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München - Uli Hoeneß ist bald ein freier Mann, auch weil er seine Steuerschuld samt Zinsen beglichen hat. Eine Rückkehr ins Präsidentenamt beim FC Bayern ist denkbar.

Nach 637 Tagen Gefängnis ist Uli Hoeneß ab 29. Februar wieder ein freier Mann.

Die erste auswärtige Vollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg macht es möglich: Sie hat am Montag dem Antrag des früheren FC-Bayern-Präsidenten stattgegeben, die restliche Strafe auszusetzen.

"Die Kammer hat nach Anhörung des Verurteilten entschieden, dass die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür vorliegen", teilte das Gericht mit. Es könne "verantwortet werden zu erproben, ob sich der Verurteilte künftig straffrei führen wird".

Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt. Einzige Auflage dabei: Hoeneß muss etwaige Wohnungswechsel bei der Strafvollstreckungskammer anzeigen.

43 Millionen Euro zurückgezahlt

Hoeneß war wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Am 2. Juni 2014 hatte er seine Haftstrafe angetreten. Seit Beginn 2015 arbeitet Hoeneß als Freigänger in der Nachwuchs-Abteilung des deutschen Fußball-Rekordmeisters.

Hoeneß sei in seiner Haftzeit "trotz seiner Position stets bereit gewesen, sich in die Gefangenengemeinschaft zu integrieren. Bei seinen zahlreichen Regel- und Freigängerausgängen sei es zu keinen Beanstandungen gekommen. Sein sozialer Empfangsraum stelle sich äußerst günstig dar", hieß es weiter.

Zudem hat Hoeneß nach Angaben des Gerichts "den Schaden durch Zahlungen in Höhe von mindestens 43 Millionen Euro wieder gutgemacht" - die hinterzogene Summe plus Zinsen.

Rückkehr ins Präsidentenamt?

Weihnachten hatte Hoeneß bereits in seinem Haus am Tegernsee verbracht und dabei 30 Flüchtlinge eingeladen.

Was der frühere Manager nach seiner Haftentlassung plant, ist (noch) nicht bekannt. Die Bild hatte zuletzt vermeldet, dass er erst einmal mit seiner Frau Susi Urlaub machen will, um über seine Zukunft nachzudenken. Eine Rückkehr ins Präsidentenamt der Bayern ist denkbar.

Karl Hopfner hat das Amt des Präsidenten und des Aufsichtsratsvorsitzenden von Hoeneß übernommen und zuletzt bereits betont, dass er Hoeneß nicht im Weg stehen werde.

Eine Mitgliederversammlung muss bis 31. Dezember durchgeführt werden, Hopfners Amtszeit endet mit dieser Versammlung. Hoeneß könnte ihn als Präsident beerben, eher unwahrscheinlich ist jedoch, dass er auch den Posten als Aufsichtsratschef wieder übernimmt. Um die beiden Ämter zu trennen, müsste die Satzung des Klubs noch geändert werden.

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Verstärkt in der Öffentlichkeit

"Hoeneß hält beim FC Bayern weiterhin den Generalschlüssel in der Hand", befand sein alter Erzrivale Christoph Daum am Sonntag im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 - die Einschätzung hat er nicht exklusiv.

Hoeneß ist bei den Bayern bis heute in die wichtigsten Entscheidungen eingebunden, zuletzt war etwa bei der Verpflichtung von Trainer Carlo Ancelotti und der Vertragsverlängerung von Thomas Müller sein Wort gefragt.

In den letzten Monaten war Hoeneß schon wieder verstärkt in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen - etwa bei der Grundsteinlegung des neuen Nachwuchsleistungszentrums der Bayern im Herbst.

Momentan muss Hoeneß aber noch fünf Nächte in der Woche im Freigängerhaus in Rothenfeld verbringen. Dorthin war er von der Justizvollzugsanstalt Landsberg/Lech verlegt worden.

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