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Real Madrid v Borussia Dortmund - UEFA Champions League Quarter Final
Carlo Ancelotti hat auch eine raue Seite © Getty Images

In seinem Buch bekennt der neue Bayern-Coach seinen Jähzorn - und wie mancher Star darunter schon leiden musste. Auch anderweitig reagiert Carlo Ancelotti empfindlich.

Mit Carlo Ancelotti beginnt beim FC Bayern ab Juli eine neue Ära - und die verspricht mit dem italienischen Erfolgstrainer einen durchaus bemerkenswerten Charakterkopf.

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In seinem kürzlich erschienenen Buch "Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt" gewährt Ancelotti detaillierte Einblicke zu seinem Führungsstil - und auch zu seinem sich bisweilen Bahn brechenden Jähzorn.

Ibrahimovic wird Kisten-Opfer

Ein Beispiel: Als der 56-Jährige zu seiner Zeit bei Paris Saint-Germain im Pokal gegen Evian verlor, war er derart verärgert, dass er gegen eine Kiste trat und Superstar Zlatan Ibrahimovic damit am Kopf traf. Seine Wutausbrüche sind mittlerweile legendär, wobei er immer wieder ins Italienische abdriftet und wild flucht.

Generell aber, so wird in dem 320-Seiten-Buch offenbar, liegt Ancelotti ein harmonisches Verhältnis mit seinen Spielern am Herzen, geprägt von gegenseitigem Respekt und Vertrauen.

Scherze mit Superstars

In einem Gastbeitrag beschreibt das auch Cristiano Ronaldo, den Ancelotti bei Real Madrid immer nur "Bomba" nannte. Auch Zlatan Ibrahimovic schwärmt von Ancelotti als dem "besten Trainer aller Zeiten". Er sei ein kompletter Mensch und Trainer, der auch im Privaten als verlässlicher Ratgeber beeindrucke.

Zudem soll Ancelotti höchst humorvoll auftreten und sich zwischendurch immer wieder einen Spaß daraus machen, seine Spieler etwas aufzuziehen.

So teilt der mehrfache Champions-League-Sieger hin und wieder mit ernster Miene seinen Stars mit, sie bei der nächsten wichtigen Partie nur auf die Bank zu setzen - um ihnen dann lachend auf die Schulter zu klopfen und alles als Scherz abzutun.

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Ancelotti mag keine Einmischung

Empfindlich reagiert Ancelotti indes, wenn sich intern in seine Trainerarbeit eingemischt wird: Problematisch war deshalb unter anderem beim FC Chelsea das Verhältnis zu Roman Abramowitsch.

Nach einer Niederlage gegen Wigan erschien der russische Klubbesitzer am nächsten Tag unerwartet beim Training, um seinem Trainer eine Standpauke zu halten - und das, obwohl Ancelotti zuvor 14 seiner ersten 16 Pflichtspiele gewonnen hatte.

In der Folgezeit wurden dem Coach immer wieder Ultimaten gesetzt - nicht nur bei Chelsea, sondern auch bei PSG und Real Madrid. Die Geringschätzung insbesondere in Frankreich veranlasste Ancelotti schließlich dazu, den Verein zu verlassen. 

Carlo Ancelotti (mit Chris Brady & Mike Forde): Quiet Leadership. Wie man Menschen und Spiele gewinnt. Knaus Verlag, 2016, 320 Seiten.

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