vergrößernverkleinern
Andre Breitenreiter hat den FC Schalke 04 erst im Sommer übernommen © SPORT1/Getty Images

Schalkes Auftritt in München belegt Breitenreiters Scheitern. Der Coach ist aber nicht das Hauptproblem, meint SPORT1-Director Digital Ivo Hrstic - und fordert Radikales.

"Und der nächste, bitte". Auf Schalke wird wieder mal ein Trainer verabschiedet, die Zeichen stehen für Andre Breitenreiter immer mehr auf Trennung.

Die 0:3-Niederlage bei Bayern München war vor allem in der Offensive an Harmlosigkeit kaum noch zu überbieten.

Schalke-Boss Clemens Tönnies verweigert seit Wochen ein klares Bekenntnis zu seinem Cheftrainer. Warum sollte er auch? Eine durchaus mögliche Qualifikation für die Champions League wird immer unwahrscheinlicher. Die Mannschaft tritt in der entscheidenden Phase der Saison mut- und emotionslos auf.

Breitenreiter war auf Schalke angetreten, um offensiven und leidenschaftlichen Fußball spielen zu lassen, mit dem Ziel junge Spieler wie Sane, Geis, Goretzka und Meyer weiterzuentwickeln.

Das ist Breitenreiter im ersten Jahr nachweislich (noch) nicht gelungen. Mittlerweile ist seine Bilanz ähnlich schlecht wie die des erfolglosen Vorgängers Roberto Di Matteo.

Die aktuelle Stagnation aber immer nur am Trainer festzumachen wäre falsch. Schalke wechselt statistisch gesehen alle zwölf Monate seinen Übungsleiter, Kontinuität sieht anders aus. Egal ob Typ Schleifer (Magath), Professor (Rangnick), Kumpel (Stevens) oder Schweiger (Keller) - Schalke 04 hat sie alle geschafft!

Auf Schalkes neuen Sportvorstand Christian Heidel kommen also mehr als nur rein sportliche Herausforderungen zu. Heidel wird auch die Machtverhältnisse auf Schalke radikal neu sortieren müssen.

Sein Plan muss es sein, den ungewöhnlich großen Einfluss der Spielerberater auf Schalke einzudämmen, auch die aktuelle Medienpolitik zu hinterfragen und den mächtigen wie geschwätzigen Aufsichtsrat besser in den Griff zu bekommen.

Christian Heidel wird vermutlich nicht mit einem vorbelasteten Trainer wie Breitenreiter in die neue Saison starten, sondern mit der Verpflichtung eines neuen und unverbrauchten Trainers ein positives Signal setzen wollen. Verhandlungen mit Augsburgs Markus Weinzierl sind mittlerweile ein offenes Geheimnis.

Schalkes Anspruch ist es, hinter Bayern und Dortmund dritte Kraft im deutschen Fußball zu sein. Mit den tollen Fans und einer bemerkenswerten Nachwuchsarbeit ist diese Haltung auch berechtigt. Aber Schalke scheitert in der Regel eher abseits des Platzes an den formulierten Zielen.

Es bleibt also nicht ausgeschlossen, dass auch Christian Heidel nächstes Jahr zu der Erkenntnis kommen muss: Schalke bleibt untrainierbar. 

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel