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München - Johannes Geis wird von zahlreichen Spitzenklubs umworben. Vor der U-21-EM spricht der Mainzer bei SPORT1 über Titelträume, seine Zukunft und sein Verhältnis zu Thomas Tuchel.

Auf einmal war scheinbar alles ganz schnell gegangen.

Johannes Geis wechselt von Mainz 05 zu Lazio Rom. Für acht Millionen Euro. Behauptete zumindest die Gazzetta dello Sport.

Keine weiteren Spekulationen, keine weiteren Schlagzeilen über einen der umworbensten Spieler der Bundesliga? Ein Schlag ins Gesicht für alle Freunde der allsommerlichen Transfergerüchte.

Strutz dementiert Wechsel zu Lazio Rom

Die aber durften schnell aufatmen. "Mir ist das nicht bekannt", sagte der Mainzer Präsident Harald Strutz bei SPORT1 zu dem angeblich perfekten Transfer: "Ich wäre der Erste, den Christian Heidel (Manager von Mainz 05, Anm. d. Red.) darüber informieren würde."

Geis selbst weilte zuletzt im Trainingslager der U 21 vor der anstehenden EM in Tschechien und hatte dort im Gespräch mit SPORT1 erklärt: "Ich habe einen guten Berater, der beschäftigt sich damit. Aber der hält im Moment auch alles weit weg von mir - und nach der EM setzen wir uns alle in Ruhe zusammen."

Im Kreis der DFB-Junioren waren die Spekulationen um seine Zukunft zuletzt weit weg von Geis. Bei strahlendem Sonnenschein und traumhaftem Panoramablick in Leogang, irgendwo hinter den österreichischen Bergen - zur perfekten Märchenkulisse fehlten eigentlich nur noch die sieben Zwerge.

18 Millionen Euro Ablöse für Geis?

Geis ist, um im Bild zu bleiben, in diesem Sommer gewissermaßen das Schneewittchen unter den deutschen Youngstern - und das, obwohl sich in der Bundesliga viele weitere vielversprechende Talente finden: Davie Selke, Leroy Sane, Marc Stendera, um nur ein paar Namen zu nennen.

Aber wo immer einer von ihnen in der vergangenen Woche vor dem Spiegel stand und fragte: "Wer ist der begehrteste Youngster im Land?", da wird er als Antwort bekommen haben: "Du bist der Begehrteste im Land. Aber hinter den Bergen ..."

Auf etwa neun Millionen Euro wird Geis' Marktwert derzeit beziffert, Gerüchten zufolge soll etwa das Doppelte nötig sein, um ihn vorzeitig aus seinem bis 2017 laufenden Vertrag in Mainz herauszukaufen. Fast lächerlich erscheinen angesichts dessen die acht Millionen Euro, für die Lazio ihn angeblich verpflichtet haben sollte - auch wenn Geis selbst solche Riesensummen nicht ganz geheuer sind.

Geis: "Die Zahlen sind schmeichelhaft"

"Die Zahlen, die da kursieren, sind auf der einen Seite natürlich schmeichelhaft", sagt er darauf angesprochen, "aber letztlich hilft es mir nichts. Ich bin jetzt bei der U 21, hier muss ich Gas geben, und was dann danach ist, werden wir sehen."

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Seine ersten Bundesliga-Spiele bestritt Johannes Geis (l.) noch für Greuther Fürth © getty

2013 war der defensive Mittelfeldspieler mit der Erfahrung von gerade einmal acht Bundesliga-Spielen als 19-Jähriger von Greuther Fürth nach Mainz gewechselt.

Bei den 05ern traf Geis auf Thomas Tuchel - und der war von seinem Neuzugang zu 100 Prozent überzeugt. In 33 von 34 möglichen Spielen setzte er ihn ein. Der Trainer Tuchel, ein Glücksfall für Geis.

Lob und Dank für Thomas Tuchel

Kein Wunder, dass der Blondschopf spätestens seit der feststehenden Rückkehr Tuchels in die Bundesliga immer wieder auch mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht wird. Kontakt mit seinem einstigen Lehrmeister hat Geis dieses Jahr nach eigener Aussage aber noch nicht gehabt.

Zuletzt habe er sich nach Tuchels Weggang aus Mainz "bei ihm bedankt, denn er hat natürlich einen großen Anteil an meiner Entwicklung", erinnert sich Geis bei SPORT1. Deshalb freue er sich "natürlich, dass er wieder da ist".

Dass Tuchel den hohen Erwartungen in Dortmund gerecht wird, daran gibt es für Geis keinen Zweifel: "Er ist ein super Trainer und ich denke, die Pause hat ihm gut getan. Er wird da in Dortmund auch wieder was Großes aufbauen, da bin ich felsenfest überzeugt."

Torgefährlich und zweikampfstark

Einen wie Geis könnte Tuchel dabei gut gebrauchen. Ordentliche vier Saisontreffer stehen für ihn als defensiver Mittelfeldspieler zu Buche. Gerade bei Standards sorgt Geis auch als Vorbereiter immer wieder für Gefahr vor dem gegnerischen Tor, überzeugt zudem mit seiner Übersicht und präzisen langen Bällen.

Bayer Leverkusen v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga
Thomas Tuchel (l.) und Johannes Geis arbeiteten in Mainz in der Saison 2013/14 erfolgreich zusammen © getty

Ein weiteres Plus: Trotz seiner Position als Abräumer vor der Abwehr begeht er im Schnitt nur etwas mehr als ein Foul pro Spiel. Obwohl Geis in den vergangenen beiden Spielzeiten nur an einem Bundesliga-Spieltag nicht auf dem Platz stand, verpasste er keine einzige Partie wegen einer Gelbsperre.

Das Problem für alle Interessenten: Natürlich wissen sie auch in Mainz, was sie an Geis haben. "Wir werden nicht verhandeln", kündigte Manager Heidel zuletzt im kicker an: "Die, die am Spieler interessiert sind, kennen unsere Vorstellungen."

Eine klare Ansage an all die großen Namen, die angeblich um Geis werben. Egal ob Lazio, Dortmund, Schalke, Atletico Madrid oder Inter Mailand.

Konzentration auf die EM mit der U 21

Bleibt die Frage, was Geis will.

Und da gibt es derzeit nur eine Antwort. "Der Fokus liegt ganz klar auf Tschechien", sagt der Vielumworbene bei SPORT1 und betont: "Die U-21-EM ist einer der größten Titel, um die man spielen kann. Da werden wir alles daran setzen, dass wir auch gewinnen."

Als feste Größe in der Mannschaft von Horst Hrubesch kann Geis dazu selbst einen großen Teil beitragen. Gelingt ihm das, werden sowohl sein Marktwert als auch die Liste der Interessenten sicher noch einmal wachsen.

Und Geis gleich in mehrfacher Hinsicht noch eine Weile die Schlagzeilen beherrschen.

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