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Die besten Teams Europas in einer Liga - wie könnte das gehen? © SPORT1/Getty

München - Die Europaliga als Ende der bayerischen Fußballherrschaft: Welche Teams könnten mitspielen? Welcher Modus wäre praktikabel? Christoph Daum begegnet dem Model bei SPORT1 skeptisch.

Eine Liga der besten europäischen Teams: Die Dominanz des FC Bayern München in der Bundesliga provoziert neue Ideen.

Felix Magath hat bei SPORT1 kürzlich die Einführung einer Europaliga vorgeschlagen: "So würde der Wettbewerb wieder interessanter gemacht", sagte er und befürwortete eine Eliteliga als "sinnvolle und faire Lösung". Die Bayern-Dominanz in der Bundesliga könnte so enden.

Das Thema beschäftigt vor dem Hintergrund des so übermächtigen FC Bayern die deutschen Fußballexperten und -fans. SPORT1 hat mit Christoph Daum über die Idee gesprochen und zeigt, wie eine Europaliga aussehen könnte und welche Fragen sich dabei auftun.

  • Welche Teams könnten dabei sein?

In einer Europaliga sollten nur die besten und finanzstärksten Teams an den Start gehen.

In Frage kommen dafür eigentlich nur die Spitzenteams aus den großen Ligen in Deutschland (FC Bayern, Dortmund), Spanien (Real Madrid, FC Barcelona, Atletico), England (Arsenal, ManUnited, ManCity, Chelsea, Liverpool), Italien (Juventus, Milan, AS Rom) und Frankreich (Paris) sowie wenige ausgewählte europäische Spitzenteams (z.B. Porto, Ajax, Galatasaray).

Nur ohne die im internationalen Vergleich mittelmäßigen Teams aus den kleineren Ligen würde sich eine Europaliga qualitativ von der Champions League unterscheiden. Die Auswahl der Teams beinhaltet viele Fragen: Wählt man nach aktueller sportlicher Leistung oder nach finanziellen und infrastrukturellen Möglichkeiten aus?

Daum meint eine Auswahl könnte anhand von "Wertungs-Koeffizienten" erfolgen, stellt dabei aber gleich die nächsten Fragen: "Wie willst du die einzelnen Ligen bewerten? Mit welchem Schlüssel willst du die niederländische Liga versehen, die Bundesliga oder die Süper Lig in der Türkei?"

  •  Wie könnte der Modus aussehen?

Ein reiner Ligamodus wäre dem derzeitigen nationalen Ligen-Modell am nächsten. Denkbar wäre auch eine Kombination von Liga und anschließenden Playoffs nach amerikanischem Vorbild.

Will man eine echte Eliteliga, läge die Obergrenze wohl bei 18 Teams, eher darunter. Fast man den Kreis etwas weiter, wäre auch ein Modell mit 32 Teams, ähnlich der NFL, vorstellbar.

Zu klären wäre auch, ob jedes Jahr eine neue sportliche Qualifikation möglich ist oder die Teams wie in der NFL/NBA fest in der Liga verankert sind. Letzteres würde einerseits die finanzielle Planbarkeit erhöhen, andererseits aber ein "Zweiklassen-System" mit Europaliga und nationalen Ligen etablieren.

Daum sieht das kritisch und will die "kleinen" Teams schützen: "Für diese Vereine ist es doch immer das Highlight der Saison gegen die Bayern zu spielen. Fällt dieses Highlight weg, würde die Faszination am Fußball wegbrechen", sagt er.

Auch deshalb zeigt er sich zur Idee Europaliga skeptisch. 

Daum sieht "keine Notwendigkeit" für eine solche Liga. Denn: "Wir haben mit der Champions League ja eine Art Europaliga für die Topteams. Und man muss auch an die kleineren Vereine wie Darmstadt oder Augsburg denken, da bin ich anderer Meinung als Felix Magath."

  •  Salary Cap, Financial Fairplay und Draft?

Nimmt man das US-Modell als Vorbild, könnten neue Regelungen gelten: Zum Beispiel eine Gehaltsobergrenze für Teams und Spieler (Salary Cap), wodurch eine finanzielle Balance (Financial Fairplay) hergestellt würde. Auch ein Draft von jungen Spielern, die beispielsweise aus den nationalen Ligen gezogen werden, wäre vorstellbar.

Solche Neuregelungen würden das Fußballsystem in Europa (und auf der ganzen Welt) revolutionieren. Sie sind deshalb eher unrealistisch, weil sie die jahrelang erprobte Struktur auf den Kopf stellen würden.

Da solch eine radikale Änderung, die Kommerzialisierung des Fußballs noch einmal stärken würde, wäre wohl auch mit Widerstand vieler Fans zu rechnen.

"Mit einer Europaliga würde man sich nur Probleme bereiten", meint Daum abschließend. Das letzte Wort ist damit aber sicher noch nicht gesprochen.

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