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Nächste Saison kommen die ganz großen Klubs nach Leipzig © SPORT1 Grafik: Getty Images

SPORT1-Experte Fredi Bobic blickt in seiner Kolumne zurück auf die abgelaufene Bundesligasaison. Den Aufstieg von RB Leipzig sieht er positiv, den Meister 2017 kennt er schon.

Liebe Fußball-Freunde,

Die 54. Bundesligasaison ist beendet. 25 Mal gewann in diesem Zeitraum der FC Bayern den Titel. Vor dieser Konstanz muss man den Hut ziehen, egal ob Fan oder nicht. Und auch die durch die vier Titel in Folge unterstrichene Dominanz nur mit der Wirtschaftskraft zu begründen, ist mir zu einfach. Dieser Verein hat sich seine Sonderrolle hart erarbeitet. Und an dieser wird so schnell keiner rütteln. Für mich steht heute schon fest: Meister 2017 wird der FC Bayern.

Dahinter wird es spannend. Borussia Dortmund wird auf dem Transfermarkt noch zuschlagen. Bei Bayer Leverkusen entwickelt sich eine teils sehr junge Mannschaft hervorragend. Schalke ist und bleibt auch unter neuer Führung eine Wundertüte. Eine Überraschung wird es auch immer geben. Ob die schon direkt RB Leipzig heißen wird, kann ich mir nicht vorstellen. Obwohl der Aufsteiger die Tabelle ordentlich durchrütteln wird.

Bliebe die Diskussion über die Zukunft der Traditionsvereine. "Geld oder Liebe" wurde kürzlich eine Talkshow zu dem Thema betitelt. Ich glaube, dass sich beides nicht ausschließt. Zudem: ab wann fängt Tradition an? Klar: RB Leipzig kann sich nicht als Traditionsklub bezeichnen. Die Stadt aber hat als Deutscher Meister von 1903 eine längere Fußball-Tradition als alle anderen in Deutschland. Hier schlummert ein Potenzial auch in der Fanszene, weshalb ich den Neuling sogar als Bereicherung für die Liga sehen würde. Und der SC Freiburg mit seinem kultigen Trainer Christian Streich ist auf jeden Fall ein Gewinn.

Sind Hannover 96 und der VfB Stuttgart nun Verluste? Ich habe die letzten Wochen gesagt, dass ich keinem Verein den Abstieg wünsche. Letztlich aber hat die Addition von Fehlentscheidungen auf der Führungsebene im laufenden Spieljahr den Gang in die Zweitklassigkeit ausgelöst. Natürlich wird in beiden Vereinen nun vom Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs gesprochen. Hier macht die geordnete wirtschaftliche Struktur in Hannover Hoffnung. Während beim VfB Stuttgart abgewartet werden muss, wie sich der Verein nun neu aufstellt.

Aber ehe es neu losgeht, heißt es Erfolge zu feiern und Wunden zu lecken. Und natürlich das Pokalfinale zu spielen. Ich gestehe, dass meine Sympathien beim Underdog aus Dortmund liegen, weil ich ja selbst drei Jahre für die Borussia aktiv war. Aber die Truppe von Thomas Tuchel scheint zum Saisonende ein wenig die Leichtigkeit ihres Spiels verloren zu haben. Mats Hummels wird das Nervenspiel gegen seinen künftigen Arbeitgeber gut überstehen, wobei er nicht zu einem möglichen Elfmeter antreten sollte. Und die Bayern? Die Spieler, die nie Titel-müde werden, möchten ihren scheidenden Chef zum Abschied beschenken. Und sie sind nicht nur laut Tabelle und Papierform der Favorit.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 44-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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