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Für Fredi Bobic (l.) ist Jürgen Klopp beim BVB vor dem Europa-League-Kracher gegen den FC Liverpool zu sehr Gesprächsthema © SPORT1/Getty Images

SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic rät Borussia Dortmund, sich weniger mit Ex-Trainer Jürgen Klopp zu befassen - stattdessen sollte sich der BVB auf eigene Stärken besinnen.

Hallo Fußball-Freunde,

Nun also noch sechs Spieltage. Zwar ist am Wochenende in der Bundesliga eigentlich kaum etwas Überraschendes passiert, dennoch merkt man wo immer man hinschaut oder hinhört, die wachsende Unruhe. Entscheidungen stehen an, endgültige, und damit auch jene, die eigentlich schon seit Wochen als entschieden abgelegt wurden.

Die Meisterschale wurde ja - da nehme ich mich gar nicht aus - schon zur Winterpause an den FC Bayern vergeben. Dass die Verantwortlichen in München die Änderung ihres Briefkopfes noch nicht in Auftrag gegeben haben, liegt einzig an deren Seriosität.

Ansonsten herrscht große Ruhe auf den echten Entscheidungsebenen in der Säbener Strasse. Das Mia san Mia lässt nur einen Blick auf sich selbst zu. Und jener auf den nächsten Gegner. Wobei Benfica Lissabon bei ernsthafter Herangehensweise kein Stolperstein für die Münchner sein wird.

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Bei Borussia Dortmund beschäftigen sie sich hingegen neben dem FC Bayern ein wenig zu viel mit Jürgen Klopp. Anstatt die eigene Stärke hervorzuheben, wird die nie erloschene Liebe zum Ex als Gefahrenmoment für das Europa-League-Duell am Donnerstag heraufbeschworen.

Dabei sind die sportlichen Qualitäten des BVB so weit entfernt von jenen der der neuen Klopp-Truppe, dass es für mich nur einen Topfavoriten nicht nur für dieses Viertelfinal-Duell, sondern für den Cup-Gewinn gibt.

Dass sich am Samstag sowohl der FC Bayern (gegen Eintracht Frankfurt) als auch Borussia Dortmund (gegen Werder Bremen) mit knappen Siegen begnügten, war der Situation geschuldet.

Ich hatte schon vorher gesagt, dass nach einem Länderspiel-Doppelspieltag, wenn sich praktisch der gesamte Kader auf (Welt)Reise befindet, auch die Topteams verwundbar sind. Vor allem, wenn dann für die bevorstehenden internationalen Aufgaben auch der eine oder andere Spieler noch geschont wird oder sich selbst ein wenig zurücknimmt.

Während München aber gegen die mit einer klaren Handschrift des Neu-Trainers Niko Kovac agierenden Hessen nie in Gefahr geriet, wackelten die Borussen gegen die Hanseaten zumindest kurzzeitig, zeigten dann aber, welche Qualität auch sie von der Bank ins Spiel bringen können.

Das Ende der Bundesligasaison kommt in Sicht. Freuen wir uns also, dass die beiden besten deutschen Teams im kommenden Jahr wieder vereint in der Champions League antreten, hoffen wir, dass sie ihr Losglück im Viertelfinale beide in die Vorschlussrunde der aktuellen internationalen Wettbewerbe führt und schauen ab kommendem Wochenende dann endgültig auf die Tabellenplätze, wo wirklich noch Entscheidungen anstehen.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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