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München und Wolfsburg - Im SPORT1-Interview spricht Wolfsburgs Nationalspieler Julian Draxler über den VfL, das Leben als Jungprofi, Cristiano Ronaldo - und verrät viel Privates.

Julian Draxler hat schon einiges erlebt in seiner noch jungen Karriere. Mit gerade mal 22 Jahren ist er Nationalspieler und hat seinen ersten großen Vereinswechsel schon hinter sich.

Im Sommer 2015 wechselte der gebürtige Gelsenkirchener unter großem Medienecho von Schalke 04 zum VfL Wolfsburg

Im SPORT1-Interview spricht Draxler über seinen Wechsel, den Rummel als Jungprofi, Cristiano Ronaldo - und verrät ganz viel Privates.

(Mehr zu Julian Draxler ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 in "Bundesliga Aktuell")

SPORT1: Herr Draxler, wie blicken Sie auf Ihr erstes Jahr in Wolfsburg zurück?

Draxler: Für mich persönlich war alles top. Ich hatte in den vergangenen zwei Jahren unwahrscheinlich große Probleme und bin verletzungsbedingt nie richtig in Tritt gekommen. Im letzten Sommer war dann die Zeit für eine Veränderung gekommen und seitdem ging es für mich bergauf. Die abgelaufene Saison war für mich so erfolgreich wie schon lange nicht mehr - vor allem seit Januar lief es prima. Ich habe mich auch persönlich weiterentwickelt und habe ein Team um mich aufgebaut, das mich unterstützt.

SPORT1: Sie verließen zum ersten Mal Ihr gewohntes Umfeld. Sie sind ein Familienmensch. Hatten Sie am Anfang Heimweh?

Draxler: Es war schon eine harte Zeit, aber als Fußballer kannst du da nicht viel nachdenken. Du musst Leistung abliefern. Natürlich habe ich Gelsenkirchen vermisst und bin an einem trainingsfreien Tag auch mal nach Hause gefahren. Aber ich bin nicht in den USA, sondern nur zweieinhalb Stunden entfernt. Ich bin nicht traurig, dass ich den Schritt gemacht habe und daher weiter von der Familie weg bin. Es war die richtige Entscheidung, das gewohnte Umfeld zu verlassen.

SPORT1: Wie haben Sie sich durch den Wechsel weiterentwickelt?

Draxler: Es gibt die fußballerische Weiterentwicklung und die menschliche. Fußballerisch ist es einfach, da muss man sich nur meine Spiele anschauen und man sieht die Veränderung. Auch privat habe ich mich verändert, weil ich andere Prioritäten setze. Ich war zum ersten Mal ein Jahr lang weg von zu Hause, war häufig alleine und suchte mir meine eigenen Wege. Ich habe viel an mir gearbeitet. Wenn man meine Eltern und meine Freundin fragen würde, dann würden sie bestätigen können, dass ich mich verändert habe. Aber natürlich bin ich kein anderer Mensch geworden. (lacht)

SPORT1: Sie haben mittlerweile aber sogar einen eigenen Koch. Erzählen Sie mal…

Draxler: Ich habe nach meinen schweren Verletzungen in der Vergangenheit etwas umgedacht. Es musste einen Grund haben, dass ich oft verletzt war und immer wieder an den gleichen Körperstellen Probleme hatte. Ich habe dann also ein Team um mich aufgebaut mit einem Ernährungsexperten, der gleichzeitig Koch ist. Er ist jeden Tag bei mir und bereitet mir zwei Mahlzeiten zu. Dann kommt regelmäßig ein Physiotherapeut aus Gelsenkirchen zu mir und schaut, ob alles okay ist. Das ist verletzungsvorbeugend ausgerichtet. Darüber hinaus habe ich meine Trainingsarbeit etwas umgestellt und arbeite im Kraftraum mehr an der Stabilisierung.

SPORT1: Michael Ballack hatte einen Karriereplan, wechselte alle vier Jahre den Klub. Wie sieht Ihr Plan aus?

Draxler: Mein Karriereplan sieht vor, dass ich es eines Tages schaffen will, zu einem ganz großen Verein in Europa zu wechseln. Es ist mein Traum, dass ich ganz oben an der Tür anklopfe. Dafür gebe ich alles. Und ich bin noch sehr jung und habe weiter alle Möglichkeiten.

Interview im Grünen: SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf sich in Wolfsburg mit Julian Draxler.

SPORT1: Sie haben mal gesagt, dass Sie die Show mögen in Bezug auf Cristiano Ronaldo. Wie haben Sie das gemeint?

