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Manager Thomas Eichin (r.) und Trainer Viktor Skripnik (l.) hoffen auf Anthony Ujahs Tore © SPORT1-Grafik/Paul Haenel

München - Der SV Werder wird auf absehbare Zeit nicht mehr im Konzert der Großen mitspielen können. Nach den Abgängen von Franco Di Santo und Davie Selke wären die Bremer schon froh, eine Saison ohne Sorgen zu erleben.

Am 14. August startet die Bundesliga in ihre 53. Saison (SERVICE: Der Spielplan).

SPORT1 nimmt in der Serie "Bundesliga - der Countdown" alle 18 Teams genau unter die Lupe und gibt eine Prognose ab.

Diesmal ist der SV Werder Bremen dran, der mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln den Erfolg der Vorsaison möglichst toppen will.

  • Das ist neu:

Die positive Grundstimmung von Beginn der Vorbereitung. Trainer Viktor Skripnik, der unter seiner Regie in 25 Spielen stolze 39 Punkte verbuchte, kann diesmal die Saison gründlich planen, nachdem der ukrainische Fußballlehrer im Vorjahr ja als Nothelfer einsprang. Mit seinem Trainerteam, in dem Torsten Frings eine wichtige Rolle bekleidet, ist er darum bemüht, dass die Arbeitsatmosphäre stimmt: Jeder soll auch Spaß haben.

Dazu will Skripnik die jungen Spieler nach vorne bringen. Ulisses Garcia (19) als neuer Linksverteidiger, die Eigengewächse Florian Grillitsch (19), Maximilian Eggestein (18) und auch der einst aus Gambia geflüchtete Ousman Manneh (18) sind diejenigen, die in der Vorbereitung für Furore gesorgt haben - Werder ging ungeschlagen durch diesen Sommer! Statt sich international nach vielleicht zweitklassigen Profis umzusehen, will der Vereine seine Talente entwickeln.

Der Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Dritte Liga hilft dabei immens. "Es ist Teil unseres Plans, dass auch dort die Talente unter hohem Druck gefördert werden", heißt es aus der Werder-Geschäftsführung. Denn Bremen muss seinen Konsolidierungskurs fortsetzen. Nur ein Teil der Transfereinnahmen kann ausgegeben werden.

Dennoch brachten die Hanseaten nun offenbar den Transfer eines weiteren Stürmers unter Dach und Fach: Der 24 Jahre alte US-Amerikaner Aron Johannsson wechselt nach Angaben von AZ Alkmaar für rund fünf Millionen Euro an die Weser.

  • Spieler im Fokus:

Wie bitte macht Antony Ujah das bloß? Der Stürmer, der dank einer Ausstiegsklausel für 4,5 Millionen Euro verpflichtet wurde, macht im Alleingang die Abgänge von Davie Selke (für acht Millionen Euro zu RB Leipzig) und Franco Di Santo (für sechs Millionen Euro zum FC Schalke) vergessen. Gerade erst im finalen Härtetest beim Europa-League-Kandidaten West Ham United (2:1) schnürte der Nigerianer wieder einen Doppelpack.

"Als Mannschaft war es wichtig, dass wir uns vor dem Pflichtspiel-Start nochmal Selbstvertrauen geholt haben. Mich persönlich freuen die zwei Tore natürlich sehr", sagte Ujah, der an der Weser sofort durchgestartet ist und als Hoffnungsträger gehandelt wird. Davor half der 24-Jährige mit, den Europa-League-Sieger FC Sevilla (3:1) zu bezwingen. Und vom ersten Tag an verbreitete der neue Torjäger gute Laune. Ernst wird es erst, wenn die Grün-Weißen am kommenden Samstag im DFB-Pokal bei den Würzburger Kickers antreten. Setzt Ujah seinen Lauf fort?

  • Saisonziel:

Es gibt keinen konkreten Tabellenplatz, der vom Verein vorgegeben wird. Thomas Eichin drückt sich im Gespräch mit SPORT1 so aus: "Wir definieren uns als Mannschaft, die es bei optimalem Verlauf schaffen kann, einen einstelligen Tabellenplatz zu belegen und bis zum Schluss vielleicht am europäischen Wettbewerb kratzen kann. Wenn wir das schaffen, haben wir einen guten Job gemacht."

Werder will beweisen, dass sich auch mit einem kleinen Budget in der Bundesliga etwas bewirken lässt. Vorbilder: Borussia Mönchengladbach und der FC Augsburg. Eichin: "Wir haben uns auf den Weg gemacht, solchen Beispielen nachzueifern."

  • Das muss sich ändern:

Es ist eine unbequeme Wahrheit, die rund ums Weser-Stadion niemand aussprechen will. Aber Werder muss seinen internen Kostenapparat in den Griff bekommen. Immer nur Leistungsträger zu verkaufen, um Etatlöcher zu stopfen, kann auf Dauer nicht gut gehen.

Allerdings ist der Lizenzspieleretat schon auf rund 30 Millionen Euro abgeschmolzen. Wenn allerdings der gesamte Personalaufwand mit fast 48 Millionen Euro beziffert wird (Mitgliederversammlung November 2014), dann verschwindet viel zu viel Geld in der Verwaltung. Es sollen fast 160 Angestellte sein, die der SV Werder noch seit den Champions-League-Zeiten beschäftigt. Aber wer wagt sich an die Umstrukturierung in der strukturschwachen Region?

  • SPORT1-Prognose:

Bleibt die Stammbesetzung von Verletzungen und Formschwächen verschont, dann steht Bremen eine sorgenfreie Saison bevor. Und bestätigt das Team die Verfassung der Vorbereitung, dann ist sogar noch mehr möglich. Allerdings ist der Kader bei Ausfällen von Leistungsträgern zu dünn. Das könnte Probleme geben. Realistisch ist ein Rang im gesicherten Mittelfeld.

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