vergrößernverkleinern
Philipp Lahm (l.) und Uli Hoeneß verstehen sich © Imago

München - Die Sehnsucht des FC Bayern nach neuen Eigengewächsen in der ersten Elf wird immer größer. Bei SPORT1 kritisiert Philipp Lahm die Trainer der letzten Jahre - und setzt auf Uli Hoeneß.

Uli Hoeneß soll es endlich wieder heimelig machen.

Der FC Bayern im Winter 2016 ist eine Weltmarke - und zu wenig das Zuhause künftiger Nationalspieler. Findet auch Kapitän Philipp Lahm.

Lahm mahnt zur Geduld

Es helfe den Nachwuchsspielern der Münchner nicht, "wenn man sie sofort hoch zu den Profis holt", sagte er im Interview mit SPORT1. Früher waren mehr Spaß und mehr Geduld.

Deshalb schafften es zu Lahms Zeiten die Besten aus dem Jugendbereich wie selbstverständlich dauerhaft in den Profikader. Seit David Alabas Rückkehr aus Hoffenheim im Sommer 2011 warten die Bayern darauf.

Spieler wie Gianluca Gaudino, Sinan Kurt oder Pierre-Emile Hojbjerg haben im Moment keine Chance, das nervt Lahm.

Kritik an Nachwuchstrainern

Und durch diesen Satz schimmert Unmut über die Trainer im Nachwuchsbereich der vergangenen Jahre: "Der Erfolg kommt automatisch, wenn man gut und kontinuierlich arbeitet und auch die Trainer und Betreuer da sind, die wirklich Spaß und Geduld haben, mit den Jungs zusammenzuarbeiten - und nicht irgendwelche andere Ziele haben."

Lahm sehnt sich nach mehr Hoeneß: "Er weiß, was das Beste für den Verein ist und für die jungen Spieler. Er hat das jahrelang mitbegleitet. Und deswegen ist das meiner Meinung nach eine Top-Situation, dass so ein Mann, der so vieles geleistet hat, für die Jugend arbeiten kann."

Die Dringlichkeit bei diesem Thema ist verlorengegangen, gewinnen die Bayern schließlich auch so. Hoeneß' neue Rolle weckt den Verein jetzt auf, die interne Kritik wird immer heftiger.

Badstuber keilt gegen Jugend

Vor Lahm hatte Holger Badstuber gemotzt, der Abwehrmann ging dabei speziell die Jugendspieler an. "Vielleicht sind sie mittlerweile zu bequem geworden und sagen sich: Ich spiele in der Jugend für den FC Bayern, und dann wechsle ich woanders hin", sagte er.

Lahm stimmt im Grundsatz zu: "Klar, teilweise fehlt auch ein bisschen der eigene Antrieb, vielleicht wird es ihnen auch zu leicht gemacht von unserer Mannschaft", sagte er. "Es hat sich einfach etwas geändert im Fußball und ob das immer sehr, sehr positiv für die Jugend ist, weiß ich nicht."

Hoeneß arbeitet seit knapp 13 Monaten im offenen Vollzug als "Assistent der Abteilungsleitung Junior Team" für den FC Bayern, dieses Anstellungsverhältnis endet offiziell mit seiner Haftentlassung am 29. Februar.

Hoeneß braucht keinen Vertrag

Schon jetzt ist klar: Hoeneß braucht keinen Vertrag oder offiziellen Posten, wird auch darüber hinaus für den Nachwuchsbereich verantwortlich sein. Der "Assistent" sagt, wie es läuft.

Im Sommer holten die Bayern mit Holger Seitz und Tim Walter neue Trainer für die U19 und U17, für Walter zahlten sie sogar 200.000 Euro Ablöse an den Karlsruher SC.

Hoeneß poltert nicht los, sondern moderiert im Hintergrund. Matthias Sammer als Sportvorstand und Heiko Vogel als sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung dürfen natürlich nicht bloßgestellt werden.

Fürth-Talent nach München

Für den Transfer des 17-jährigen Timothy Tillman aus Fürth soll auch Hoeneß verantwortlich gewesen sein. Fürths Präsident Helmut Hack sagte zwar Sport Bild, er habe "nur mit Michael Reschke verhandelt", die Überzeugungsarbeit beim Spieler und dessen Eltern kam aber wohl vom Ex-Präsidenten.

Endlich wieder kontinuierliche Arbeit bei den Jungbayern, darum geht es. Damit Lahm mal wieder einen seiner Nachfolger begrüßen darf.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel