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HSV-Trainer Bruno Labbadia (r.) hat Verständnis für seinen gesperrten Bayer-Kollegen Roger Schmidt © Imago

Nach Thomas Schaaf bricht auch Bruno Labbadia eine Lanze für seinen gesperrten Kollegen Roger Schmidt. Der frühere Spitzen-Schiedsrichter Markus Merk kritisiert die fehlende Kommunikation.

Solidarität mit Sündenbock Roger Schmidt, Kritik an der Kommunikation der Schiedsrichter, Forderungen nach einem Runden Tisch: Der Eklat von Leverkusen schlägt weiter hohe Wellen.

Einen Tag nach der Verkündung der Sperre gegen Bayer-Coach Schmidt nahmen dessen Trainer-Kollegen den 48-Jährigen in Schutz.

"Roger Schmidt hat etwas falsch gemacht, aber er hat niemanden beleidigt oder tätlich angegriffen", sagte Thomas Schaaf, Trainer von Bundesligist Hannover 96, der Kreiszeitung Syke: "Es geht sicherlich auch um Deeskalation, davon kann bei der Spielunterbrechung von Herrn Zwayer nicht unbedingt die Rede sein."

Auch Bruno Labbadia vom Hamburger SV kann seinen Kollegen "schon verstehen, dass er sich in der Situation aufgeregt hat", sagte der 50-Jährige: "Er hat sich mittlerweile 14.000-mal entschuldigt. Aber über den falschen Freistoß spricht keiner." 

Labbadia findet Sperre "heftig"

Sowohl Labbadia als auch Schaaf empfinden das Urteil als zu hart. Der HSV-Trainer bezeichnete die Strafe als "heftig", für Schaaf ist die Dauer "ein Hammer". Schmidt habe in der Situation nicht die Chance gehabt, "eine Klärung mit dem Schiedsrichter herbeiführen zu können".

Schmidt hatte sich geweigert, nach einem Innenraumverweis durch Felix Zwayer am Sonntag beim Duell gegen Borussia Dortmund (0:1) auf die Tribüne zu gehen, das Spiel wurde daraufhin unterbrochen. Zuvor hatte der BVB einen Freistoß nicht exakt am Ort des Fouls ausgeführt - die Situation führte zum Siegtreffer.

Am Mittwoch wurde Schmidt für fünf Spiele gesperrt, davon wurden zwei auf Bewährung ausgesetzt.

Für Labbadia und Schaaf trägt Schmidt nicht die alleinige Schuld an der Eskalation. Bei der Kommunikation zwischen Trainern und Schiedsrichtern gebe es Nachholbedarf. "Wir Trainer haben über viele Jahre versucht, durch Gespräche das Verhältnis zu den Schiedsrichtern zu verbessern", sagte Schaaf: "Wir haben Vorschläge gemacht, wie man die Spielführung zugunsten der Unparteiischen vereinfachen kann. Das wurde fast alles ignoriert."

Und Labbadia meinte: "Es wäre schon gut, wenn man öfter miteinander reden würde. Bis jetzt hat es nicht so gefruchtet, wie wir uns das vorgestellt haben." Allerdings sollten beide Parteien weiter versuchen, "auf einen Nenner zu kommen". 

Merk fordert Runden Tisch

Eine Möglichkeit dazu wäre ein Runder Tisch, den der frühere Weltschiedsrichter Markus Merk nun forderte.

"Die Kommunikation liegt ziemlich blank", sagte der langjähriger Bundesliga-Referee bei Sky Sport News HD, allerdings sei dies keine neue Situation. "Ich habe in meiner aktiven Zeit oft erlebt, dass es aufgrund mangelnder Kommunikation dann immer wieder zur Konfrontation kommt", sagt Merk.

Vom Urteil des DFB-Sportgerichts im Fall Roger Schmidt erwartet Merk eine "Stärkung der Autorität der Schiedsrichter".

Das Urteil wirke "vielleicht für manchen hart", er halte es aber in dem Sachverhalt für absolut angemessen, da es die Autorität der 80.000 Schiedsrichter in Deutschland schütze, "die es am Wochenende viel schwerer haben, als die paar in der Bundesliga".

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