Video

Klagenfurt und München - Schalkes Sportvorstand Horst Heldt spricht im SPORT1-Interview über den umworbenen Schweizer, den neuen Trainer Andre Breitenreiter und den Verhaltenskodex für die Profis.

Die vergangene Saison verlief für Schalke 04 alles andere als zufriedenstellend. Nach der Champions League verpassten die Königsblauen beinahe auch noch die Europa League.

Für all das hat Horst Heldt die Verantwortung übernommen. Der Manager hofft nun, Schalke wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Womöglich auch mit der Verpflichtung von Xherdan Shaqiri. 

Im SPORT1-Interview spricht Heldt über den Misserfolg der vergangenen Saison, erklärt den 15-seiten Verhaltenskodex für das Team und beschreibt den Status Quo bei Shaqiri.

SPORT1: Herr Heldt, wie ist nach dem ersten Trainingslager Ihr Eindruck von der Mannschaft?

Horst Heldt: In vielerlei Hinsicht positiv. Wir bewegen uns in die richtige Richtung, um eine andere Art des Auftretens zu erzeugen. Die Mannschaft ist sehr konzentriert und fokussiert, gleichzeitig ist aber auch der Spaßfaktor hoch. 

SPORT1: Welchen Eindruck haben Sie bisher von der Arbeit des neuen Trainers?

Heldt: Das, was wir uns von unserem neuen Chef-Trainer versprochen haben, hat sich bisher mehr als erfüllt. Er gibt klare Ansagen, ist sehr akribisch und positiv in seiner Art. Das überträgt sich auf die Mannschaft. Er gibt einen klaren Plan vor, hat die nötige Schärfe, gleichzeitig aber auch die Nähe, die man zu einer Mannschaft braucht. Es ist wirklich sehr, sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten.

SPORT1: Er präsentiert sich sehr volksnah. War das auch die Intention, dass man mit ihm die Mannschaft und die Fans wieder zusammenbringt? 

Heldt: Das ist in der Tat auseinandergeklafft in der letzten Saison, und das hatten wir zu selbst verantworten. Das müssen wir wieder zusammenführen – auch dafür sind wir verantwortlich. Da ist es natürlich wichtig, einen Schritt auf unsere zahlreichen Fans zuzugehen. Das ist das, was uns in den letzten Jahren ausgezeichnet hat, wir aber zuletzt ein Stück weit verloren haben. Um das zurückzugewinnen, müssen wir Maßnahmen ergreifen, die authentisch sind. Da ist es natürlich gut und förderlich, wenn der Chef-Trainer vorneweg marschiert.

SPORT1: Sie waren zuletzt auch sehr kritisch sich selbst gegenüber und haben die Verantwortung dafür übernommen, dass es mit Roberto Di Matteo nicht funktioniert hat. Wie wichtig ist es jetzt auch für Ihre Person, dass es jetzt mit Andre Breitenreiter besser klappt?

Heldt: Es ist bei jedem Verein und in jeder Position wichtig, dass es funktioniert. Jeder nimmt sich etwas vor für eine Saison. Wenn es dann gut läuft, wird man dementsprechend durch Zuneigung von den Fans belohnt. Wenn etwas nicht läuft so wie im vergangenen Jahr, geht es auch in die andere Richtung. Man kann nicht nur die Sonnenseiten genießen, sondern muss dann auch mal durch so ein Tal gehen. Ich gehe jetzt ins neunte Jahr als Manager und habe das schon das eine oder andere Mal erlebt. Man kann etwas verändern, indem man Maßnahmen ergreift, nach vorne schaut und versucht, die Fehler zu beseitigen und nicht zu wiederholen. Daran arbeiten wir jetzt.

SPORT1: In der vergangenen Saison wurde der Mannschaft häufig Lethargie fehlende Mentalität vorgeworfen. Es gibt jetzt einen 15-seitigen Verhaltenskodex. Was steht da so drin?

Heldt: Das sind keine leeren Seiten (lacht). Es ist eine Mischung aus Sachen, die das Verhalten auf und neben dem Platz betreffen. Das sind Maßnahmen, die den Spielern klare Leitplanken aufzeigen, aber auch Hilfestellungen geben, wie man sich am besten zu verhalten hat.

SPORT1: Womöglich ist Xherdan Shaqiri ein Spieler, der sich mit dem Kodex demnächst befassen darf. Wie ernsthaft ist Ihr Interesse an dem ehemaligen Münchner?

Heldt: Xherdan Shaqiri ist ein Spieler von einer außerordentlichen Qualität. Wenn solch ein Spieler auf dem Markt ist, muss ein Verein wie Schalke 04 ausloten, wie die Transferbedingungen sind. Unabhängig davon, ob wir dem Spieler dann nach allen Abwägungen letztendlich ein Angebot machen, würde Xherdan uns wie viele andere Vereine sicher verstärken.

SPORT1: Die von Ihnen ausgegebenen Ziele sind relativ zurückhaltend. Frühes hieß es ja auch schon mal, Schalke wolle da sein, wenn die Bayern mal schwächeln. Sind das die Lehren aus der Vergangenheit?

Heldt: Wenn man sich dreimal hintereinander für die Champions League qualifiziert hat, ist es schwierig und nicht nachvollziehbar, die Ziele nach unten zu korrigieren. Jetzt ist es ein Stück weit anders: Wir haben mit der Champions League ein wichtiges Ziel verpasst. Es ist wichtig, step by step zu gehen. Der erste ist es, wieder ansehnlichen Fußball zu spielen, der unsere Fans glücklich macht. Die Leute sollen nicht frustriert ins Stadion kommen und frustriert wieder nach Hause fahren. Das ist für den einen oder anderen Außenstehenden vielleicht kein lohnendes Ziel. Für uns ist es aber ein immens lohnendes und wichtiges Ziel, die Leute wieder zurückzugewinnen. Und wenn man guten und attraktiven Fußball spielt, kann der auch erfolgreich sein.

SPORT1: Reicht es denn den Schalker Fans, attraktiven Fußball zu spielen, aber am Ende nur Fünfter oder Sechster zu werden?

Heldt: Es geht darum, als Verein und Mannschaft authentisch zu sein. Unsere Fans nehmen viel auf sich, sie investieren viel Zeit, Geld und vor allem Herzblut für ihren Verein. Wir sind verpflichtet, es ihnen zurückzuzahlen. Das ist um vieles lohnender als die eine oder andere Platzierung.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel