vergrößernverkleinern
Auch Frankfurts Boss Heribert Bruchhagen kapituliert vor den Über-Bayern © Grafik SPORT1 Philipp Heinemann

Erst Michael Zorc, dann Heribert Bruchhagen: Die Bundesliga geht vor der Dominanz des FC Bayern in die Knie. Frankfurts Klub-Boss malt ein Schreckensszenario.

Diese Worte klingen nach Kapitulation.

Heribert Bruchhagen hat lange gekämpft, um an der Situation etwas zu ändern. Sie für die Konkurrenz erträglicher zu machen. Nun gibt er offenbar auf.

"Wir müssen damit leben", sagte der Vorstandboss von Eintracht Frankfurt SPORT1.

Zorc: Das Problem ist der FC Bayern

Gemeint ist die Dominanz des FC Bayern in der Bundesliga. Die Tatsache, dass der Rekordmeister in mehrfacher Hinsicht uneinholbar ist.

"Das sind die Konstellationen, die sich durch die Entwicklung der internationalen Fernsehgelder entwickelt haben", erklärte er.

Damit ist der 67-Jährige nach Michael Zorc der Nächste, der sich der bayerischen Übermacht geschlagen gibt. Der Sportdirektor von Borussia Dortmund hatte nach dem gewonnenen Revierderby gegen Schalke 04 erklärt, dass der BVB mit 29 Punkten "in Spanien, England und Italien Tabellenführer" wäre. "Aber da spielt Bayern München nicht. Die gewinnen eben jedes Spiel. Das ist in diesem Jahr für uns das Problem."

Keine Chancengleichheit in der Liga

Bruchhagen führte aus: "Bayern hat glänzende internationale Einnahmen. Bayern erreicht in der Champions League das Halbfinale. Bayern wird immer Erster. Und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass sie ganz, ganz viel richtig machen. Aber willst du den Bayern einen Vorwurf machen? Nein, man kann nur den Hut ziehen vor ihrer Leistung."

Die Situation ist für ihn dabei ebenso klar wie ambivalent. Sie zu beklagen, könnte dem Produkt Bundesliga schaden. Eine große Rolle spielen neben den nationalen eben auch die internationalen Einnahmen aus den Fernsehgeldern wie eben der Champions League. Sie sind "so groß", sagte Bruchhagen, "dass sie tabellarisch immer zu dem gleichen Bild führen".

Chancengleichheit? Fehlanzeige.

"Der Abstand wird weiter wachsen"

Dabei hatte er vor neun Jahren genau vor diesem Szenario gewarnt. 2006 hatte die DFL eine erneute Spreizung der Fernsehgelder beschlossen - was der Frankfurter Klub-Boss schon damals als "kontraproduktiv für die Bundesliga" einstufte. Also ein Verfechter der These, dass die sportliche Hierarchie in der Bundesliga im Grunde zementiert sei.

"Als wir die nationale Spreizung beschlossen haben, waren die Summen noch ganz andere", erläuterte Bruchhagen. "Alle drei Jahre bekommen wir ja 50 Prozent oder mehr Aufgeld. Dadurch ist diese Entwicklung immer eklatanter geworden." Von daher seien die Vereinbarungen für ihn "nicht mehr zeitgemäß".

Schon vor einigen Wochen hatte er vorgerechnet: "1992 betrug die Differenz der Lizenzspielerkosten im Kader von Eintracht Frankfurt und Bayern München 40 Prozent, heute sind es 500 Prozent. Und dieser Abstand wird durch die steigenden Einnahmen aus der Champions League noch wachsen."

Und damit auch die Abstände der Klubs in der Tabelle. In diesem Fall der Abstand auf den FC Bayern.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel