vergrößern verkleinern
Showdown der Taktik-Könige: Wer wird das Duell für sich entscheiden?
Showdown der Taktik-Könige: Wer wird das Duell für sich entscheiden? © SPORT1-Grafik / Getty Images

Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München bedeutet auch Thomas Tuchel gegen Pep Guardiola. SPORT1 beleuchtet die taktischen Ausrichtungen der beiden Trainer.

Das Aufeinandertreffen von Borussia Dortmund und Bayern München ist nach der Niederlage der Bayern gegen Mainz zum echten Showdown geworden. Es geht nicht mehr nur ums Prestige, sondern auch um die Spannung im Titelrennen. (Die Tabelle der Bundesliga)

Zugleich ist es das Duell zwischen zwei Trainern, die sich enorm schätzen.

Das Hinspiel in München hatten Pep Guardiolas Bayern klar mit 5:1 gewonnen. Damals war es auch ein taktischer Punktsieg des FCB-Coachs gegen Thomas Tuchel. Der will jetzt zurückschlagen - und bis auf zwei Punkte an die Münchner heranrücken.

SPORT1 nennt die taktischen Brennpunkte des Topspiels:

- Gefahr der langen Bälle

Im Hinspiel fand Thomas Tuchel mit seiner Borussia keine Antwort auf die langen Bälle des Gegners. Die Bayern taten sich nur zu Beginn im Spielaufbau schwer, konnten diese Probleme aber beheben, als Jérôme Boateng ins Zentrum der Dreierabwehr gestellt wurde. Ein langer Ball von ihm bereitete das 1:0 von Thomas Müller vor.

Auch beim vorentscheidenden 3:1 von Robert Lewandowski setzte Boateng den Torschützen mit einem langen Ball in Szene. Die Dortmunder waren weit aufgerückt, konnten aber keinen Druck auf Bayerns Spielaufbau ausüben. Sie wurden zu passenden Opfern für diese präzisen Vertikalschläge.

Mit Boateng und auch Holger Badstuber fehlen zwei Aufbauspieler, die prädestiniert dafür sind, den Gegner mit langen Bällen zu überrumpeln. Xabi Alonso könnte diese Rolle partiell übernehmen. Die potenzielle Gefahr für Dortmunds Defensive bleibt also gegeben.

Die Aufstellung des FC Bayern
Die mögliche Taktik des FC Bayern gegen Borussia Dortmund © SPORT1

Eine taktische Maßnahme als Reaktion darauf ist jedoch kompliziert und hätte womöglich schwerwiegende Konsequenzen auf die Gesamtstruktur der Mannschaft. Tuchel müsste zum Schutz gegen die langen Bälle seine Abwehrlinie nach hinten ziehen, um die Distanz zum eigenen Tor zu verkleinern. Doch zugleich wäre der Rest der Mannschaft dazu aufgefordert, tiefer zu stehen, damit die Räume zwischen den Linien eng bleiben.

Dortmund würde automatisch den Bayern das Kommando überlassen. Die Gäste müssten nun nicht einmal auf lange Schläge zurückgreifen, sondern könnten ruhig und ohne großen Druck über Flachpässe ihre Angriffe eröffnen.

Guardiola sagte auf der Pressekonferenz am Freitag: "Unsere Idee ist: Take the ball and play." Dominanz ist und bleibt der Schlüssel für die Bayern. Auch gegen einen Gegner wie Borussia Dortmund.

- Duell an die Mittellinie verlagern

Doch genau diese Einseitigkeit möchte der BVB sicherlich verhindern. Über lange Phasen des Spiels am eigenen Strafraum zu verteidigen und weite Wege bei möglichen Konterangriffen zurücklegen zu müssen, kann eigentlich nicht dem Anspruch der Dortmunder entsprechen.

Vielmehr muss es das Ziel des BVB sein, die Bayern in ein Mittelfeldduell mit vergleichsweise wenigen Strafraumszenen zu verwickeln. Mit Rückkehrer Nuri Şahin (alternativ zu Shinji Kagawa) sowie Julian Weigl und İlkay Gündoğan verfügt der BVB über drei Spieler, die einerseits defensivstark sind und andererseits präzise Pässe im Aufbau und bei Umschaltangriffen spielen können.

Die Aufstellung von Borussia Dortmund
Die mögliche Taktik von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern © SPORT1

Stellt man ihnen noch Henrikh Mkhitaryan an die Seite, der sich erfahrungsgemäß ohnehin oft ins Mittelfeld fallen lässt, haben die Dortmunder zumindest in der Theorie einen starken Block in der Mitte des Spielfeldes, der erst einmal von den Bayern überwunden werden muss. Die Hausherren erobern im für sie besten Fall häufig den Ball und schicken Marco Reus sowie Pierre-Emerick Aubameyang in Umschaltangriffe.

- Details entscheiden

Zu guter Letzt werden in dieser Begegnung auch viele gruppentaktische Entscheidungen von Bedeutung sein. Doppelt der BVB etwa Arjen Robben, wenn dieser an den Ball kommt, und vernachlässigt womöglich Räume im Zentrum? Wie hoch wird der BVB pressen? Werden alle drei Angreifer im 4-3-3-System auf die bayerischen Aufbauspieler rücken?

Wie wird die Tuchel-Elf auf die Bewegungen von Philipp Lahm, der meist von rechts ins Zentrum schiebt, reagieren? Sollten sich die Außenverteidiger des BVB bei eigenen Angriffen mit Vorstößen zurückhalten oder sorgen eher Şahin und Weigl für defensive Absicherung?

Im Gegenzug steht Pep Guardiola vor wichtigen Personalentscheidungen. Wird er auf eine physisch starke Doppelsechs mit Xabi Alonso und Arturo Vidal setzen, die im Duell mit den Mittelfeldspielern Dortmunds aggressiv dagegenhalten kann? Bekommt Thiago den Vorzug, um einen kreativen Gestalter bei eigenem Ballbesitz zu haben? Oder werden sogar alle drei eingesetzt und Guardiola verzichtet auf einen Angreifer ganz vorn?

Genau diese Ungewissheit macht die Partie aus taktischer Sicht so spannend. Beide Trainer brauchen entsprechende Ausweichpläne, um auf die Schachzüge des Gegenübers zu reagieren.

Borussia Dortmund geht trotz des Heimvorteils als leichter Außenseiter in die Partie, hat aber eigentlich Möglichkeiten, um mit den Bayern mitzuhalten - sofern sie sich nicht zu stark zurückziehen und gleichzeitig im Angriffs- sowie Mittelfeldpressing den Druck ständig aufrecht erhalten.

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel