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Marco Reus (2.vl.) schreit nach seinem Tor zum 0:1 seine Erleichterung heraus © Imago

Mainz - Der zuletzt formschwache Nationalspieler gibt in Mainz trotz Elfer-Fahrkarte eine passende Antwort auf seine Kritiker. Reden will er nicht. Der Trainer ist froh.

Es lief die 47. Minute, als Thomas Tuchel kurzzeitig der Atem stockte.

Marco Reus trat zum Strafstoß an und schoss den Ball dorthin, wo man einen Elfmeter tunlichst nicht hinschießen sollte: halbhoch - irgendwo zwischen Pfosten und Mitte des Tores. Es war schnell abzusehen, dass Loris Karius diesen Ball halten würde. 

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Es war just dieser Moment, in dem BVB-Coach Tuchel bei seiner Rückkehr nach Rheinhessen Böses schwante. Oder wie er es später selbst beschreiben sollte: "Ein Thema, das wir nicht brauchen."

Dieses Thema, auf das Tuchel anspielte, hätte ungefähr so geklungen: Verschossener Reus-Elfer bringt Dortmund aus der Spur. Die Gefahr war groß, dass das Spiel, das der BVB bis dato beherrscht hatte, kippen könnte. Diese Mainzer sind schließlich immer imstande, eine Partie aus dem Nichts zu ihren Gunsten zu entscheiden. 

Reus "sperrt die Tür auf"

An diesem Abend kam es anders. Und darüber war ein Mann mindestens ebenso froh wie Marco Reus selbst: Thomas Tuchel. 

"Da sein Tor zum Sieg gereicht hätte", befand Tuchel mit Blick auf Reus, "sinkt dieser verschossene Elfmeter in der Wertigkeit". Sein Schützling habe "die Tür aufgesperrt" und die Weichen auf drei Punkte gestellt.

In der Tat hatte der zuletzt formschwache Nationalspieler durch seinen Führungstreffer (18.) maßgeblichen Anteil daran, dass die Dortmunder nach vier sieglosen Pflichtspielen in Folge erstmals wieder als Sieger vom Platz gingen.

"Marco hat eine gute Präsenz, es ist ein guter Schritt gewesen", attestierte Tuchel seinem Dribbelkünstler - wohl wissend, dass diesem die Kritiken in den vergangenen Tagen etwas zugesetzt hatten. 

Seelenbalsam mit Verspätung

Reus war, wie es bei kriselnden DFB-Kickern so üblich ist, zur Nationalmannschaft gefahren in der Hoffnung, sich dort den nötigen Seelenbalsam für den harten Liga-Alltag zu holen. Daraus wurde nichts.

Beim verpatzten Gastspiel in Irland war der Dortmunder ein Schatten seiner selbst. Und beim Rumpel-Kick gegen Georgien machte er allenfalls als großer Chancentod von sich reden. 

Es war also eine große Portion Seelenballast, die Reus in den vergangenen Spielen aufgestaut hatte. In Mainz entlud er sich. Wer darauf gehofft hatte, dass der 26-Jährige bei der Gelegenheit auch verbal Frust ablässt, wurde eines Besseren belehrt. Reus verschwand nach dem Duschen wort- und grußlos im Mannschaftsbus.

Zumindest wird er wohlwollend registriert haben, dass andere über ihn redeten - und zwar positiv. 

Sportdirektor Michael Zorc sieht das größte Sorgenkind eines zuletzt etwas außer Form geratenen BVB-Kollektivs "absolut auf dem aufsteigenden Ast". "Die Kritik an Marco ist häufig total überzogen, wenn es mal nicht so läuft", beschwerte sich Zorc.

In Dortmund werden sie hoffen, dass schnell wieder Ruhe einkehrt - jetzt, da Reus wieder trifft. 

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