Draxler: Ich mag, wenn es über den normalen Fußball hinausgeht. Cristiano hat inzwischen so einen Status, er könnte alles machen und die Fans würden es immer gut finden. Ich finde es gut, wenn man auf dem Platz sieht, was er für eine starke Persönlichkeit ist und wie er das zeigt. Alles, was er neben seinem eigentlichen Fußballspiel noch macht, um seine Marke nach vorne zu bringen, ist etwas, was man nur mit großen Augen verfolgen kann.

SPORT1: Als Jungprofi wird man oft wie eine Rakete nach oben geschossen. Da gibt es plötzlich viele falsche Freunde. Wie belastend ist das?

Draxler: Ich habe das am eigenen Leib erfahren. Der Wechsel nach Wolfsburg war natürlich mit vielen Nebengeräuschen verbunden. Ich bin ein Typ, bei dem es etwas dauert, bis die Leute mein Vertrauen gewinnen. Da ich in Wolfsburg wenig unterwegs bin, habe ich hier kaum richtig gute Freunde gefunden. Klar gibt es die eine oder andere Bekanntschaft, aber ich halte meinen Kreis möglichst klein und ich ziehe nicht regelmäßig um die Häuser.

SPORT1: Gibt es jemanden in der Fußballszene, der ein guter Freund von Ihnen ist?

Draxler: Ja. Das ist aus Schalke Sead Kolasinac. Er ist auch komplett abseits des Fußballs ein Riesenfreund von mir geworden. Auch mein Vater und mein Bruder verstehen sich super mit ihm. Sead ist mir sehr ans Herz gewachsen. Auf ihn lasse ich nichts kommen.

SPORT1: Junge Profis wie Sie haben viele weibliche Fans. Wie gehen Sie damit um, wenn sie von den Mädchen angehimmelt werden?

Draxler: Klar freue ich mich über die Unterstützung, wenn die weiblichen Fans mich mögen. Aber es gibt natürlich auch Situationen, wo junge Mädchen im Alter von 13, 14 Jahren wollen, dass ich sie umarme und das muss dann nicht unbedingt sein. Ich will nicht unhöflich sein, aber es gibt schon Grenzen. Ich gebe gerne Autogramme, mache mit Fans zusammen Fotos und unterhalte mich auch mit ihnen, aber es gibt Dinge, die musst du als Profi nicht machen. Aber generell habe ich viel Geduld und die Fans geben mir auch die Bestätigung für meine Leistung.

SPORT1: Fußballstars können sich vieles leisten. Was bedeutet Ihnen Luxus?

Draxler: Ich könnte jetzt sagen, dass Luxus für mich ist, wenn man gesund ist, aber dann würde ich das sagen, was oft gesagt wird. Ich mache unheimlich gerne Urlaub und reise viel in der Welt umher. Dafür gebe ich auch viel Geld aus, um die schönsten Ecken auf der Welt zu sehen. Das ist eine Leidenschaft von mir.

SPORT1: Wofür geben Sie noch Geld aus?

Draxler: Ich kaufe mir gerne mal eine schöne Uhr. Ich bin auch ein Typ, der es mag zu schenken. An Geburtstagen, wo ich weiß, dass sich meine Freunde, meine Eltern oder mein Bruder über bestimmte Dinge freuen. Es gibt aber wenig Sachen, wofür ich Geld rausschmeiße.

SPORT1: Die Fußballer kommen heute immer mit Kopfhörern aus der Kabine. Was für Musik hören Sie gerne?

Draxler: Da bin ich der typische Fußballprofi. Ich höre amerikanischen Hip Hop, aber auch den aus Deutschland. Doch das höre ich nur dann, wenn ich alleine bin, weil meine Freundin solche Musik nicht so mag.

SPORT1: Sie wirken immer sehr introvertiert. Wann flippt Julian Draxler auch mal aus?

Draxler: Ich bin schon eher der ruhige Typ. Ich bin gerne entspannt und neutral. Es muss schon einiges passieren, damit ich mal wütend werde. Aber ich kann auch mal richtig abfeiern, es ist dann nicht so, dass ich mich zu Hause einschließe und mich in die Ecke verkrieche. Wenn ich frei habe, gehe ich gerne mal aus und lass die Puppen tanzen. (lacht)

SPORT1: Letzte Frage: Wie reizvoll ist das Ausland für Sie?

Draxler: Ich finde es sehr spannend, auch unabhängig vom Fußball. Du kannst eine andere Sprache und neue Kultur kennenlernen und das natürlich mit dem Hintergrund, dass es im Ausland sehr große Vereine gibt. In Spanien und England hast du tolle Klubs. Ich finde das Ausland sehr interessant. Spanien ist für mich derzeit die stärkste Liga. Ich glaube da ist eine Riesen-Qualität in den Vereinen und in England wird viel Geld in die Kader gesteckt. Die Bundesliga, die Primera Division und die Premier League sind die Top 3 in Europa.

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