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Mönchengladbach - Vor dem Rückrundenstart gegen Dortmund spricht Gladbachs Manager Max Eberl bei SPORT1 über seinen begehrtesten Spieler und Parallelen zwischen Favre und Schubert.

Max Eberl lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

30 Millionen Euro für Granit Xhaka? 40 Millionen? 50 Millionen? Der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach schiebt den täglich steigenden, angeblichen Angeboten für den Schweizer Nationalspieler für einen Wechsel in der Winterpause bei SPORT1 endgültig einen Riegel vor.

"Es gibt kein Angebot, es gibt keine Zahl, die ich schwarz und weiß gesehen habe und es gibt auch keinen Kontakt zum FC Arsenal. Granit Xhaka möchte in Mönchengladbach bleiben und wir wollen ihn nicht hergeben. Und diese ganzen Zahlen, die da herumschwirren, die amüsieren mich", sagte Eberl vor dem Rückrundenauftakt gegen Borussia Dortmund (Sa., ab 18 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Im Interview mit SPORT1 spricht Eberl zudem über Parallelen zwischen Favre und Schubert, die Ziele für die Rückrunde und Unsummen aus der Premier League.

SPORT1: Herr Eberl, kann Sie nach dieser Hinrunde eigentlich noch etwas überraschen?

Max Eberl: Genau aus dem Grund, dass die Hinrunde so gelaufen ist, wie sie gelaufen ist, sage ich: ja. Es wird wahrscheinlich immer noch irgendetwas geben, an das man heute nicht denkt und glaubt, so etwas kann nicht passieren. Die nun mehr als sieben Jahre als Sportdirektor in Mönchengladbach waren so besonders, dass ich das Wort "Nie" nie in den Mund nehmen würde.

SPORT1: Haben Sie sich nach der Favre-"Flucht" ernsthafte Sorgen um den Klub gemacht?

Eberl: Ich habe mir keine Sorgen gemacht und hatte auch keine Angst. Ich habe versucht, schnell zu funktionieren, mit der Situation umzugehen und alle Emotionen und Gefühle nicht an mich heranzulassen. Ich wusste, dass wir eine Phase haben, die sehr problematisch werden kann. Ich habe deshalb gar nicht gedacht: "Was wäre wenn?" Sondern ich habe versucht, gemeinsam mit den Beteiligten gute Entscheidungen zu fällen.

SPORT1: Eine dieser Entscheidungen war Andre Schubert als Nachfolger zu installieren. Er hatte nun etwas mehr Ruhe als in der Hinrunde um mit der Mannschaft zu arbeiten. Wie war Ihr Eindruck?

Eberl: Dass er sehr viele Ideen hat, der Mannschaft noch sehr, sehr viel mitgeben möchte und mit ihr sehr, sehr intensiv arbeitet. Es gibt einem als sportlicher Leiter ein gutes Gefühl, wenn du einen Trainer hast, der diese Ideen mit der Mannschaft umsetzen möchte. Und so habe ich ihn in der Vorbereitung erlebt.

SPORT1: Favre galt als schwierig, Schubert hatte diesen Ruf auch. Wie unterscheiden sich die beiden in der täglichen Zusammenarbeit, wo gibt es Gemeinsamkeiten?

Eberl: Jeder Trainer hat seine Eigenarten und Vorstellungen vom Fußball, und die versucht er umzusetzen. Dass man mit einem Trainer diskutiert und nicht immer einer Meinung ist, ist logisch. Das war mit Lucien so, das war mit Hans Meyer so und ist auch mit Andre so. Jeder Trainer hat Ideen, und die gilt es mit der Philosophie des Vereins in Einklang zu bringen. Beide sind sich sehr ähnlich, was die Arbeit betrifft. Sie sind beide sehr innovativ und sprechen sehr viel mit der Mannschaft. Entscheidend ist: Beide führen oder haben die Mannschaft so geführt, wie sie es braucht.

SPORT1: Mit welcher Zielsetzung gehen Sie nach der turbulenten Hinrunde in die Rückrunde?

Eberl: Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir gerne die Einstelligkeit haben und bereit sein wollen, wenn andere schwächeln. Das bleibt unser Ziel und das hat nichts mit Understatement zu tun. Wir haben uns jetzt dreimal für Europa qualifiziert. Das waren fantastische Erlebnisse, die wir gerne wieder haben wollen. Das wollen aber einige andere Vereine auch. Es wird in der Rückrunde keinen Deut leichter, das zu manifestieren. Dortmund wird am Samstag ein erster Gradmesser, ob man die Chance hat, weiter um die Champions League zu spielen. Ich bin davon überzeugt, dass wir eine Mannschaft haben, die aufgrund der Erfahrungen der Hinrunde hellhörig und sensibel ist.

SPORT1: Fehlen wird allerdings Granit Xhaka. Für ihn ist mal wieder eine Zahl aufgeploppt für einen Wechsel im Winter. Arsenal soll angeblich 50 Millionen zahlen wollen…

Eberl: Es gibt kein Angebot, es gibt keine Zahl, die ich schwarz und weiß gesehen habe und es gibt auch keinen Kontakt zum FC Arsenal. Das möchte ich an dieser Stelle einmal klipp und klar sagen: Granit Xhaka möchte in Mönchengladbach bleiben und wir wollen ihn nicht hergeben. Er ist ein super Spieler für uns und wird mit uns die Rückrunde bestreiten. Und diese ganzen Zahlen, die da herumschwirren, die amüsieren mich.

SPORT1: Möglicherweise muss die Borussia im Sommer erneut umbauen. Nervt es nicht langsam, immer wieder Leistungsträger ersetzen zu müssen?

Eberl: Es nervt nicht, sondern es ist eine neue Herausforderung. Jeder Verein hat seine Rolle. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten super Spieler entwickelt, tolle Erfolge feiern können, dafür aber auch immer wieder Spieler verkaufen müssen. Das wird sich in den kommenden Jahren auch nicht ändern. Es bedeutet aber auch eine Chance, einen neuen Weg zu gehen. Man kann es mit Sisyphos vergleichen. Wenn man gute Entscheidungen fällt und sich als Verein strategisch gut aufstellt, kann der Stein zwar immer wieder herunterrollen, aber er wird vielleicht nicht mehr so schwer sein. Jetzt sind wir vier, fünf Jahre in tollen Tabellenregionen. Und das gilt es, zu stabilisieren.

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