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Mönchengladbach - Der Telekom Cup 2015 war für Bayern, Augsburg, Gladbach und den Hamburger SV ein erster Härtetest. SPORT1 sagt, welche Aussagekraft das Mini-Turnier für die Teams hat.

"Halsschmerzen", krächzte Matthias Sammer, fasste sich an den Kehlkopf und verzog das Gesicht. Seine Augen und Mimik verrieten etwas anderes.

Der Sportvorstand des FC Bayern hatte am Sonntagabend offensichtlich wenig Lust, den vierten Platz beim Telekom Cup zu erklären.

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Auch zu Bastian Schweinsteigers Wechsel schien seiner Ansicht nach alles gesagt. Deshalb eilte er mit seiner Halsschmerzen-Entschuldigung an den Journalisten vorbei zum Ausgang des Mönchengladbacher Borussia-Parks.

FC Bayern:

Letzter statt Erster - ein ungewohntes Gefühl für den Deutschen Meister und Titelverteidiger des Telekom Cups. "Wir hätten hier schon auch gerne gewonnen", sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. Beim 1:2 gegen Augsburg und 3:4 gegen Mönchengladbach nach Elfmeterschießen sah Lahm trotz des letzten Platzes durchaus gute Ansätze.

"Wir haben ein ordentliches Turnier gespielt und in beiden Spielen über zwei mal 45 Minuten ordentlich Fußball gespielt. Dass wir noch nicht da sind, wo wir hinwollen, ist klar", meinte der Rechtsverteidiger. "Aber es haben auch einige Spieler gefehlt und wir sind mitten in der Vorbereitung", sieht er keinen Anlass zur Sorge.

Auf der Sechs übernahm im Spiel eins nach dem Weggang von Bastian Schweinsteiger Xabi Alonso dessen Part, gegen Augsburg spielte links auf der Doppelsechs Joshua Kimmich. Einen guten ersten Eindruck hinterließ Neuzugang Douglas Costa, der auf der linken Seite als Ribéry-Ersatz das 1:0 gegen Augsburg durch Thiago vorbereitete.

Gegen Augsburg ließen die Münchner mehrere gute Chancen liegen. Im Spiel um Platz drei setzte Guardiola dann auf sieben Youngster, darunter Joshua Kimmich, Julian Green, Philipp Steinhart und Karl-Heinz Lappe. "Die jungen Spieler haben es sehr gut gemacht. Ich bin trotz Platz vier zufrieden, auch weil sich keiner verletzt hat", resümierte der FCB-Coach.

Borussia Mönchengladbach:

Bei der Borussia saß im Spiel nach vorne noch nicht jeder Pass. Dennoch bekamen die 50.123 Zuschauer einen Eindruck davon, wie der Champions-League-Teilnehmer in der neuen Saison auflaufen könnte. "Der ganze Tag war ein richtig guter Test", sagte Neuzugang Lars Stindl gegenüber SPORT1.

Nach dem Wechsel von Nationalstürmer Max Kruse zu Wolfsburg übernahm André Hahn den zweiten Platz im Angriff neben Raffael. Sowohl gegen Hamburg als auch gegen die Bayern vergab er jeweils eine große Chance. "Da gibt's keine Ausrede, natürlich muss ich die machen", sagte Hahn. "Aber ich sehe das positiv. Wir sind in der Vorbereitung und ich habe die Chancen. Es ist wichtig, dass die Laufwege stimmen und wir die Chancen bekommen."

Im defensiven Mittelfeld setzte Trainer Lucien Favre auf Neuzugang Lars Stindl, der seine Qualitäten als Ersatz für Weltmeister Christoph Kramer andeutete, ebenso wie die Zugänge Tobias Sippel im Tor und Nico Elvedi als Linksverteidiger. "Wir konnten einiges ausprobieren ", sagte Borussias Trainer Lucien Favre zufrieden.

Hamburger SV:

"Ich bin überrascht, dass hier so wenig los ist, wo wir endlich wieder einen Titel gewinnen", sagte HSV-Coach Bruno Labbadia schmunzelnd auf der Pressekonferenz nach dem Sieg. 2009 feierten die Hamburger ihren letzten Erfolg beim Telekom Cup. Trainer damals: Bruno Labbadia.

Die Hamburger freuten sich nach dem Fast-Abstieg in der vergangenen Saison über den gelungenen Auftakt der Spielzeit 2015/16. "Das tut den Jungs gut, sie haben viel gearbeitet in den letzten zwei Wochen, so lässt es sich einfacher in die nächsten Tage reingehen", sagte der 49-Jährige.  

"Wir haben von der Organisation auf dem Platz her relativ wenig zugelassen, hätten aber im ersten Spiel noch mehr in Eins-gegen-eins-Situationen kommen und variabler sein müssen", sagte Labbadia über das 5:4 im Elfmeterschießen gegen Gladbach und das 2:1 im Finale gegen Augsburg.

Lewis Holtby übernahm beim HSV die Rolle des Spielmachers und erkannte einen deutlichen Aufwärtstrend: "Man hat gesehen, dass die Mannschaft kompakt ist und dass wir eine Ordnung haben." Gegen Augsburg kombinierte Hamburg gefällig und nutzte seine Chancen durch Mohamed Gouaida und Ivica Olic. Doch Holtby warnte auch: "Das waren jetzt zwei gute Tests, das dürfen wir aber nicht überbewerten."

FC Augsburg:

Die Gefahr des Überbewertens ist in Augsburg von Haus aus deutlich geringer als in Hamburg. "Wir können zufrieden sein, dass wir die Bayern geschlagen haben", kommentierte Augsburgs Trainer Markus Weinzierl nüchtern.

Das 2:1 gegen die Münchner verleiht dem Europa-League-Teilnehmer Rückenwind und Selbstvertrauen für die bevorstehende Saison.

Nach zunächst verhaltenem Beginn zeigte sich der FCA gegen München spiel- und kombinationsfreudig. Auch vom frühen Rückstand durch Thiago in der sechsten Minute ließen sich die Fuggerstädter nicht aus der Ruhe bringen und kamen nach Standards zum Erfolg.

Die Premiere beim Telekom Cup dürfen die Augsburger als gelungen betrachten. Von Halsschmerzen war daher auch bei Manager Stefan Reuter nichts zu spüren. "Unser Team ist sehr homogen. Es funktioniert sehr gut", bilanzierte der FCA-Manager.

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