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Dietmar Hopp (r.) hat Markus Gisdol (m.) entlassen © SPORT1

Durch den Rauswurf von Markus Gisdol zeigt Dietmar Hopp wieder einmal, wer das alleinige Sagen bei 1899 Hoffenheim hat. Ob das allerdings gut für den Verein ist? Daran darf man immer größere Zweifel haben.

Die Entlassung von Markus Gisdol durch 1899 Hoffenheim ist ein Armutszeugnis – für den Verein und vor allem für den omnipräsenten Geldgeber Dietmar Hopp.

Schließlich sollte mit dem einstigen Assistenten von Ralf Rangnick an die glorreichen Zeiten angeknüpft werden, als den Kraichgauern der Durchmarsch aus der Dritten Liga bis zur Bundesliga-Herbstmeisterschaft 2008 gelang.

Die Anfänge unter Gisdol verliefen auch vielversprechend, der 46-Jährige schaffte im Frühjahr 2013 binnen weniger Wochen noch die Rettung der schon abgeschriebenen Hoffenheimer. Es folgten zwei Spielzeiten auf Platz neun und acht – ohne Abstiegsangst, aber auch ohne den von Hopp ersehnten Imagesprung in den Europapokal.

Und nun stehen die Badener nach dem schlechtesten Start ihrer Bundesliga-Historie mit nur einem Sieg auf Platz 17. Und prompt zieht Hopp nach erst zehn Spieltagen die Reißleine.

Rein faktisch mag das verständlich sein, schließlich gelangen im gesamten Jahr 2015 gerade mal sechs Siege. Doch die Schuld daran liegt keineswegs nur bei Gisdol, sondern auch bei Hopp und dessen Ungeduld.

Nach dem Ende der Ära Rangnick verschliss der Mehrheitseigner schon einmal fünf Trainer in nicht mal zweieinhalb Jahren, ehe Gisdol wieder für Kontinuität sorgte. Die setzt der Verein nun wieder aufs Spiel, obwohl wenig für eine schnelle Besserung spricht.

In Huub Stevens wird bei allen Verdiensten ein Mann von gestern geholt, für den Ergebnisfußball vor Erlebnisfußball steht. Damit aber werden die immer noch unter dem Verdacht des Plastikklubs stehenden Hoffenheimer keine neuen Fans gewinnen.

Und wenn man vom bereits als Stevens-Nachfolger genannten U-19-Coach Julian Nagelsmann so überzeugt ist, dann hätte man ihm auch direkt die Verantwortung übergeben können und nicht erst nächste Saison. Stattdessen wirkt die offenbar gezielt gestreute Nachricht wie eine PR-Aktion, um den Anschein eines sportlichen Konzepts zu wahren.

Doch anscheinend ist eine langfristige Strategie in Hoffenheim mit dem Anspruch Hopps auf schnelle Erfolge nicht zu vereinbaren. Und da ist Widerspruch zwecklos.

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