Video

München - Mit der Verpflichtung von Emir Spahic macht der HSV sportlich viel richtig. Doch eine Garantie, dass der Spieler nicht wieder ausrastet, gibt es nicht.

Von Filippo Cataldo und Martin Volkmar

Die Fans des Hamburger SV werden mit Argusaugen auf Emir Spahic schauen. Schon bei seiner geplanten Ankunft am späten Montag im Trainingslager in Graubünden wird das so sein. Und bei allen weiteren öffentlichen Auftritten.

Beim Klub wissen sie nur zu gut, welche Reaktionen die Verpflichtung Spahics nach sich ziehen würde.

"Rüpel-Kicker" und "Prügel-Profi": So wird Spahic genannt, seit er im April nach dem Pokalspiel gegen den FC Bayern eine Hadvoll Leverkusener Ordner verprügelte und einem sogar eine Kopfnuss verpasste.

Leverkusen feuerte den bosnischen Intenationalen umgehend und der DFB sperrte den Innenverteidiger für drei Monate.

"Es ist doch völlig klar, dass Emirs Verpflichtung kontrovers diskutiert wird, dass es auch Kritik daran gibt", sagte HSV-Trainer Bruno Labbadia, "ich hatte zunächst auch große Bedenken."

Auch Hertha wollte Spahic

Tatsächlich war Spahic in den letzten Wochen und Monaten vielen Bundesligaklubs angeboten worden. Doch bis auf Hertha BSC und Hamburg winkten alle ab.

Sportlich ist Spahic trotz seiner 34 Jahren aber über alle Zweifel erhaben.

In seinen fast zwei Saisons in Leverkusen gehörte er stets zu den Besten. Er verlieh der Abwehr Stabilität und hatte keine Probleme damit, Roger Schmidts Vollgas-Fußball mitzugehen. Er spielt hart, kompromisslos, zuweilen brutal, aber auch nicht unfairer als andere Innenverteidiger.

Hilbert lobt Ex-Kollegen

Schon vergangene Saison hoffte der HSV, mit der Verpflichtung eines kompromisslosen Spielers einen Qualitätssprung zu machen. Valon Behrami aber entpuppte sich vor allem in der Kabine als schlagfertig, auf dem Platz ging er zu oft unter. Bei Spahic soll das jetzt andersrum laufen.

"Er ist ein super Spieler, der dem HSV ganz sicher weiterhelfen wird", sagte Roberto Hilbert, der mit ihm in Leverkusen zusammengespielt hat, im Gespräch mit SPORT1.

Kurz: Spahic ist der bessere, der kompromisslosere Heiko Westermann, der den HSV ja verlassen hat.

Die günstigste Lösung

Vor allem ist Spahic: Die günstigste Lösung, die der HSV bekommen konnte.

Acht Millionen an Gehältern muss der Klub sparen, gerade mal fünf Millionen Euro kann der HSV diesen Sommer an Ablösen ausgeben. Spahic ist ablösefrei - und wird dem Klub sicher auch bei den Gehaltsverhandlungen entgegengekommen sein.

Intelligenter Profi mit Explosionsgefahr

Wer mit ihm zusammengespielt hat, beschreibt Spahic als umgänglichen Typen.  Aber da ist eben auch diese ständige Explosionsgefahr. Wie soll so einer Vorbild für die Jugend sein?

Was macht den HSV so sicher, dass Spahic' andere, dunkle Seite ab sofort nicht mehr ausbricht?

Eine Garantie gibt es nicht. Aber Spahic weiß, dass der HSV seine letzte Chance sein könnte. Er spielt auf Bewährung.

"Seine Reue wirkte nicht gespielt auf mich, nicht aufgesetzt", sagte Labbadia. "Emir muss sich seiner Funktion immer bewusst sein. Nicht nur auf dem Platz. Auch in der Kabine, bei allen öffentlichen Auftritten." 

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel