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München und Sinsheim - Peter Stöger zieht nach der strittigen Szene vor Hoffenheims Ausgleich eine gnadenlose Konsequenz. Jörg Schmadtke sieht ein generelles Fairness-Problem in der Liga.

Inmitten all des blauen Jubels flog erst Jörg Schmadtkes Galle in Richtung des Vierten Offiziellen Christian Bandurski, dann sein Kaugummi in Richtung Hoffenheimer Bank.

"Wir beerdigen an diesem Wochenende in der Bundesliga den Fairplay-Gedanken", giftete der frühere Profi bei Sky über das Verhalten der Gastgeber vor deren späten Ausgleich durch Kevin Volland in der ersten Minute der Nachspielzeit.

Dem 1. FC Köln blieb so am Ende nur ein Punkt von der Reise nach Sinsheim.

Kölns Klünter am Boden

Der eingewechselte Lukas Klünter lag nach einem Zweikampf mit Eduardo Vargas verletzt am Boden, die Hausherren spielten aber weiter und kamen kurz darauf zum Ausgleich.

1899 Hoffenheim v 1. FC Koeln - Bundesliga
Lukas Klünter hat Schmerzen, Hoffenheim spielt weiter © Getty Images

"Aus meiner Sicht war das kein Foul, deshalb kann man weiterspielen", sagte Hoffenheims Ermin Bicakcic. Das sah Schmadtke völlig anders: "Das war ein klares Foul. Und dann spielt man nicht weiter, wenn einer am Boden liegt."

Kölns Trainer kündigte harte Konsequenzen an: "Vielleicht ist das gut. Ich werde meinen Jungs und auch den Kollegen vor dem Spiel sagen, dass wir den Ball nicht mehr ins Aus spielen", sagte Peter Stöger. "Dann gibt es die Kategorie Fairplay eben nicht mehr. Dann muss der Schiedsrichter unterbrechen."

Ähnliche Szene mit Wolfsburgs Dante

Stöger und Schmadtke verwiesen auf das Freitagsspiel in Leverkusen, wo Bayer das 2:0 schoss, als Wolfsburgs Dante darniederlag. Es sei ein garstiges Muster zu erkennen. Eines, das Fairplay auffrisst.

Julian Nagelsmann fand die Aufregung "aus Kölner Sicht völlig verständlich, in der Situation hätte ich vermutlich identisch reagiert". Dennoch hielt Hoffenheims Trainer dagegen: "Wir spielen den Angriff zu Ende, beide Spieler liegen auf dem Boden. Ich glaube nicht, dass man deshalb den Fairplay-Gedanken beerdigen muss. So eine weltbewegende Szene war es nicht."

Torschütze Volland nahm seinen Vorlagengeber in Schutz: "Da lag einer auf dem Boden, aber ich glaube nicht, dass Kramaric den gesehen hat."

Rudy: "Pech für Köln"

Deutlich undiplomatischer sah Sebastian Rudy die Szene. "Man muss nicht jeden Ball ins Aus spielen. Im Abstiegskampf muss man fighten", sagte der Nationalspieler: "Wir wollten den Angriff zu Ende führen. Das war Glück für uns und Pech für Köln."

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Das war es aber noch lange nicht mit dem Kölner Frust. Schmadtke regte sich noch über einen nicht gegebenen Elfmeter für sein Team auf, den seiner Meinung nach zu Beginn der zweiten Hälfte Bicakcic gegen Leonardo Bittencourt verschuldet hatte.

Hier gab Nagelsmann der Gegenseite Recht und befand: klarer Strafstoß. Es half dem FC freilich nicht mehr.

Köln kommt nicht vorwärts

Zum wiederholten Mal in dieser Saison fiel eine mindestens zweifelhafte Elfmeter-Entscheidung gegen Köln. Ein Punkt statt drei klammert die Mannschaft im Mittelfeld der Tabelle fest.

Die vielleicht entscheidenden Sätze schob Schmadtke noch hinterher. "Unsere Mannschaft neigt nicht dazu, liegen zu bleiben oder etwas zu schinden", sagte er. "Ganz im Gegenteil: Die Jungs sind eigentlich harmlos und sehr sportlich."

In diesem Fall waren sie wohl zu harmlos und zu sportlich.

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