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Wolfsburg - Nach der Niederlage im Supercup beklagt der FC Bayern seine mangelnde Chancenauswertung und ahnt, dass sich der VfL Wolfsburg immer mehr zum Titelkonkurrenten entwickelt.

Von Maik Rosner

Am Ende genügte ein kleiner Satz, um die zunehmende Konkurrenz durch den VfL Wolfsburg auf den Punkt zu bringen. Dieter Hecking sprach ihn aus, und die kurze Aussage des Wolfsburger Trainers wirkte wie eine Ankündigung, es auch in der Bundesliga mit dem FC Bayern aufnehmen zu wollen.

"Wir haben Blut geleckt", sagte Hecking nach dem Gewinn des Supercups am Samstagabend und erinnerte daran, dass dies der zweite Titelgewinn binnen zwei Monaten gewesen war, nach dem Pokalsieg Ende Mai. Und auch Manager Klaus Allofs erkannte im Auftritt des VfL eine "Siegermentalität". Dieser Erfolg durch ein 5:4 im Elfmeterschießen "unterstreicht unseren Weg nach vorne", befand er.

Robben sauer

Die Münchner mussten sich vor allem ärgern, dass es überhaupt zum Elfmeterschießen gekommen war. Lange Zeit hatten sie durch das Tor von Arjen Robben aus der 49. Minute geführt und danach noch mehrfach Gelegenheiten ausgelassen, das Spiel gegen den Pokalsieger vorzeitig zu entscheiden. Doch weil das ausblieb, konnte Nicklas Bendtner in der 89. Minute eine der wenigen Chancen der Wölfe zum Ausgleich nutzen. "Das darf nicht passieren in der letzten Minute", kritisierte Robben, "da musst du dein Leben reinwerfen."

Jerome Boateng sah es ähnlich. "Wir waren klar die bessere Mannschaft. Wir müssen vor dem Tor einfach eiskalt sein", sagte der Nationalspieler, der bei Bendtners Tor einen Schritt zu spät gekommen war, "das ist sehr, sehr ärgerlich und darf nicht passieren."

Elferschießen wird zum Trauma

Stattdessen erlebte vor allem Xabi Alonso eine Fortsetzung des Elfmetertraumas. Bereits im Pokalhalbfinale gegen Borussia Dortmund hatte der Spanier verschossen. Diesmal trafen anders als gegen den BVB immerhin die Kollegen, doch Alonsos Ball in die Tormitte wehrte Wolfsburgs Schlussmann Koen Casteels spektakulär mit dem Fuß ab.

Es war eine Wiederholung schlechter Erfahrungen, die die Bayern beim Elfmeterschießen erlebten. Das galt nicht nur für Alonso, der erneut scheiterte. Zudem hatte Trainer Pep Guardiola seinen besten Schützen Thomas Müller kurz zuvor ausgewechselt, allerdings noch beim Stand von 1:0 für die Münchner. Er sei dennoch "sehr, sehr zufrieden" mit dem Auftritt seiner Mannschaft, sagte Guardiola. Wolfsburg sei natürlich ein großer Konkurrent, aber nicht der einzige. "Wir werden versuchen, die deutsche Meisterschaft zu gewinnen", sagte er.   

Costa überzeugt

Dass die Wolfsburger nun auch in der Liga zum Dauerrivalen aufsteigen werden, glaubt Boateng noch nicht so richtig. "Wir wurden ja nicht an die Wand gespielt, es war eher anders herum. Wir hatten die größeren Spielanteile und haben ein Elfmeterschießen verloren, nicht 1:4 nach 90 Minuten", sagte der Innenverteidiger. Damit erinnerte er an die deutliche Niederlage zu Beginn der vergangenen Rückrunde an gleicher Stelle.

Diesmal war es in der Tat ein deutlich besserer Auftritt des FC Bayern.

Und großen Anteil daran hatte Douglas Costa, der den weiterhin verletzten Franck Ribéry gut vertrat. Der 30 Millionen Euro teure Zugang von Schachtjor Donezk wirbelte die Wolfsburger auf der linken Seite gehörig durcheinander. Vor allem sein Gegenspieler Vieirinha konnte den explosiven Antritten des Brasilianers nicht folgen. "Wir wurden überrumpelt", gestand Hecking. Costa war es auch, der mit seinen Hochgeschwindigkeitsläufen mehrere gute Chancen einleitete, darunter Robbens Tor.

Blick nach vorne

Allerdings zeigte auch Costa jenen Makel, den sich die Münchner insgesamt vorwerfen lassen mussten. Es fehlte wieder einmal der sogenannte Killerinstinkt, die nötige Kälte vor dem Tor. Bei einem Konter hatte Robert Lewandowski Costa sehenswert in Szene gesetzt. Doch anstatt freistehend abzuschließen, versuchte der Brasilianer noch einmal querzulegen.

Trotz der ersten Enttäuschung blicken die Münchner zuversichtlich auf die Saison, auch wegen Costa und des anderen Zugangs Arturo Vidal, der in der Schlussphase sein Debüt für den FC Bayern gab. "Die neuen Spieler werden uns weiterbringen", ist Robben bereits überzeugt, genauso wie von der Favoritenstellung seiner Münchner im Kampf um die großen Titel. "Es gibt noch drei Titel, also auf geht’s", sagte der Niederländer selbstbewusst. Trotz des neuen nationalen Rivalen aus Wolfsburg. 

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