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Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach hat sich nach dem Favre-Abgang erst einmal aus der Krise geschossen. Die Gründe für die Kehrtwende? Offenbar so simpel wie wirkungsvoll.

Granit Xhaka kam aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus.

Als der Rest der Mannschaft von Borussia Mönchengladbach schon lange in der Kabine verschwunden war, um den ersten Saisonsieg zu feiern, gab der Schweizer noch bereitwillig ein Interview nach dem anderen. Ihm war die Erleichterung deutlich anzusehen.

Schließlich versuchte der 22-Jährige, das im Grunde Unerklärliche zu erklären. Den 4:2-Sieg gegen den FC Augsburg. Den emotionalen Befreiungsschlag. Den überzeugenden und leidenschaftlichen Auftritt in den 90 Minuten zuvor, als hätte es die vergangenen Wochen gar nicht gegeben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan)

"Es ist ja nicht so, dass wir in fünf Wochen das Fußballspielen verlernt haben. Wir haben trotz Andre Schubert immer noch das Favre-System im Kopf. Aber er hat zwei, drei Dinge im Mentalbereich verändert. Dass wir auch Fehler machen dürfen und mehr Mut zeigen müssen", sagte Xhaka.

Keine Zauberer oder Hexenkünstler

So einfach also? Ja, manchmal scheint Fußball doch sehr simpel zu sein. Und vor allem eine Kopfsache.

"Wir sind keine Zauberer oder Hexenkünstler, die die Hand auflegen. Wir haben sachlich an ein paar Dingen gearbeitet. Und dann muss man auch ein bisschen Glück mit dem Spielverlauf haben", sagte Interimstrainer Andre Schubert.

Als sei es das Normalste auf der Welt, dass diese zuletzt so verunsicherte Mannschaft nach zuvor sechs Pflichtspiel-Niederlagen in Folge und drei Tage nach der überraschenden Flucht ihres Ex-Trainers Lucien Favre auf den Platz geht und nach 20 Minuten 4:0 führt. (SERVICE: Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Schubert wirkte bei seinem ersten Einsatz als Cheftrainer trotz der turbulenten Tage alles andere als nervös, strahlte eine gewisse Ruhe aus.

Konzentriert war er, sicher auch angespannt. Aber alles in allem doch vergleichsweise locker. Zumindest nach außen hin. So richtig genießen konnte er den Auftritt dann aber nicht.

"Eine tolle Mannschaft"

"Was ich genossen habe, war die Arbeit mit den Jungs. Das ist eine tolle Mannschaft, das sind tolle Charaktere. Was heute passiert ist, ist nicht durch uns, sondern durch die Spieler passiert", sagte der 44-Jährige.

In der Tat lief es plötzlich wieder, die Mechanismen griffen. Die Mannschaft präsentierte sich wieder stark im Kollektiv, als Einheit. Mit einer ganz anderen Körperhaltung, dem Drang und dem Willen, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. 

Auch bedingt durch das Comeback von Alvaro Dominguez, Patrick Herrmann und Fabian Johnson. Schubert fand so ein Gerüst, dass Favre zuletzt vergeblich gesucht hatte. Bedingt durch Verletzungen, die wachsende Krise, aber auch durch eine Portion Ratlosigkeit.

Dominguez, Herrmann und Johnson als Schlüssel

Dominguez gab der Defensive die zuletzt vermisste Sicherheit, Johnson dem Spiel die Abgeklärtheit und Herrmann die Unbekümmertheit, die Schnelligkeit.

Dadurch fand Raffael plötzlich seine verlorene Form zurück, Stindl seine Rolle als fleißiger Ballverteiler zwischen den Linien und der Rest den Mut und die notwendige Aggressivität. All das innerhalb des Favre-Systems, von dem Schubert nicht abgewichen war.

© SPORT1

An ein paar Stellschrauben habe er gedreht, viel mehr eigentlich nicht, so Schubert. (SERVICE: Die Statistiken des Spiels)

Mehr Verantwortung für Xhaka

Eine solche Stellschraube war dann auch die Entscheidung, Granit Xhaka für den verletzten Tony Jantschke zum Kapitän zu machen.

"Wir haben es bewusst gemacht, weil Granit für uns ein wichtiger Spieler ist und Qualitäten hat, aber auch lernen muss, Verantwortung zu übernehmen. Er kann so ein Spiel auch lenken und Spieler mitreißen", sagte Schubert.

Für Xhaka "ging ein Traum in Erfüllung", was man dem zuletzt ebenfalls formschwachen Schweizer deutlich anmerkte. Auch das half den so wichtigen Sieg einzutüten.

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