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Bakery Jatta trainiert beim Hamburger SV
Bakery Jatta absolvierte ein Probetraining beim HSV © Witters

München - Bakery Jatta kämpft sich durch die Sahara und das Mittelmeer nach Deutschland, um sich ein neues Leben aufzubauen. Jetzt jagen ihn die Bundesliga-Klubs.

Profifußballer sein und vor Tausenden Zuschauern spielen. Bakery Jatta trieb diese Wunschvorstellung bei seiner Flucht nach Deutschland an.

Unerreichbar erschien das in diesem Moment für ihn, einen 17 Jahre jungen Nobody aus Gambia. Doch jetzt steht er kurz davor, Bundesliga-Profi zu werden. Drei Klubs sind an ihm interessiert.

Jattas Traum ist zum Greifen nah - nach einer Flucht über 6.000 Kilometer und vier Wochen Furcht, ob das Wagnis klappen würde.

Vorvertrag abgelehnt

Der junge Mann kämpfte sich 2014 durch die Sahara, überlebte die Flucht über das Mittelmeer. Sechs Monate nach seiner Ankunft in Deutschland dann das Probetraining bei Werder Bremen. Und die Bremer? Waren derart begeistert, dass sie ihm einen Vorvertrag anboten. Doch Jatta lehnte ab, da er für seine Aufnahmegenehmigung einen vollwertigen Vertrag braucht.

Dann spielte er beim HSV vor - und verblüffte erneut. "Er hat viele Sachen wirklich gut gemacht", sagte HSV-Trainer Labbadia: "Er ist jung genug, und es sah gut aus. Angesichts der Tatsache, dass er noch nie in einem Klub gespielt hat, ist das beachtlich."

Jatta selbst meinte, nachdem er die HSV-Kabinenluft geschnuppert hatte, in der Kreiszeitung Syke: "Mir hat das Probetraining beim HSV sehr viel Spaß gemacht. Ich hatte gleich das Gefühl, ein Teil der Mannschaft zu sein."

Labbadia will ihm eine Chance geben. "Ich persönlich mache da keinen Unterschied, wer er ist und woher er kommt", sagte der 49-Jährige in Belek: "Wie es weiter geht, werden wir nach dem Trainingslager sehen."

Jatta darf nicht mit in die Türkei reisen, seine Aufenthaltspapiere gelten nur für Deutschland. Stattdessen könnte ein weiteres Probetraining anstehen: bei Schalke 04. Die Königsblauen wollen sich auch ein Bild vom Ausnahme-Talent machen.

Entdecker Lothar Kannenberg

Der Entdecker des Fußballjuwels, das bislang nur auf der Straße oder in der Schule gekickt hat, ist Lothar Kannenberg. Der ehemalige Profi-Boxer führt eine Akademie, die sich um benachteiligte Jugendliche kümmert und diesen ein Zuhause auf Zeit bietet.

"Bakery ist vor etwa sechs Monaten in einem unserer Jugendhäuser in Bremen angekommen", erzählt er dem Magazin 11 Freunde. "Wir legen einen besonderen Schwerpunkt auf Sporterziehung. Bakerys Talent war sofort offensichtlich."

Kannenberg war es auch, der ihm das Probetraining beim HSV und Werder Bremen ermöglichte. "Ich bin schon lange im Sportbereich tätig und kenne dadurch viele Leute in der Branche", erklärt er.

Und er ist von Jattas Qualitäten überzeugt: "Bakery will der Beste sein und deshalb auch nur mit den Besten zusammenspielen. Er hat einen starken Willen."

Vergangenheit in Gambia

Der 17-Jährige stammt aus Gambia, dem kleinsten Staat des afrikanischen Festlandes. Dort herrschen Armut und Arbeitslosigkeit - vor allem bei jungen Menschen. Hinzu kommt das totalitäre Regime, das seit 1994 unter Präsident Yahya Jammeh besteht und keine Meinungsfreiheit zulässt. Jatta ergriff deshalb die Flucht.

Ganz alleine, ohne jede Ortskenntnis, trat er die beschwerliche, 6.000 Kilometer lange Reise an. Nach seiner Ankunft in Bremen schickten ihn die Behörden sogleich zur "Akademie Lothar Kannenberg" - ein großes Glück, wie sich später erweisen sollte.

Vielleicht bald auch für die Bundesliga.

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