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Leon Andreasen erzielte mit dem Arm den Siegtreffer für Hannover 96 © SPORT1/Getty Images

München - Leon Andreasens Hand-Tor und die fehlgeleitete Debatte darüber erweisen dem Fußball einen Bärendienst. Die Vorbildfunktion leidet, für Sportsgeist bleibt kein Platz.

Mit der Romantik im Fußball ist es ja so eine Sache: Gerne beschworen, selten gelebt.

Am Sonntag beim Spiel des 1. FC Köln gegen Hannover wurde einmal mehr die dunkle Seite des Sports durch die Akteure auf dem Platz zur Schau gestellt.

Erschreckend war die Fehlentscheidung beim Handspiel-Tor des 96ers Leon Andreasen, viel übler aber noch der Umgang damit.

Es störte sich in der Nachlese der Partie doch tatsächlich niemand recht daran, dass der Däne mit seinem illegal erzielten Tor einfach durchkam. Wacker stellten sich die Beteiligten zum Interview, das sei ihnen zu Gute gehalten, doch den Punkt traf keiner der Befragten.

Hätte Andreasen nicht einfach zum Schiedsrichter gehen und seinen spielentscheidenden Regelverstoß beichten können? So wie einst Miroslav Klose in Italien ein mit der Hand erzieltes Tor nicht gewertet haben wollte?

Sicher, Hannovers Tabellensituation ist prekär, doch das entschuldigt diesen Akt der Unfairness noch lange nicht. Und selbst beim Gegner ordnete man Andreasens Verhalten als normal ein. Ein fatales Signal.

In der Kritik stand nur Schiedsrichter Bastian Dankert, das natürlich auch zu Recht. Wenn er in Kooperation mit seinem Gespann das Offensichtliche schon nicht wahrnahm, hätte er angesichts der Aufregung auf dem Feld und den Rängen einfach zum Spieler gehen und ihn zu der Szene befragen müssen. Es wäre Andreasen wohl schwer gefallen, dem Unparteiischen ins Gesicht zu lügen.

Doch normale, respektvolle Kommunikation zwischen Spielern, Trainern und Schiedsrichtern ist im Profifußball offensichtlich nicht (mehr) angesagt. Stattdessen sehen wir eine totale Verrohung der Sitten, die sich dann logischerweise bis in die unteren Spielklassen zieht. Vorbildfunktion ade.

Der Fußball, der so gerne mit Werten, mit seiner gesellschaftlichen Bedeutung wirbt, ist schon lange zu einem eiskalten Business geworden.

Immer seltener werden die Momente, in denen sich die menschliche, die sportliche Seite des Geschäfts zeigt.

Am Sonntag haben Leon Andreasen und auch die anderen Spieler in ihren Aussagen eine Chance vertan, den Fußball in dunklen Tagen kurz strahlen zu lassen. Schade eigentlich.

Klose verlor damals übrigens das Spiel mit Lazio 0:3. Der Fußball aber gewann, genau wie der Sportler.

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