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Marco Russ traf kurz vor der Pause ins eigene Tor
Marco Russ traf kurz vor der Pause ins eigene Tor © Getty Images

Frankfurt am Main - Nach Bekanntwerden seiner Tumorerkrankung unterläuft Marco Russ auch noch ein Eigentor. Mijat Gacinovic gelingt gegen harmlose Nürnberger zumindest der Ausgleich.

Mehr Drama um den tragischen Helden geht kaum: Nach dem "Russ-Schock" droht Eintracht Frankfurt der fünfte Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. Im Relegations-Hinspiel kamen die Hessen gegen den Zweitliga-Dritten 1. FC Nürnberg nicht über ein 1:1 (0:1) hinaus - auch weil Kapitän Marco Russ einen Tag nach der niederschmetternden Tumor-Diagnose ins eigene Tor traf (43.).

"Kein Vorwurf an ihn. Das kann passieren", sagte Trainer Niko Kovac: "Wir haben über 90 Minuten diktiert - dann ist so ein dummes Tor nach einem Standard einfach ärgerlich."

Der Serbe Mijat Gacinovic (65.) sorgte mit seinem Tor zwar für Hoffnung bei der Eintracht - dennoch reicht den Nürnbergern im Rückspiel, für das Russ wegen einer Gelben Karte gesperrt ist, ein torloses Unentschieden. (Statistik zum Spiel)

"Das war ein Schock für uns alle. Daran sieht man, dass die Gesundheit alles ist im Leben", sagte Frankfurts zurückgekehrter Torjäger Alexander Meier mit Blick auf Teamkollege Russ in der ARD.

Weiler und Schäfer mit harten Aussagen

Zu den Aussichten auf den Klassenerhalt meinte er: "Wir haben das Spiel dominiert und müssen im Rückspiel daran anknüpfen."

Nürnbergs Trainer René Weiler war zufrieden mit dem Auftritt seiner Elf: "Mit dem Unentschieden können wir leben. Wir wissen, woher wir kommen und was der Gegner kann. Defensiv haben wir es sehr gut gemacht. Mit eiserner Disziplin."

Mit unglücklichen Aussagen über Russ sorgten Weiler und Torhüter Raphael Schäfer aber nach dem Spiel für Aufregung. "Ich glaube, wenn einer wirklich schwer krank ist, dann kann er heute kein Fußball spielen", sagte Torhüter Schäfer nach der Partie bei Sky: "Von dem her war das schon eine sehr komische Meldung genau heute vor dem Spiel."

Für die Eintracht geht es darum, den ersten Abstieg seit 2011 zu verhindern. Nürnberg will nach zwei Jahren Abstinenz zurück in die Eliteklasse, es wäre der achte Aufstieg der Franken. Eine Serie wird in jedem Fall reißen: Beide Klubs mussten jeweils zweimal in die Relegation und konnten sich beide Male durchsetzen.

Russ und Meier in Startelf

Russ (30) stand wie angekündigt in der Startelf der Frankfurter. "Marco ist ein stabiler Junge. Wir waren selbst überrascht, wie er das aufgenommen hat. Er hat sofort gesagt, dass er spielen will", sagte Trainer Niko Kovac bei Sky. Auch Torjäger Alexander Meier (33), der zehn Wochen wegen einer Knieverletzung gefehlt hatte, lief von Beginn an auf. Kapitän Meier überließ seinem "Vize" Russ die Spielführer-Binde.

Vor 51.500 Zuschauern in der ausverkauften Arena machten die Gastgeber in der Anfangsphase mächtig Druck. Auch die abgebrannte Pyrotechnik in beiden Fanblöcken vernebelte den Frankfurten nicht den Blick in der Offensive. Stefan Aigner hatte die erste gute Chance (7.).

Erst nach 20 Minuten befreite sich der Club ein wenig. Immerhin war es den Franken gelungen, die erste Drangphase der Eintracht ohne Gegentor zu überstehen. Eine richtig hochkarätige Gelegenheit konnten die Hessen auch nach einer halben Stunde nicht verbuchen. Im Anschluss hatten die Nürnberger in einigen Szenen Glück, dass es keinen Elfmeter gegen sie gab.

Kurz vor der Pause dann das große Pech für Russ, von dessen Fuß der Ball ins Tor prallte. "Das ist mit das Schlimmste, was ihm passieren konnte", kommentierte Eintracht-Präsident Peter Fischer Russ' Missgeschick zur Pause.

Gacinovic rettet Frankfurt

Nach dem Seitenwechsel brachte die Eintracht zunächst kaum etwas in der Offensive zustande - und Russ sah nach einem Foul im Mittelfeld die Gelbe Karte (56.), wegen welcher er nun im Rückspiel am Montag zuschauen muss. Von Meier war auch nach über einer Stunde so gut wie nichts zu sehen.

Gacinovic machte es besser, Meier musste nach 70 Minuten raus.

Am Mittwoch war als Folge einer eigentlich positiven Dopingprobe bekannt geworden, dass bei Russ eine schwere Tumorerkrankung diagnostiziert wurde. Die Eintracht war von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) zuvor über den positiven Test informiert worden, daraufhin wurde Russ von einem urologischen Facharzt untersucht. Der Befund wurde durch Blutuntersuchungen bestätigt.

Nach den Vorgaben des Anti-Doping-Gesetzes nahm die Frankfurter Staatsanwaltschaft noch am Mittwoch Ermittlungen auf und durchsuchte die Wohnung sowie das Zimmer des Eintracht-Profis im Hotel, in dem die Eintracht vor dem Relegationsspiel übernachtet hatte.

Zum Zeitpunkt der Durchsuchung habe noch kein ärztliches Gutachten mit der Diagnose vorgelegen, bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dennoch schimpfte Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen bei SPORT1 über diese Vorgehensweise: "Es ist ungeheuerlich, dass der Staatsanwalt eine Durchsuchung anordnet."

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