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Roberto Di Matteo, Bruno Labbadia, Huub Stevens und Viktor Skripnik
Roberto Di Matteo, Bruno Labbadia, Huub Stevens und Viktor Skripnik (v.l.) © SPORT1

Es ist der normale Vorgang: Fehlen die Ergebnisse, folgt der Trainerwechsel. Doch läuft es dann besser? SPORT1 macht den Daten-Check - mit überraschendem Ergebnis.

Sieben Vereine, neun Trainerwechsel: Auch in der abgelaufenen Saison der Bundesliga mussten einige Trainer ihren Posten räumen. Vor allem der Hamburger SV rotierte ordentlich. Gleich vier Übungsleiter durften beim kriselnden Nord-Klub ran.

Doch es stellt sich die Frage: Machten sich all die Wechsel an der Seitenlinie wirklich bezahlt? Sammelten die Klubs mit neuem Trainer mehr Punkte als zuvor? SPORT1 hat die Daten und macht den Check.

Hamburger SV:

Der HSV machte den Anfang: Auf dem letzten Platz liegend und mit nur 0,33 Punkten im Schnitt wurde Mirko Slomka entlassen. Sein Nachfolger Joe Zinnbauer erreichte immerhin 1,04 Zähler pro Spiel, führte Hamburg auf Rang 16, ehe sich Peter Knäbel selbst inthronisierte und interimsmäßig das Ruder übernahm. Dessen katastrophale Bilanz: Zwei Spiele, zwei Niederlagen, 0:6 Tore, Rückkehr auf Platz 18. Erst Bruno Labbadia konnte das Ruder herumreißen, holte 1,67 Punkte pro Spiel (Bestwert aller neuen Trainer), sicherte die Relegation und schließlich den Klassenerhalt. Fazit: Trainerwechsel erfolgreich

Werder Bremen:

Zum Zeitpunkt seiner Entlassung lag Robin Dutt mit dem SVW auf dem letzten Rang, holte nur 0,44 Punkte im Schnitt und kassierte ganze 2,56 Gegentore pro Partie. Anders sein Nachfolger Viktor Skripnik, er brachte den Erfolg an die Weser zurück: 25 Spiele, 1,56 Zähler/Spiel, Abschlussplatz 10, Europa knapp verpasst. Fazit: Trainerwechsel erfolgreich

Hannover 96:

Mitten im Abstiegskampf zog 96 die Reißleine, Tayfun Korkut musste auf Platz 15 liegend Ende April gehen (29, Spiele, 1,00 PPS). Sein Nachfolger Michael Frontzeck schaffte den Klassenerhalt, schloss die Saison auf Rang 13 ab. Er holte überzeugende 1,60 Punkte pro Spiel. Interessanter Fakt am Rande: Sein gesamter Bundesliga-Schnitt liegt lediglich bei 0,96 Zählern pro Spiel, was ihn auf dem Papier zu einem der schlechtesten Trainer der Bundesliga macht. Fazit: Trainerwechsel erfolgreich

Schalke 04:

Jens Keller konnte den Ansprüchen bei den Knappen nicht gerecht werden. Nach sieben Spielen war Schluss (Platz 11 / 1,14 PPS). Sein Nachfolger Roberto Di Matteo sollte den Erfolg zurückbringen. Und der Erfolg kam: Mit 1,48 Punkten pro Spiel kletterte S04 immerhin auf Rang 6 und spielt nächste Saison international. Zudem stabilisierte er die Defensive (1,04 Gegentore/Spiel, vorher 1,71). Doch auch das reichte nicht, Schalkes Ansprüche waren offenbar noch höher, Di Matteo musste nach Saisonende seinen Platz räumen. Fazit dennoch: Trainerwechsel erfolgreich

VfB Stuttgart:

Es sollte das große Comeback des Meistertrainers werden, doch es endete im Keller: Armin Veh räumte nach zwölf Spieltagen als Tabellenletzter das Feld. Sein Vorgänger war gleichzeitig sein Nachfolger: Huub Stevens. Er riss das Ruder herum, sicherte mit 1,23 Punkten pro Spiel die Klasse (Veh: 0,69). Selbiges gelang im übrigens schon in der Vorsaison (1,20 PPS). Fazit: Trainerwechsel (erneut) erfolgreich

Hertha BSC:

Auch Jos Luhukay blieb unter der Marke von einem Punkt pro Spiel (0,95). Sein Nachfolger Pal Dardai übernahm im Februar, führte den Hauptstadtklub von Rang 17 auf 15. Er holte zwar ebenfalls nur mäßige 1,05 Zähler im Schnitt, konnte die Gegentorrate allerdings von 2,00 auf sehr starke 0,93 pro Spiel senken. Fazit: Trainerwechsel erfolgreich

Mainz 05:

Es lief nicht schlecht zum Saisonstart für Bundesliga-Neuling Kasper Hjulmand, am 4. Spieltag belegte der FSV sogar Platz zwei. Doch im weiteren Saisonverlauf ging es immer weiter nach unten. Martin Schmidt übernahm im Februar, führte die 05er von Platz 14 auf 11 und sicherte souverän den Klassenerhalt. Punkte/Spiel vor Trainerwechsel: 1,05 - danach: 1,38. Fazit: Trainerwechsel erfolgreich

Punkteschnitt der Trainer im Vergleich
Punkteschnitt der Trainer im Vergleich © SPORT1

Somit lässt sich festhalten: Bis auf den Totalausfall Knäbel haben sich - rein rechnerisch - alle Trainerwechsel gelohnt. Das kommt überraschend, historisch gesehen halten sich Verbesserungen und Verschlechterungen die Waage.

Abgestiegen sind mit Freiburg (Christian Streich) und Paderborn (Andre Breitenreiter) übrigens zwei Vereine, die an ihren Trainern festgehalten haben...

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