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Bayern-Bonus
Der Bayern-Bonus ist zum ersten Mal wissenschaftlich belegt © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images/dpa Picture-Alliance/Imago

München - Ein Uni-Professor sieht den Mythos vom Bayern-Bonus als belegt. Bei SPORT1 erklärt er seine Erkenntnisse - und wie sie auch das Abstiegsfinale beeinflussen.

Es war ein gefundenes Fressen für die Stammtischrunden. Die analogen in der Kneipe, aber auch die digitalen.

Bei Twitter, Facebook, Snapchat und auch in der neuen SPORT1-App iM Football wurde nach Arturo Vidals Schwalbe im Pokal-Halbfinale heftig diskutiert über die Dreistigkeit des Chilenen. Und - natürlich, mal wieder - über die Benachteiligung der Kleinen und die ständige Bevorzugung der Dusel-Bayern.

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Was der geneigte Bayern-Fan bisher als Stammtischgeschwätz abtun konnte, ist nun jedoch wissenschaftlich bestätigt: Der Bayern-Bonus existiert - sagen zumindest Prof. Dr. Eberhard Feess von der Frankfurt School of Finance & Management und seine Kollegen.

Bayern-Bonus 40 Prozent wahrscheinlicher

"Wenn wir uns Spiele von Bayern München anschauen - und dabei Elfmeter und Tore, die nicht gegeben wurden, die man aber hätte geben müssen - dann stellen wir fest, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es den Gegner der Bayern betrifft, um rund 40 Prozent größer ist, als dass es Bayern München selbst betrifft", erklärt Feess bei SPORT1.

Im umgekehrten Fall, wenn also den Bayern ein Pfiff zuteilwird, den es nicht hätte geben dürfen (so wie bei Vidals Schwalbe), gehen die Erkenntnisse in eine ähnliche Richtung. Diese seien allerdings statistisch nicht belastbar, "weil es viel seltener vorkommt".

Die Wissenschaftler untersuchten anhand von deltatre-Daten Entscheidungen über Tore und Elfmeter zwischen 2000 und der Saison 2013/14. Der Datendienstleister der Deutschen Fußballliga versieht alle Schiedsrichterentscheidungen mit den Merkmalen "eindeutig richtig", "debattierbar" oder "eindeutig falsch" - letzteres nur, "wenn es wirklich keinen Zweifel gibt".

Vidals Schwalbe als Glücksfall

So wie am Dienstagabend bei Vidals Schwalbe - nur wenige Stunden, nachdem die Studie von Feess und Kollegen im Internet veröffentlicht wurde. Ein Glücksfall, den der Professor für Managerial Economics selbst kaum glauben konnte.

"Ich habe gedacht: Wie cool!", gesteht Feess mit einem Lachen, "ich fand es schon sehr angenehm, das muss ich zugeben".

Zumal er zu Beginn der Forschung nicht damit rechnete, überhaupt Ergebnisse zu finden. Der vermeintliche Bayern-Bonus sei zwar ein Anlass für die Studie gewesen, aber: "Ich dachte, das ist ein Wahrnehmungsproblem", sagt Feess rückblickend.

"Ewige Tabelle" entscheidend

Schließlich kämen Top-Mannschaften viel häufiger in Situationen, in denen ihnen ein unberechtigter Elfmeter zugesprochen werden könne. Außerdem "neigt man ja dazu, sich mit den Schwachen zu identifizieren".

Nun aber sind die Ergebnisse da, der Bonus nicht nur für die Bayern, sondern insgesamt für Top-Teams, wird zum ersten Mal wissenschaftlich untermauert.

Dabei spielt mehr als die Form des Vereins dessen Renommee eine Rolle. Deshalb hat die "Ewige Tabelle" auch einen größeren Einfluss auf den Schiri-Bonus als die aktuelle Bundesliga-Tabelle.

Feess: "Werden Gegenwind bekommen"

"Es ist eine Image-Sache, die losgelöst ist von der aktuellen Stärke", erklärt Feess, der damit rechnet, dass die Studie noch reichlich Kritik nach sich ziehen wird.

"Wir werden sicher auch Gegenwind bekommen, aber wir fühlen uns methodisch sicher und haben auch lange gewartet, bis wir damit an die Öffentlichkeit gehen", sagt Feess, "weil wir natürlich wissen, dass es brisant ist".

Spieler von Darmstadt beim Schiedsrichter
Beim Spiel zwischen Darmstadt und Augsburg fühlten sich Mitte März gleich beide Teams benachteiligt © Imago

Brisant könnte in den kommenden Wochen auch ein weiterer Aspekt der Studie werden.

Denn neben einer Bevorzugung des FC Bayern haben die Wissenschaftler auch einen Bonus für Heimmannschaften festgestellt - und für Teams, die am Ende der Saison noch Punkte sammeln müssen.

Schiri-Bonus auch im Abstiegskampf?

"Egal, ob eine Mannschaft gegen den Abstieg spielt oder um die Champions League: Wenn zwei Mannschaften am Ende der Saison gegeneinander spielen, wobei es für eine Mannschaft noch um etwas geht, und für die andere nicht, dann wird die Mannschaft bevorzugt, für die es noch um etwas geht", erklärt Feess.

Am kommenden Wochenende droht dieses Szenario noch nicht, schließlich kann Dortmund theoretisch noch Meister werden, Hannover rein rechnerisch noch die Klasse halten und auch dazwischen könnten alle Teams entweder noch in Europapokal- oder Abstiegskampf verwickelt werden.

Sollte Hannover am Samstag vorzeitig absteigen, sieht das jedoch ganz schnell anders aus - schließlich trifft 96 anschließend auf Schalke und Hoffenheim, für die es bis zum Saisonende um jeden Punkt gehen könnte.

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