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Christian Heidel wechselt im Sommer nach über 24 Jahren Mainz 05 zum FC Schalke 04 © SPORT1

München - Thomas Tuchel trifft auf Martin Schmidt - zwei Trainer, die Mainz 05 hervorgebracht hat. Bei SPORT1 erklärt Christian Heidel sein besonderes Gespür.

Christian Heidel tritt ja demnächst einen neuen Job an.

Wer wissen will, warum: Es genügt eigentlich ein Blick auf das Sonntagabendspiel der Bundesliga.

Ein Blick auf den Tabellenstand der beiden Klubs - und auf ihre Trainerbänke. Borussia Dortmund, der Tabellenzweite empfängt Mainz 05, den Fünften (So., ab 17 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Thomas Tuchel empfängt Martin Schmidt, Erfolgscoach gegen Erfolgscoach - Heidel-Entdeckung gegen Heidel-Entdeckung.

Christian Heidel, der Mainzer Manager und künftige Schalker Sportvorstand, scheint ein Gespür zu haben, wenn es um Trainer-Entscheidungen geht.

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"Erfahrung wird viel zu hoch bewertet"

Martin Schmidt, der aktuelle Mainzer Übungsleiter, der vor kurzem einen gewissen Pep Guardiola auscoachte, ist mal wieder ein Beleg für diese These.

Der 48-Jährige ist drauf und dran an die Popularität an den Erfolg von Tuchel anzuknüpfen - und von Jürgen Klopp, einer anderen, recht erfolgreichen Heidel-Entdeckung.

Christian Heidel machte Jürgen Klopp 2001 zum Trainer von Mainz 05
Christian Heidel machte Jürgen Klopp 2001 zum Trainer von Mainz 05 © Imago

Das Geheimnis hinter Heidels Gespür? Vielleicht einfach, dass er den Mut hat, ihm zu vertrauen und sich nicht von Bedenken anderer beirren zu lassen.

Der 52-Jährige ist der Meinung, "dass das Kriterium Erfahrung viel zu hoch bewertet wird". Darum hätten die Mainzer "oftmals unerfahrenen Trainern aus dem eigenen Verein das Vertrauen gegeben", sagt er SPORT1.

"Fachwissen und Charakter" ließen sich auch bei Nachwuchstrainern gut einschätzen: "Das Spielfeld ist bei der U19 oder U23 genauso groß. Es schauen nur ein paar mehr zu. Der Umgang damit aber ist durchaus kurzfristig erlernbar."

Glücksgriff Schmidt

Schmidt hat es bewiesen, nach dem Fehlschlag mit Kasper Hjulmand - auch Heidel liegt ja nicht immer richtig - brachte der Schweizer den Erfolg zurück nach Mainz.

"Er ist ein absoluter Top-Fachmann, der zusätzlich über eine große soziale Kompetenz verfügt und Mainz 05 jeden Tag lebt", sagt Heidel. Es passt wieder zwischen Trainer und Mannschaft.

Ähnliches werden die Verantwortlichen von Borussia Dortmund über Thomas Tuchel erzählen - wobei Heidel schmunzelt, wenn er hört dass sein Ex-Coach einen "kometenhaften Aufstieg" hingelegt hätte: "Ist ein Wechsel von Mainz nach Dortmund kometenhaft? Die drei Tabellenplätze."

"Viele hatten Zweifel. Ich nie"

Dass Tuchel auch bei den Dortmundern überaus erfolgreich ist, überrascht Heidel nicht: "Viele hatten da Zweifel. Ich nie", sagt er.

1. FSV Mainz 05 v TSG 1899 Hoffenheim - Bundesliga
Thomas Tuchel trainierte Mainz 05 zwischen 2009 und 2014 © Getty Images

Dortmund ist nicht Mainz, das weiß Tuchel, das weiß Heidel - dennoch sieht er Tuchels Erfolg beim BVB als durchaus logische Weiterentwicklung.

"Ist der Erfolg größer, wenn man mit einem 80-Millionen-Etat Tabellenzweiter ist oder mit einem 25- Millionen-Etat Fünfter?", fragt er - und befindet: "Es zeigt sich, dass die Trainer, die mit kleinen Etats bei kleineren Klubs erfolgreich sind, durchaus in der Lage sind auch die vermeintlich Großen zu trainieren."

Tuchel tue in Dortmund letztlich dasselbe wie bei den Mainzer Profis und der Mainzer U19: "Thomas macht Spieler besser und lässt im Training das trainieren, was er am Wochenende gegen den nächsten Gegner sehen will. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht."

Der neueste Coup: Kramny

Es gibt weitere Beispiele dafür, dass der Mainzer ein gutes Pflaster für Trainer ist.

Das jüngste: Jürgen Kramny. Und auch von dessen unverhofftem Aufstieg beim VfB Stuttgart ist Heidel nicht überrascht.

"Jürgen war schon als Spieler taktisch immer sehr interessiert", erzählt er: "Er war als Spieler der Zimmergenosse von Jürgen Klopp, der ihm eine Zukunft als Trainer voraussagte. Ich freue mich sehr, dass er jetzt in Stuttgart so erfolgreich ist."

Auch wenn es da mal nicht Heidel selber war, der einen Coach groß herausbrachte.

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