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Thomas Strunz sieht Pep Guardiola beim FC Bayern gescheitert © SPORT1/Getty Images

SPORT1-Experte Thomas Strunz widmet sich in seiner Kolumne der Ära Pep Guardiola. Die Maßnahmen von VfB-Trainer Jürgen Kramny befindet er derweil für aktionistisch.

Hallo Fußball-Freunde,

Pep Guardiolas Zeit beim FC Bayern neigt sich ihrem Ende zu. Nun sind es nur noch zwei Pflichtspiele, ehe der als Messias empfangene den Rekordmeister verlassen wird.

Was bleibt nach drei Jahren also übrig? Wohin hat er den Verein geführt? Ist sein Vermächtnis endlich oder endlos?

All das sind Fragen, die sich dem kritischen Betrachter zwangsläufig stellen. Zugegeben, sie sind nicht einfach zu beantworten. Trotzdem kann ich ein klares Urteil fällen.

Zweifellos stimmt die Siegquote in der Liga - man hat sich schließlich nicht umsonst dreimal in Folge zum Meister aufgeschwungen. Aber jenen Maßstab, den Guardiola sich selbst gegeben hat - nämlich dort anzuknüpfen, wo Jupp Heynckes aufgehört hat - konnte er nicht erfüllen.

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Zweimal ist die Mannschaft katastrophal im Champions-League-Halbfinale gescheitert. Und auch im dritten Anlauf ist der Finaleinzug nicht geglückt.

Ein Umstand, den ein so stark aufgestellter FC Bayern nicht dulden kann. Schließlich hat der Verein seit Guardiols Amtsbeginn über 200 Millionen Euro in die Mannschaft investiert. In dieser Hinsicht ist Guardiola also gescheitert.

Eine mögliche Ursache für das dreimalige Versagen im Halbfinale mag indes vor allem die mangelnde Einheit gewesen sein. Unter Heynckes stand der gesamte Verein noch sehr eng zusammen - vom Masseur bis hin zu Thomas Müller.

Doch Guardiola ist es nicht gelungen, eine Einheit zu schaffen und menschliche Wärme aufkommen zu lassen. Das ist mein Vorwurf an den Startrainer, von dem meines Erachtens nur wenig übrig bleiben wird.

All das sind aber Lappalien gegenüber dem, was sich in Stuttgart abspielt. Da muss jetzt alles auf den Prüfstand.

Die Mannschaft ist vor dem wichtigen Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen, das krachend verloren wurde, ins Trainingslager nach Mallorca geflogen. Ich erwarte nach einer solchen Reise, dass die Mannschaft sich noch mal einschwört und der Trainer sich einen Kern von Spielern zusammensucht. Einen Kern, der das Ruder rumzureißen vermag.

Doch das scheint nicht geschehen zu sein. Denn Jürgen Kramny hat kurz darauf wieder alles über den Haufen geworfen. Und das führt zu einer hohen Verunsicherung innerhalb der Mannschaft.

Man schaue sich allein seine Maßnahme vor dem Spiel gegen Mainz an. Kramny tauschte die komplette Viererkette aus - für meine Begriffe ist das nichts anderes als Aktionismus.

Doch in der Bundesliga gibt es nicht nur Leid und Elend, sondern auch Erfreuliches zu vermelden. So ist das, was sich in Darmstadt ereignet, etwas Großartiges.

Man sieht an diesem Beispiel deutlich, was Mentalität und Gemeinschaftsgefühl bewirken können. Zu jedem Zeitpunkt in der Saison hatte ich das Gefühl, dass die Darmstädter eine Einheit sind. Nie hat sich etwas verselbstständigt.

Darum halten die Lilien verdient die Klasse, während in Stuttgart alles zusammenbricht.

Bis demnächst

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz ist als Experte im Volkswagen Doppelpass tätig und wechselt sich in dieser Saison bei der sonntäglichen Doppelpass-Kolumne mit Thomas Berthold ab.

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