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Köln - Gladbach taumelt nach der fünften Niederlage im fünften Spiel dem Abstiegskampf entgegen. Trainer Favre genießt dennoch Eberls Vertrauen. Xhaka gibt sich kämpferisch.

Nach der fünften Pleite in Folge wehrte sich Max Eberl nicht mehr gegen das böse Wort "Abstiegskampf", seinem Trainer Lucien Favre stärkte der Manager von Borussia Mönchengladbach aber demonstrativ den Rücken.

"Debakel, Krise, Abstiegskampf - es gibt viele Worte, die derzeit auf uns einprasseln", sagte Eberl nach dem 0:1 (0:0) in einem seltsamen Derby beim 1. FC Köln und fügte angesprochen auf Favre an: "Wir gehen da gemeinsam durch." (DATENCENTER: Tabelle)

Wieder einmal agierte die Borussia erschreckend harmlos, vom Offensiv-Spektakel des Vorjahres ist nichts übrig geblieben.

"Sisyphos lässt grüßen"

"Sisyphos lässt grüßen. Du schiebst die Kugel immer wieder hoch, dann rollt sie wieder zurück", sagte Eberl. Am Ende stand die Borussia wieder einmal mit leeren Händen da, nur noch eine Pleite fehlt zu Fortuna Düsseldorfs Negativ-Startrekord aus der Saison 1991/92.

Trainer Favre sprach dann auch von "keiner idealen Situation" für sein Team.

Zumindest bekannt dürfte dem Schweizer die prekäre Lage aber vorkommen. Im September 2009 hatte Favre nach der Beinahe-Meisterschaft mit Hertha BSC sogar sechs Pleiten in Folge kassiert und war daraufhin entlassen worden.

So weit ist es in Gladbach noch nicht, auch an einen freiwilligen Rücktritt will keiner glauben. "Der Trainer wird uns nicht im Stich lassen", meinte Granit Xhaka.

Dennoch stellt sich die Frage, wie die Borussia den Ausweg aus der Negativ-Spirale finden soll. "Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht, aber wir hatten keine klare Torchance", gab auch Favre zu. Nach dem Gegentor durch Anthony Modeste (64.) war bei den "Fohlen" kein Aufbäumen zu spüren.

"Wenn du fünf Niederlagen hast und du untendrin stehst, dann brauchst du dir nichts schönreden", sagte Kapitän Tony Jantschke zu SPORT1.

Köln Gladbach
Gladbach hatte zwar mehr Ballbesitz, Köln präsentierte sich aber effektiver und durchsetzungsstärker © SPORT1

Dennoch wollte Xhaka, der nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre in die Startelf zurückkehrte und mit 149 Ballkontakten eine neue Bestmarke in dieser Saison aufstellte, nicht zu weit nach unten blicken.

"Ich bin nicht der Typ, der nach fünf Spieltagen schon über den Abstieg spricht", sagte Xhaka. "Wir wissen, dass wir da unten stehen, aber wir wissen, dass wir noch 29 Spiele vor uns haben. Wir können noch viele Punkte holen. Und das beginnt hoffentlich am Mittwoch."

Eberl: Harte Arbeit und Teamgeist

Sportdirektor Eberl setzt vor den kommenden Spielen gegen den FC Augsburg (Mi., ab 19.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) und beim VfB Stuttgart vor allem auf "harte Arbeit" - und den Teamgeist.

"Es kann sein, dass diese Spirale weitergeht. Aber wir müssen da gemeinsam durch. Wenn wir anfangen, uns auseinander dividieren zu lassen, haben wir ein Problem", sagte der Sportdirektor: "Wir hatten vier fantastische Jahre, aber jetzt müssen wir wieder ganz, ganz hart arbeiten."

FC-Fans verhöhnen Gladbacher

Helfen sollen dabei auch die Fans, die das Derby zum Großteil aus Protest gegen die Reduzierung und Personalisierung von Tickets boykottiert hatten. Als die Mannschaft nach Schlusspfiff mit hängenden Köpfen in die Kurve trottete, spendete nur noch ein kleines Häufchen Anhänger tröstenden Applaus.

Die FC-Fans, die ebenfalls weitgehend ruhig geblieben waren, sparten nach dem ersten Heimsieg gegen den Erzrivalen seit zehn Jahren dagegen nicht mit Spott. "Absteiger, Absteiger" und "Oh ist das schön, euch nie mehr zu sehen", schallte es durch das Stadion.

Gegen Augsburg hofft die Borussia nun trotz der Talfahrt wieder auf die volle Unterstützung der Fans.

"Wir hatten ein sehr gutes Gespräch mit unseren Anhängern. Da wurde klar gesagt: Wenn wir gegen Köln verlieren, werden sie gegen Augsburg wieder da sein", sagte Eberl und fügte dann etwas leiser an: "Ich habe erst mal keine Sorge."

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