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Jan Kirchhoff (l.) 2013 in der Champions League gegen ManCity
Ein Bild aus aktiven Münchner Zeiten: Jan Kirchhoff (l.) 2013 in der Champions League gegen ManCity © Getty Images

München - Für Jan Kirchhoff soll der Wechsel nach Sunderland die Rückkehr auf den Fußballplatz sein. Der einst hoch gelobte Verteidiger muss mit dem Scheitern beim FC Bayern klarkommen.

Jan Kirchhoff ist nicht "forever" und wahrscheinlich ist er auch nicht eines jeden "girl's best friend". Eigenschaften, die in der Populärkultur Diamanten zugerechnet werden.

Der "Rohdiamant" Kirchhoff macht seit seinem Wechsel 2013 zum FC Bayern kaum noch Freude. Als solchen hatte ihn Matthias Sammer damals bezeichnet.

Nie in München angekommen

Nach zweieinhalb Jahren verlässt der Abwehrspieler München. In dieser Zeit machte er gerade einmal sieben Bundesligaspiele für die Bayern, angekommen ist er nie wirklich.

Zumal er den Großteil der Zeit, die er in München unter Vertrag stand, beim FC Schalke verbrachte. Doch auch dort wurde es nichts. Syndesmoseband, Achillessehne, 16 Bundesligapartien in eineinhalb Jahren.

Sechs Millionen Euro wollten die Münchner im vergangenen Sommer, zu viel für Schalke. Der AFC Sunderland bekommt ihn nun günstiger, als Ablösesumme ist rund eine Million Euro im Gespräch. In der Premier League kann auch der Tabellen-19. das Gehalt eines Bayernspielers zahlen.

Traum von England

Schon früh stand für Kirchhoff fest, "dass ich auf jeden Fall mal in England spielen werde". Sein Traum erfüllt sich jetzt unter denkbar schlechten Bedingungen.

In dieser Saison kommt er gerade einmal auf einen Einsatz: Im Derby der Regionalliga-Mannschaft der Bayern gegen die zweite Mannschaft von 1860 München. Die paar Sekunden im Pokal gegen Darmstadt darf man bei dieser Statistik übergehen.

Ohne Spielpraxis und mit wackelndem Vertrauen in seinen eigenen Körper schließt er sich einer Mannschaft an, die nun schon im vierten Jahr in Folge gegen den Abstieg kämpft.

Chaos-Klub Sunderland

Sam Allardyce ist Sunderlands neunter Trainer der vergangenen zehn Jahre, und auch er fand bislang nicht den Weg nach oben. Immerhin begann das Jahr mit dem vierten Saisonsieg für Kirchhoffs neuen Klub, allerdings gegen das hoffnungslos abgeschlagene Schlusslicht Aston Villa.

Die nächste Aufgabe ist weitaus schwerer. Im FA Cup geht es am Samstag in der dritten Runde zum FC Arsenal um Mesut Özil und Per Mertesacker (ab 16 Uhr im LIVETICKER)

Kirchhoff geht also hohes Risiko. Eine andere Wahl blieb ihm jedoch kaum: Sein Vertrag in München läuft zum Saisonende aus, in seinem letzten halben Jahr hätte er auch keine Chance mehr auf Einsätze gehabt – obwohl er seit Oktober wieder fit ist.

Guardiola setzt auf andere

Insgesamt elfmal stand er in dieser Saison in allen Wettbewerben im Bayern-Kader, ohne eingesetzt zu werden. Und das, obwohl Trainer Pep Guardiola wegen der vielen Ausfälle teilweise nicht einmal die Ersatzbank vollbekam.

Sein letztes Bundesligaspiel für die Münchner ist über zwei Jahre her.

Schwerer als all die Verletzungskrisen wiegt aber wohl: Kirchhoff konnte all die Zweifler nicht widerlegen. "Das gute Gefühl, mich bei den Bayern weiterentwickeln zu können, ist auf jeden Fall größer als die Angst, dass ich mich dort nicht durchsetzen kann", hatte er bei seiner Ankunft gesagt.

Chance nach Scheitern

Das muss er sich jetzt eingestehen. Zwar spielten dabei seine Verletzungen eine große Rolle, im ersten halben Jahr in München verpasste er aber nur ein Spiel angeschlagen, bevor es weiter nach Schalke ging.

Für den ehemaligen Junioren-Nationalspieler soll es ein Neuanfang sein. Der Rohdiamant braucht mit 25 Jahren endlich den richtigen Schliff.

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