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BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken ist zufrieden mit der Entwicklung seines 1. FC Köln © SPORT1-Grafik: Paul Haenel/Getty Images/Imago

München - BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken spricht im SPORT1-Interview über die Entwicklung des 1. FC Köln, das Führungsduo Stöger/Schmadtke und das neue Motto im Klub.

Wolfgang Niedecken hat neben der Musik und der Malerei noch eine dritte Leidenschaft: den 1. FC Köln.

Der Frontmann der Band "Niedeckens BAP" (das neue Album "Lebenslänglich" ist jetzt erhältlich) spricht vor dem Rückrundenauftakt gegen den VfB Stuttgart (Sa., ab 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) über seinen Herzensverein, FC-Coach Peter Stöger, Manager Jörg Schmadtke - und ein neues Motto im Klub.

SPORT1: Herr Niedecken, wie fällt Ihre Hinrunden-Bilanz für den 1. FC Köln aus?

Wolfgang Niedecken: Ich kann nur sagen, dass wir einige Punkte mehr auf dem Konto hätten, wenn wir fair behandelt worden wären. Wenn wir gegen einen Hannoveraner Handballverein spielen (0:1-Niederlage gegen 96, Anm. d. Red.) und da ganz andere Regeln gelten, dann kriegst du schon mal drei Punkte weniger. Aber Spaß beiseite. Wenn mir im vergangenen Sommer jemand gesagt hätte, dass wir die erste Hälfte dieser Saison so gut abschneiden würden, dann hätte ich das sofort unterschrieben.

SPORT1: In Köln träumen die Fans schnell von Europa.

Niedecken: Ja, das kennt man (schmunzelt). Aber so lange wir den Ball flach halten, ist alles bestens. Ich bin absolut zufrieden mit dem, was mein FC bisher zustande gebracht hat. Auch, wenn ich mir das eine oder andere Tor mehr wünschen würde. In der Hinrunde haben wir oft unentschieden gespielt. Wir haben aber auch gegen tolle Mannschaften drei Punkte geholt wie gegen Schalke oder Gladbach.

SPORT1: Zuletzt sagten Sie, dass der FC eine Thekenmannschaft werden könne und Sie trotzdem treu bleiben. Ist die aktuelle Entwicklung daher umso erfreulicher?

Niedecken: Absolut. Es war ein Geschenk Gottes, Peter Stöger nach Köln zu holen und Jörg Schmadtke zum Sportchef zu machen. Bei dem Präsidium habe ich allerdings zuerst mal die Luft angehalten und gedacht: 'Um Gottes Willen, was soll das denn werden?' Aber auch die haben einen tollen Job gemacht.

SPORT1: Warum passt das so gut mit Stöger und dem FC?

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Wolfgang Niedecken geht mit seiner Band ab 18. Mai auf Jubiläumstour © Getty Images

Niedecken: Ich bin einfach begeistert von seiner ruhigen und sachlichen Art. Gab es schon mal einen Wutausbruch bei ihm wie von einem Jürgen Klopp? Ich denke nicht.

SPORT1: Peter Stöger soll vor einer Verlängerung seines Vertrags stehen. Zu recht, oder?

Niedecken: Den muss man zügig an den Verein binden. Manchmal gibt es Abgänge, mit denen man nicht rechnet. Ich habe mich sehr über den Wechsel von Anthony Ujah zu Werder Bremen gewundert. Er war in Köln ein Held, 'ne Kölsche Jung. In Köln war er auf dem Weg, zum schwarzen Poldi zu werden.

SPORT1: Was gefällt Ihnen noch am Trainer?

Niedecken: Wie Stöger seine Spieler schützt. Auch die Zusammenarbeit mit Schmadtke ist klasse. Sie haben Talente entdeckt, die toll eingeschlagen sind. Es gibt auch Trainer, die abgehalfterte Cracks kaufen und denken, sie seien Wunderwaffen, obwohl sie kurz vorm Karriereende stehen. Das ist alles Quatsch. Andererseits muss man auch mal mit Spielern Geduld haben, die gerade mal Ladehemmung haben. Da sollte man nicht überstürzt handeln. Ein guter Trainer muss sich das Vertrauen der Mannschaft erarbeiten. Stöger hat mittlerweile das Vertrauen der ganzen Stadt.

SPORT1: Die Ausschläge in der öffentlichen Wahrnehmung des FC sind aktuell auch nicht mehr so extrem. Da passt das neue Motto "Spürbar anders" ganz gut.

Niedecken: Genau. Es ist schön, dass es ruhiger geworden ist, denn dieser ganze Alarm hat auch geschadet. Die Ruhe hat sehr viel mit der Mentalität von Schmadtke zu tun, der mit seinem Auftreten und Handeln sehr viel im Verein bewirkt hat. Da hat etwas gezündet. Die FC-Fans haben begriffen, dass wir doch nicht Real Madrid vom Rhein sind. Das hat fünf Abstiege gedauert, aber jetzt haben es wohl so langsam alle kapiert.

SPORT1: Abstiegssorgen muss sich der Fan aktuell nicht machen.

Niedecken: So ganz beruhigt kann man nie sein. Das Blöde ist, dass wir in der Hinrunde gegen Mannschaften, die mit uns auf Augenhöhe waren, immer schlecht abgeschnitten haben. Bei den Teams, die selber angreifen und wir aus einer sicheren Deckung heraus spielen können, sehen wir besser aus. Momentan sehe ich mehr Chancen, gegen Dortmund zu drei Punkten zu kommen als gegen Augsburg.

SPORT1: Wo landet der FC am Saisonende?

Niedecken: Wir werden nicht absteigen, und alles, was einstellig ist, würde ich grenzenlos abfeiern.

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