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Ottmar Hitzfeld wurde mit Dortmund und Bayern Champions-League-Sieger © SPORT1-Grafik / Getty Images

München - Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld ist in Dortmund und München eine Legende. Im Interview mit SPORT1 spricht er über den Showdown beider Teams am Samstag.

Er ist der erfolgreichste Trainer der Bundesliga-Geschichte und kennt sich bei Deutschlands Topklubs bestens aus: Ottmar Hitzfeld.

Von 1991 bis 1997 trainierte der 67-Jährige Borussia Dortmund und holte dort zwei Meisterschaften und 1997 die Champions League.

Noch erfolgreicher war der spätere Schweizer Nationalcoach danach beim FC Bayern, wo er von 1998 bis 2004 sowie von 2007 bis 2008 fünf Meisterschaften, drei Pokalsiege sowie 2001 die Champions League und den Weltpokal gewann.

Mit SPORT1 spricht Hitzfeld über das Spitzenspiel seiner beiden Ex-Vereine am Samstagabend (ab 18 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER)

SPORT1: Wird der Kampf um die Meisterschaft jetzt nochmal richtig eng?

Ottmar Hitzfeld: Ja, Bayern hat es nochmal spannend gemacht. Mainz hat zwar gut gespielt, aber letzten Endes lag es an den Bayern. Sie haben trotz ihrer totalen Überlegenheit nicht das Tor getroffen und in der Defensive zu viele Fehler gemacht. Einer Spitzenmannschaft darf das nicht passieren.

(Alles zum Topspiel am Sonntag ab 9.15 Uhr in Bundesliga Pur und ab 11 Uhr im Volkswagen DoppelpassLIVE im TV auf SPORT1)

SPORT1: Sehen Sie eine Abwärtstendenz beim FC Bayern in der Rückrunde?

Hitzfeld: Bayern hat trotz der Niederlage bis jetzt eine sensationelle Saison gespielt. Zwei Unentschieden, zwei Niederlagen - das ist ja nichts  Es ist allerdings auch so, dass Bayern leider schon in der Champions League gegen Juventus völlig unnötig nachgelassen und den Sieg noch verspielt hat. Dazu noch die Pleite gegen Mainz - das sind zwei Rückschläge binnen zwei Wochen.

SPORT1: Wie sehen Sie die Situation von Mario Götze, der trotz Rückstands gegen Mainz nicht eingewechselt wurde?

Hitzfeld: Guardiola hat eine riesen Auswahl in der Offensive, deshalb kann er nicht jeden berücksichtigen. Götze muss sich nun hinten anstellen, um seine Position kämpfen und sich immer wieder im Training beweisen. Trotzdem sollte er vielleicht überlegen, Kontakt zu Carlo Ancelotti aufzunehmen, um zu sehen, wie es ab Sommer weitergeht.

SPORT1: Man hat dennoch den Eindruck, dass sich die Kritiker von Pep Guardiola angesichts seines bevorstehenden Abschieds aus der Deckung hervortrauen.

Hitzfeld: Erfahrungsgemäß ruft die Bekanntgabe eines Abschieds immer Schwierigkeiten mit dem Umfeld und vor allem den Medien hervor. Jeder wird ein bisschen frecher. Aber ich finde nicht, dass er so stark kritisiert worden ist. Er war ja bisher auch erfolgreich. Wenn man irgendwann mal Punkte abgibt, kommt nun einmal Kritik auf. Aber das ist gerade in München normal, damit muss er leben.

SPORT1: Sind die Saisonziele des FC Bayern in Gefahr?

Hitzfeld: Pep Guardiola hat nach wie vor gute Chancen, sich mit dem Triple zu verabschieden. Meisterschaft und Pokal sind in Reichweite, da sind sie Favoriten. Und in der Champions League hängt es natürlich auch vom Los ab, wenn sie das Viertelfinale erreichen.

SPORT1: Vorher muss allerdings Juve bezwungen werden.

Hitzfeld: Bayern ist gegen Juventus für mich klarer Favorit. Sie haben Juve im Hinspiel 60 Minuten beherrscht und hätten 3:0 führen müssen.

SPORT1: In der Bundesliga haben Sie und viele andere Experten dem FC Bayern schon vor Monaten zur Titelverteidigung gratuliert. Haben Sie sich getäuscht?

Hitzfeld: Generell hätte niemand gedacht, dass Bayern Dortmund nochmal diese Chance eröffnet. Nochmal darf Bayern jetzt nicht verlieren, sonst wäre das mit Blick auf das Spiel gegen Juve dramatisch. Aber vielleicht hält die Spannung auch nur bis Samstagabend. Wenn Bayern den BVB schlägt oder Unentschieden spielt, dann ist die Meisterschaft für mich entschieden.

SPORT1: Liegt der Druck also doch bei Borussia Dortmund?

Hitzfeld: Für Dortmund ist dieses Spiel ein Endspiel. Sie haben bisher eine sehr starke Saison gespielt und leider das Pech, dass Bayern eben noch einen Tick stärker ist. Wenn der BVB nicht gewinnt, ist der FCB nicht mehr einzuholen.

SPORT1: In jedem Fall hat sich der BVB im Vergleich zum Vorjahr sehr schnell wieder als erster Bayern-Verfolger zurückgemeldet. Welchen Anteil daran hat Thomas Tuchel?

Hitzfeld: Thomas Tuchel hat es geschafft, dem BVB wieder die Siegermentalität einzuimpfen. Er lässt die Mannschaft auch etwas variabler spielen, mit mehr Ballbesitz, gutem Umschalten und hohem Pressing. Dadurch hat er wieder sehr viel Konstanz ins Team gebracht.

SPORT1: Entscheiden die Trainer das Spiel am Samstag?

Hitzfeld: Entscheidend sind immer noch die Spieler auf dem Platz. Die Trainer geben die Taktik vor. Im Hinspiel hatte Tuchel eine schlechte Taktik. Daraus wird er gelernt haben. Es wird sicherlich interessant zu sehen sein, was sich Tuchel und auch Guardiola diesmal einfallen lassen.

SPORT1: Was erwarten Sie?

Hitzfeld: Meine Vorfreude ist enorm, weil es wieder ein echter Klassiker ist. Ich rechne mit einem sehr intensiven, offensiven Duell mit offenem Visier. Für mich ist Bayern die stärkere Mannschaft und hat insgesamt die besseren Spieler als Dortmund. In einem Spiel ist aber alles möglich. Mein Tipp lautet 1:1.

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