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Dortmund - Julian Weigl begeistert nach seinem Bundesliga-Debüt die BVB-Verantwortlichen und stellt prominente Spieler in den Schatten. Dennoch ist noch Luft nach oben.

Julian Weigl nutzte die Gunst des Augenblicks.

Teamkollege Roman Bürki verließ die Katakomben des Dortmunder Stadions. Weigl folgte ihm unauffällig. Hinter dem Astralkörper des Schweizer Torwarts konnte sich der schmale Spieler mit dem Milchbubigesicht gut verstecken und schnell nach draußen gelangen.

Zorc freut sich über das Schnäppchen

Vermutlich hatte Weigl nach seinem Bundesliga-Debüt im Trikot von Borussia Dortmund keine große Lust auf einen Interview-Marathon. Dabei war dieses optimal verlaufen. Weil Weigl nichts sagte, sprachen andere über die Leistung des 19-Jährigen.

"Das sah wirklich gut aus. Er hat sehr abgeklärt gespielt. Man hat das Gefühl, er hat immer einen Plan", sagte Michael Zorc nach dem 4:0 (3:0)-Erfolg über Borussia Mönchengladbach. Dabei grinste der Sportdirektor. Der Gedanke, so einen Spieler für nur 2,5 Millionen Euro bekommen zu haben, macht gute Laune.

Auch Thomas Tuchel lobte Weigl. "Ich habe ihm zu seiner Leistung gratuliert. Wir haben es ihm zugetraut, sonst hätten wir ihn nicht aufgestellt", sagte Dortmunds Trainer.

Bender und Castro auf der Bank

Es hatte sich in der Vorbereitung abgezeichnet, dass Weigl gegen Gladbach eine Option für die Startelf ist. Trotz prominenter Alternativen für die Dortmunder Mittelfeld-Zentrale. Sven Bender und Elf-Millionen-Mann Gonzalo Castro dürften auch in den kommenden Spielen auf der Bank sitzen. Denn Weigls Leistung war ein Statement.

Die erfahrenen Dortmunder suchten den Zugang von 1860 München permanent. Mit einer starken Balleroberung leitete Weigl zudem das Tor zum zwischenzeitlichen 3:0 durch Henrikh Mkhitaryan ein. Und dann lieferte der Debütant auch noch einen statistischen Bestwert ab: 95,2 Prozent seiner Zuspiele kamen bei Mitspielern an.

Besser als Gündogan und Alonso

Damit war Weigl am ersten Spieltag die zuverlässigste Passmaschine der Bundesliga. Weder sein Teamkollege Ilkay Gündogan noch ein Xabi Alonso vom FC Bayern kamen an den Topwert heran.

Julian Weigl
Julian Weigl hatte am 1. Spieltag die beste Passquote aller Bundesligaspieler © SPORT1 Grafik

Für die Zuschauer war es schwer vorstellbar, dass dieser zuverlässige Spieler vor zweieinhalb Monaten fast in die Dritte Liga abgestiegen wäre.

Turbulente Zeit in München

Bei seinem Ex-Verein erlebte Weigl eine turbulente Saison. Erst bestimmte ihn Trainer Ricardo Moniz zum jüngsten Kapitän der Vereinsgeschichte. Nach einer Disco-Tour mit vier Teamkollegen musste Weigl die Binde nach zwei Spielen wieder abgeben.

Er erlebte bei 1860 zwei Trainerwechsel, zahlreiche Blamagen und eine Last-Minute-Rettung in der Relegation.

Das Talent schien schon in der Versenkung zu verschwinden. Doch dann schlug Borussia Dortmund zu, wo Weigl einen Vierjahresvertrag unterschrieb.

FC Bayern lehnt ab

Weigl hätte in seiner Jugend auch beim FC Bayern München landen können, zumindest wenn es nach seinem damaligen Verein, dem TSV 1860 Rosenheim ging.

Der Klub hatte damals eine Kooperation mit dem FCB am Start, in deren Folge unter anderem Bastian Schweinsteiger zu den Münchnern wechselte.

Der junge Weigl jedoch war dem FC Bayern jedoch zu "undynamisch", wie der damalige Rosenheimer Jugendleiter, Hans Fingernagel, SPORT1 berichtete. 

Also griffen die "Löwen" zu. 

Einsatz gegen den Wolfsberger AC

In Dortmund startete er von Beginn an durch und überzeugte Tuchel in der Vorbereitung. Deshalb brachte ihn der Coach schon gegen den Wolfsberger AC.Seinen guten Auftritten in der Europa-Leauge-Qualifikation ließ Weigl nun ein sehr gutes Spiel in der Bundesliga folgen. Auch Kapitän Mats Hummels begeisterte der "super Fußballer, der unaufgeregt seine Arbeit erledigt."

Wenn es an Weigls Leistung etwas auszusetzen gab, war es die Zweikampfstatistik. Er gewann 50 Prozent der direkten Duelle - für einen Spieler im zentralen Mittelfeld ein ausbaufähiger Wert.

Wenn er demnächst auf Kaliber wie Arturo Vidal oder Luis Gustavo trifft, täte dem Schlacks mehr Muskelmasse gut. Allerdings könnte sich Weigl dann nicht mehr so einfach hinter Roman Bürki verstecken.

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