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Dortmund - Der neue Dortmuner Trainer präsentiert sich kampfeslustig und legt die Messlatte für seine Arbeit hoch. An die Mannschaft hat er klare Anforderungen.

Borussia Dortmunds neuer Trainer präsentiert sich bei seiner Vorstellung tatendurstig und neugierig. Seine Ansprache taugt auch als Motivationsrede für die Mannschaft.  

Die Anspannung war groß, nicht nur bei den Journalisten. Als Thomas Tuchel am Mittwochmittag um kurz nach zwölf den voll besetzten Presseraum des Signal Iduna Parks betrat, schauten alle Augen neugierig auf den "Neuen".

Ein gutes Jahr lang stand Thomas Tuchel nicht im Licht der Öffentlichkeit. Schlank, fast hager sah er aus, als er im Blitzlichtgewitter der Kameras auf dem Podium Platz nahm.

Entscheidung war "sonnenklar"

Blauer Pullover, hellblaues Hemd, dunkle Bundfaltenhose und leichte Sommerschuhe in Beige. Die schwarzgelbe Farbenlehre hat der 41-Jährige noch nicht verinnerlicht.

Dass er bei einem Klub gelandet ist, bei dem es um Emotionen geht, die von den Fans leidenschaftlich gelebt werden, ist dem neuen Trainer von Borussia Dortmund aber nur allzu bewusst.

"Es war sonnenklar, dass es das ist, als es konkret wurde. So hat es sich angefühlt und so musste es sich anfühlen", sagte er über seinen Entschluss, sich für das Engagement beim BVB zu entscheiden.

Tuchels Tugenden

Während nebenan in der Dortmunder Westfalenhalle 8.000 Polizisten vereidigt wurden, legte Tuchel im Stadion seinen BVB-Amtseid ab.

"Fleiß, Bescheidenheit, Mut, Offenheit und Beharrlichkeit", schrieb er sich und seiner Mannschaft bei dem Angriff auf das Spitzenquartett der Bundesliga auf die Fahnen.

"Ich möchte, dass die vier Teams, die wir herausfordern, uns ständig spüren", lautete seine kämpferische Ansage an die Bayern, Wolfsburg, Mönchengladbach und Leverkusen.

Überlegt, zielgerichtet, voller Vorfreude auf seine bevorstehende Aufgabe, so kam der Fußballverrückte Thomas Tuchel bei seiner Präsentation an. Zwischendurch schaute er immer wieder kurz auf die Zettel vor ihm.

Er duldet keine Egoismen

Seine gut vorbereitete, eloquent vorgetragene Antrittsrede würde in großen Teilen auch als Ansprache an die Mannschaft taugen.

Auf dem Weg als Herausforderer forderte er eine "unterstützende Atmosphäre zu schaffen, die durchdrungen sein soll von Leistungsbereitschaft, völlig frei von Egoismen".

"Eine Atmosphäre, die die Mannschaft trägt und uns umgibt, wenn wir gemeinsam als Gruppe zusammen sind und dann spürbar ist in jedem Training, wenn unsere Fans uns zusehen, und vor allem im Stadion in jeder Minute, wenn wir gemeinsam auftreten", sagte Tuchel ohne Pathos.

Dieser Mann lebt Fußball mit jeder Faser. Das war zu spüren. Und könnte ihn auch bei Borussia Dortmund zum richtigen Mann am richtigen Ort werden lassen.

Klopp-Erbe als Ansporn

Das schwere Erbe von Jürgen Klopp anzutreten, sieht er als Ansporn und Verpflichtung zugleich. "Wir möchten hier auf diesem hohen Niveau unser eigenes Kapitel hinzufügen. Die Basis dafür hat Jürgen maßgeblich gelegt", betonte Tuchel.

Schon als Klopps Nachfolger in Mainz wusste er die Arbeit seines Vorgängers gekonnt weiterzuentwickeln.

Das erste Mal, erzählte Michael Zorc rechts von Tuchel, sei dieser dem BVB 2009 ins Bewusstsein gekommen. "Nicht positiver Natur, weil er unsere U19 im Finale um die deutsche Meisterschaft geschlagen hat", so Dortmunds Sportdirektor.

"Wir hatten keine wirkliche Chance in diesem Spiel", beendet Zorc die Anekdote. Tuchel lauschte interessiert mit verschränkten Armen, den den letzten Satz quittierte er mit einem Lächeln.

Ohne Uhr durchs Sabbatjahr

"Hallo erstmal, vielen Dank", so hatte der neue Cheftrainer auf die Willkommensgrüße seiner Vorgesetzten Zorc und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu seiner Linken reagiert.

"Überglücklich", sei er ab heute auch offiziell BVB-Trainer zu sein, erklärte er zu Beginn der insgesamt halbstündigen Pressekonferenz.

Er sei gespannt auf die Region, die Energie der Fans hautnah zu erleben und sich auf seine neue Aufgabe hautnah einzulassen. "Das ist eine große Herausforderung", beschrieb sich Tuchel in doppelter Weise als Herausforderer.

Nach seinem Sabbatjahr lechzt der Fußballlehrer offenbar danach, wieder voll angreifen zu dürfen. Seine zwölfmonatige Auszeit hat er dennoch genossen.

"Das Leben war hart", scherzte er. "Ich bin ohne Uhr ins Bett gegangen und ohne Uhr wieder aufgestanden", sagte der Familienvater, der bereits eine Bleibe im Dortmunder Süden gefunden hat.

Mit voller Energie auf dem Platz stehen

Selbst die WM sei zu großen Teilen an ihm vorbeigegangen. "Doch das kam alles komplett zurück. Ich habe mich gefreut, dass ich mich mit voller Energie wieder drauf einlassen kann. Das ist, was ich am meisten liebe und glaube ich, auch mit am besten kann", sagte er.

"Deswegen freue ich mich am meisten darauf, wieder auf dem Platz zu stehen", betonte Tuchel. Aber ebenso auf das Ruhrgebiet. "Ich lasse mich total darauf ein und bin sehr neugierig", erklärte der gebürtige Schwabe.

Als ihm zum Abschluss eine letzte Frage zum Rücktritt von Sepp Blatter gestellt wurde, leitete der Gefragte souverän an BVB-Boss Watzke weiter.  

So viel steht fest: Thomas Tuchel wird beim BVB seinen eigenen Stil prägen. Der Anfang hierfür abseits des Platzes war vielversprechend.

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