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Mönchengladbach - Die Borussia schlittert nach der Schlappe gegen den HSV tiefer in die Krise. Und das ausgerechnet vor der Premiere in der Königsklasse. Erinnerungen an den BVB werden wach.

Lucien Favre stockte.

Der Schweizer dachte nach, holte kurz Luft. Man konnte deutlich sehen, wie es in ihm arbeitete. Schließlich versuchte er einen Auftritt zu erklären, der eigentlich nur schwer zu erklären war.

"Wir haben zu schnell die Geduld verloren und zu kompliziert gespielt. Uns fehlte die Bewegung, defensiv wie offensiv. Und dann funktioniert es nicht", sagte der Trainer von Borussia Mönchengladbach nach der ebenso desolaten wie bitteren 0:3-Niederlage gegen den Hamburger SV.

Und dann wiederholte er zum erneuten Male: "Wir wussten, dass diese Saison extrem schwer für uns wird." (DATENCENTER: Tabelle)

Defensive taumelt

Die 90 Minuten zuvor hatten ihm auf schonungslose, aber für die Verantwortlichen auch fast schon beängstigende Art und Weise Recht gegeben. Die beeindruckende Rückrunde der vergangenen Saison? Scheint Jahre her. Die Leichtigkeit, mit der man sich erstmals für die Champions League qualifiziert hatte? Ist wie weggeblasen. Die dominante Defensive? Ein Schatten ihrer selbst. (DATENCENTER: Spielplan und Ergebnisse)

Stattdessen wirkte die Borussia gegen einen sicherlich nicht dominierenden HSV überfordert, ängstlich und unsicher. Der verpatzte Saisonstart hatte deutliche Spuren hinterlassen.

Stindl auf der Außenbahn wirkungslos

Dabei hatte Favre nach der Länderspielpause wieder etwas Neues probiert, ließ Zugang Lars Stindl zum dritten Mal eine neue Position spielen, diesmal auf der Außenbahn.

Stindl blieb ebenso ohne jegliche Wirkung wie Andre Hahn, der in der Spitze agierte. Und in der defensiven Schaltzentrale bekam Tony Jantschke neben Havard Nordtveit den Vorzug vor Nachwuchshoffnung Mahmoud Dahoud.

Favre wollte so mehr Stabilität, was jedoch auf Kosten der Kreativität ging. Passend dazu hatte ausgerechnet Jantschke die Niederlage mit einem katastrophalen Rückpass mit eingeleitet.

Doch die Schlappe ist nicht nur an den personellen Entscheidungen und Rochaden festzumachen. Die Zweikämpfe wurden insgesamt zu verhalten geführt, wenn denn überhaupt.

Fehler machen fassungslos

Ideen im Spiel nach vorne waren keine zu erkennen, die Fehler machten in ihrer Häufigkeit, Simplizität und Naivität fast schon fassungslos. Fünf Pässe am Stück zum eigenen Mann, zwingende Torchancen? Utopisch an diesem Abend.

Zu allem Überfluss verletzte sich auch noch der gerade erst wieder genesene Abwehrchef Martin Stranzl schwer und fällt sechs bis acht Wochen aus. Der Österreicher erlitt einen Bruch des Augenhöhlenbodens und wurde bereits operiert.

Manager Max Eberl wurde nach der vierten Saisonpleite im vierten Saisonspiel dann auch deutlich. "Wir haben ein beschissenes Spiel gemacht und einen beschissenen Start gehabt. Ich verstehe nicht, woher diese unfassbare Angst herkommt. Vor was? Es ist doch noch nichts passiert?!", so Eberl.

Nein, viel passiert ist noch nicht. Doch die englischen Wochen mit Champions League und DFB-Pokal fangen jetzt erst richtig an. Weitere Rückschläge, erneute Tiefschläge und damit eine Potenzierung der Krise drohen. Hinzu kommt, dass Favre durch den engen Spielrhythmus im Training kaum Zeit findet, um an den Fehlern zu arbeiten, die Defizite zu korrigieren.

Erinnerungen an Borussia Dortmund

So werden unweigerlich Erinnerungen wach an die völlig verkorkste Hinrunde der vergangenen Saison von Borussia Dortmund. Auch der BVB fand sich trotz eines qualitativ hochwertigen Kaders im Tabellenkeller wieder. Und auch beim BVB wurde die Krise ein Selbstläufer.

Und das alles nun ausgerechnet vor dem Auftakt in die Champions League. Ausgerechnet beim Premierenspiel in der Königsklasse am Dienstag (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) beim FC Sevilla wartet möglicherweise das nächste Negativerlebnis.

In dem Wettbewerb also, den man sich durch die vergangene Saison erarbeitet hatte und den die Borussia eigentlich genießen wollte. Und nun winkt ausgerechnet dort erneuter Frust.

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