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Thomas Berthold (l.) befindet den Schalker Verbund für nicht stimmig

SPORT1-Experte Thomas Berthold sieht die Schalker Probleme nicht in der Defensive, sondern im Verbund. Mats Hummels rät er derweil zu einem Wechsel nach Spanien.

Hallo Fußball-Fans,

die Schalker Niederlage gegen Bayer Leverkusen war zweifelsohne eine besonders bittere. Und zugleich war sie vermeidbar.

Der Kritik an der Viererkette möchte ich mich trotzdem nicht anschließen. Ich sehe das Problem vielmehr im Verbund der Mannschaft, die schlicht und ergreifend nicht ausgewogen ist und die Wege nach hinten kollektiv zu langsam antritt.

Es fehlt also an Stabilität im Gesamtkonstrukt. Denn wenn eine Mannschaft stabil ist, würde sie nicht eine solche zweite Halbzeit spielen und ganz anders auftreten.

Die Ausrede der gegenwärtigen Verunsicherung lasse ich nicht gelten. Es mag sein, dass sich der eine oder andere Spieler gedanklich mit den Veränderungen im Verein beschäftigt.

Aber wenn ich vier Spiele vor Saisonende noch die Chance auf die Champions-League-Qualifikation habe, dann muss ich alles Weitere ausblenden.

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Wie das Schalker Konstrukt in der nächsten Saison aussieht, wird sich in den kommenden Wochen erweisen. Der Name Markus Weinzierl ist in Gelsenkirchen immer wieder zu hören. Er macht in jedem Fall einen guten Job in Augsburg.

Dort kann er allerdings auch in Ruhe arbeiten - ohne jede Kritik, die dich auf Schalke mit aller Härte trifft. Hier ist der Umgang mit den Medien nur schwer zu bewältigen, und unentwegt bist du dazu gezwungen, irgendwelche Egos zu bedienen.

Auch André Breitenreiter hat das zu spüren bekommen. Fairerweise sollte man ihm noch die drei Spiele Zeit geben und erst dann eine Bilanz ziehen.

Noch größere Probleme herrschen derweil beim VfL Wolfsburg, der für mich die größte Enttäuschung der Saison ist. Man denke nur an die finanziellen Möglichkeiten. Überall sonst hätte es längst eine Trainerdiskussion gegeben.

Gegen Augsburg bot die Mannschaft mal wieder einen blutleeren Auftritt. Ich habe das Gefühl, dass sich das Team auf dem einen Sieg gegen Real Madrid ausruht und sonst nur rumjammert wegen der Doppelbelastung. Die Spieler sollten wieder richtig spielen, denn dafür werden sie bezahlt.

Auch beim VfB Stuttgart sehe ich zahlreiche Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden. Die Mannschaft ist strukturell falsch zusammengebaut. Die Mentalität stimmt auch nicht.

Das mag daher rühren, dass viele nach dem guten Rückrundenstart schon an höhere Tabellenregionen gedacht haben. Vielleicht wurde angenommen, dass nun alles von allein gehe. Doch so kann man eine Saison nicht bestreiten.

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Zuletzt noch ein Wort zu Mats Hummels. Ich glaube, dass er den Weg ins Ausland antreten wird. Manchester City oder Barcelona wären gute Adressen für ihn. An seiner Stelle würde ich Spanien vorziehen, auch wenn in England Pep Guardiola auf ihn wartet.

Bis demnächst

Euer Thomas Berthold

Ex-Nationalspieler Thomas Berthold ist als Experte im Volkswagen Doppelpass tätig und wechselt sich in dieser Saison bei der sonntäglichen Doppelpass-Kolumne mit Thomas Strunz ab.

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