vergrößernverkleinern
Bastian Schweinsteiger (l.) und Hans Gehrlein
Auf Bastian Schweinsteiger (l.) lässt Hans Gehrlein nichts kommen © SPORT1

München - Nach dem Wechsel von Bastian Schweinsteiger zu Manchester United schmerzt die Bayern-Seele immer noch. Bei SPORT1 spricht jetzt der Vorsitzende des FCB-Fanclubs "13 Höslwanger".

Auch nach ein paar Tagen fühlt es sich für manchen Bayern-Fan immer noch unwirklich an.

Und die ersten Bilder von Bastian Schweinsteiger im Trikot von Manchester United, beim Training oder im Anzug des englischen Traditionsvereins sind für die rote Bayern-Seele ein Stich ins Herz. Es gibt aber auch Fans, die sich für Schweinsteiger freuen und ihn verstehen können.

Einer von ihnen ist Hans Gehrlein, Vorsitzender der "13 Höslwanger", einem der bekanntesten Fanclubs des FC Bayern München.

"Es kam ja nicht total überraschend", sagt der 48-Jährige im Gespräch mit SPORT1. "Man hat gewusst, dass ein Verbleib in München zuletzt nicht ganz realistisch war, also hat man damit rechnen können."

Es sei aber "natürlich unglaublich schade", ergänzt Gehrlein, "weil Basti eine Identifikationsfigur war und ein Bayer. Er war einer von uns. Klar tut das weh, wenn so einer dann geht."

Verständnis für Schweinsteiger

Gehrlein spricht klar und für einen Fan in diesen Tagen erstaunlich sachlich über den Verlust des Idols. Es gebe nicht nur "die emotionale", sondern auch "eine andere Seite".

United sei "mindestens genauso groß wie der FC Bayern. Da kann ich es nachvollziehen, wenn er das zum Karriereende nochmal macht". Außerdem habe Schweinsteiger "schon vor der letzten Vertragsverlängerung vor fünf Jahren davon gesprochen, dass es ihn reize würde, irgendwann auch mal in einer anderen Top-Liga zu spielen".

Auch ein Werbeclip trieb Gehrlein nicht die Zornesröte ins Gesicht. Dieser Film hatte am Montag für Aufsehen gesorgt, weil er - obschon so professionell gemacht, dass er mit Vorlauf produziert worden sein musste - schon kurz nach der Verkündung des Wechsels erschien und in dem es explizit um Schweinsteigers Wechsel zu United geht.

"Ich fühle mich durch dieses Werbefilmchen nicht verarscht, denn Basti hat sich zuletzt nie in der Form geäußert von wegen, dass er unbedingt bleiben will", meint der Fanclub-Chef.

Gehrlein erinnert sich: "Basti sagte bei der Meisterfeier im Postpalast, dass seine Zukunft ungewiss ist und er sich gut vorstellen kann auch mal woanders zu spielen." Deswegen kann Gehrlein die Aufregung über diesen Clip nicht verstehen.

"Ich denke mir, dass die Entscheidung einfach schon länger feststand."

Lachendes und weinendes Auge

Grundsätzlich betrachtet Gehrlein den Schweinsteiger-Wechsel zwiegespalten. "Es ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wollen wir 'Mia San Mia', andererseits die Champions League gewinnen. Das ist nicht so einfach."

Viele Fans der Münchner sehen genau darin das große Problem und machten ihrer Sorge am Dienstag mit einem Protest-Plakat am Trainingsgelände des FCB Luft. Schwindet der Glaube an das "Mia San Mia"-Gefühl immer mehr?

"Weil sich alles verfremdet"

"Ein kleiner Protest ist nicht schlimm. Denn es ist nie verkehrt, auf etwas hinzuweisen, was einem nicht gefällt", meint Gehrlein dazu. "Viele Fans haben zu mir gesagt, dass es so nicht weitergehen kann. Man müsse dagegen etwas tun, weil sich alles verfremdet."

Gehrlein ergänzt: "Immer mehr Spieler kommen aus Brasilien, Spanien oder sonst woher. Da fragt man sich schon, was die noch mit Bayern zu tun haben. Klar waren wir die letzten Jahre total verwöhnt bei den vielen Spielern, die von den Amateuren hoch kamen. Aber das war ein Jahrhundert-Jahrgang, den hat man nicht immer."

Gehrleins Hoffnung ruht auf der neuen Bayern-Akademie. "Wenn die fertig ist, dann wird sicher der eine oder andere bayrischen Spieler wieder nachkommen. Aber momentan tut man sich schon schwer an ein 'Mia San Mia‘ zu glauben."

Umtausch des Trikots?

Beim FC Bayern glaubt man derweil nicht, dass viele Fans ihr neues FCB-Trikot mit der Rückennummer 31 des abgewanderten Schweinsteiger zurückgeben wollen.

Für Gehrlein undenkbar: "Ich bin ein Schweini-Fan und werde mein Trikot nicht umtauschen. Ich hoffe allerdings, dass nicht sofort einer mit der Nummer 31 aufläuft. Ich werde das Schweini-Trikot auch weiterhin mit Stolz tragen."

Und weiter: "Die englische Liga verfolgt man schon länger, aber jetzt schaut man noch interessierter hin. Ich werde jeden Spieltag verfolgen, was unser Schweini da macht. Ich werde ihm die Daumen drücken, dass er da auch eine gute Rolle spielt. Das bleibt unser Mann, auch, wenn er woanders spielt."     

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel