

Die eigene Vergangenheit, als man sich bei den Zielen oft vergaloppiert hatte, aber auch die mahnenden Beispiele wie Werder Bremen oder der VfB Stuttgart sorgen für maßvolles Wirtschaften mit kalkuliertem Risiko. "Wir sind nicht erpicht darauf, alles auszugeben, was wir uns erwirtschaftet haben", sagte Eberl.

Es ist also nur folgerichtig, dass die Borussia für die erste Saison in der Champions League in erster Linie auf den in den vergangenen Jahren gewachsenen, eingespielten und erfolgreichen Kader setzt und dabei auch auf die Fähigkeit von Trainer Lucien Favre, sein Personal stetig weiterentwickeln zu können. Es ist der etwas andere Weg, der in Gladbach gegangen wird. Bislang hat er sich ausgezahlt.

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