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Max Eberl (l.) und Fredi Bobic (r.) diskutieren bei SPORT1 über die Wechsel-Pläne von Thomas Tuchel

München - Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel wünscht sich die Einführung von sechs Auswechslungen. SPORT1 hat sich umgehört, es gibt nicht nur Befürworter.

Es ist ein Wunsch, den man kontrovers diskutieren kann.

Trainer Thomas Tuchel vom Borussia Dortmund hat sich für eine Regelrevolution eingesetzt und wünscht sich die Einführung von bis zu sechs Auswechslungen pro Spiel (Dortmunds Test in St. Gallen gegen Athletic Bilbao ab 18.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und LIVETICKER).

"Ich bin für mehr Auswechslungen. Ich habe mir schon überlegt, wie das sein könnte. Ich bin anstatt dreimal ein Spieler für dreimal zwei Spieler", sagte der BVB-Coach am Montag im Interview mit Sky.

Wie sind die Reaktionen? SPORT1 hat sich umgehört in der Fußballszene:

Max Eberl (Sportchef Borussia Mönchengladbach): "Ich finde, die Regel ist gut, wie sie ist. Wir müssen nichts daran ändern."

Bruno Labbadia (Trainer Hamburger SV): "Mir würde es gefallen, variabler wechseln und mehr Spieler zum Einsatz bringen zu können. Wenn die Möglichkeit besteht, mehr Spieler einzusetzen, könnte sich die Dynamik des Spiels und auch die Dynamik innerhalb des Kaders erhöhen. Dann müsste man die Kadergröße nicht begrenzen, könnte auch beispielsweise 20 Leute mit zum Spiel nehmen. Der Fußball ist die letzte Ballsportart, bei der nicht die Möglichkeit des Interchangings besteht. Wenn sich die Spieler und Zuschauer an fliegende Wechsel gewöhnt haben, könnte es der Attraktivität des Spiels weiter zuträglich sein. Zudem gäbe es nicht die ständigen Debatten um Stamm-oder Ersatzspieler. Wertigkeit und Bedeutung eines jeden Spielers würden steigen."

Ottmar Hitzfeld (Champions League-Sieger als Trainer mit Borussia Dortmund und FC Bayern): "Die Kaderbildung in den meisten Clubs weist mittlerweile bedeutend mehr Qualität auf. Die Intensität der Spiele nimmt zu und die Belastungen der Spieler steigt ständig. Von daher ist dieser Vorschlag zu überlegen."

Fredi Bobic (Vorstandschef Eintracht Frankfurt): "Ich bin ein Stück weit Traditionalist und halte wenig davon, ständig die Regeln zu verändern. Man kann Fußball hier nicht mit Handball vergleichen, wo doch jeder Spieler bei Spielzügen sehr exakte vorher bestimmte Laufwege einnimmt. Oder Basketball, wo das Positionsspiel sehr statisch ist. Mehr Wechsel würden das Fußballspiel eher stören."

Jens Todt (Sportchef Karlsruher SC): "Eine interessante Idee, die Trainern sicherlich mehr Einflussmöglichkeiten bietet. Allerdings werden wirtschaftlich starke Vereine, die sich einen ausgeglichenen Top-Kader leisten können, dadurch bevorteilt."

Friedhelm Funkel (Trainer Fortuna Düsseldorf): "Sechs Auswechslungen ist für meinen Geschmack etwas zu viel. Vier Wechsel oder zwei Spieler mehr im Kader wären vertretbar."

Thomas Linke (Sportdirektor FC Ingolstadt): "Die Regelung im Hinblick auf Auswechslungen, so wie sie bestehen, halte ich grundsätzlich für gut."

Martin Kind (Präsident Hannover 96): "Der Sport lebt auch von Veränderungen und es ist immer schön, wenn solche Diskussionen angeschoben werden. Was für Ergebnisse dann dabei rauskommen, muss abgewartet werden."

Torsten Lieberknecht (Trainer Eintracht Braunschweig): "Im Jugendbereich würde ich seine Überlegung teilen.“

Reiner Calmund (Berater Hamburger SV): "Ich kann die Aussagen von Thomas Tuchel nachvollziehen. Gerade für die Spieler in den Klubs, die international vertreten sind und viele Nationalspieler abstellen, wäre es in mehrfacher Hinsicht von Vorteil: Die Belastung könnte effektiver verteilt werden, die oft geforderte Regeneration umgesetzt werden und auch kleinere Verletzungen könnten besser auskuriert werden.

Dadurch erhalten mehr Spieler Spielpraxis, so können sich auch Alternativen besser entwickeln. Der größere Kader - häufig ein Nachteil, weil zu viele Spieler zu wenig spielen - könnte jetzt ein Vorteil sein. Vereine mit weniger Nationalspielern und ohne internationalen Ambitionen haben hier die Möglichkeit, auch mal Solidarität zu zeigen. Wie die Auswechslungen dann ablaufen, das müsste in einem Expertengremium erörtert werden."

Christian Hochstätter (Sportvorstand VfL Bochum): "Grundsätzlich finde ich den Ansatz nicht schlecht. Wenn man etwas im Fußball verändern will, dann kann man sicherlich zumindest darüber nachdenken. Das Argument, taktisch mehrere Möglichkeiten zu haben, ist nachvollziehbar. Man könnte alternativ aber auch die Anzahl der Spieler erhöhen, die am Spieltag im Aufgebot stehen dürfen. So wie es bei Welt- oder Europameisterschaften der Fall ist, oder beispielsweise mittlerweile in den Niederlanden. Auch dann hätten die Trainer weitere Möglichkeiten."

Michael Henke (früherer Co-Trainer FC Bayern und aktuell zuständig für internationale Beziehungen beim FC Ingolstadt): "Interessanter Vorschlag. Bei der Größe der Kader heutzutage kann man darüber nachdenken. Außerdem könnte man darüber nachdenken, mehr als 18 Spieler zu nominieren und mehr als sieben Spieler auf die Bank zu setzen. Wie bei großen Turnieren (WM, EM und Olympia)."

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