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München - Beim Sieg gegen Inter macht ein Mann drei Tore, den viele beim FC Bayern schon vergessen hatten. Für Julian Green ist womöglich die passende Nische frei.

Vor zwei Jahren war Julian Green schon einmal mit dem FC Bayern in den USA unterwegs und sagte einen Satz, dem seine damals 19 Lebensjahre aus jedem Atemzug quillten: "Ich habe einfach nur Spaß."

Kein Wunder, war er damals doch das nächste große Ding im US-amerikanischen Fußball, hatte gerade im Achtelfinale gegen Belgien eines der Tore der WM in Brasilien erzielt und schrieb Autogramme im Akkord.

Green nimmt es locker

Heute reist er wieder durch seine Heimat im Münchner Trikot und gibt nach drei Toren in 35 Minuten gegen Inter Mailand Sachen von sich wie: "Ich bin ein Stürmer, Tore schießen ist immer gut für mich. Aber das ist Fußball. An einem Tag ist es nicht so gut, am anderen ist es besser."

Und: "Morgen ist ein neuer Tag und ich werde hart arbeiten und weitermachen." Sinnvoller Gedanke.

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Zwischen diesen beiden Julian Greens liegen 24 Monate mit gerade einmal 45 mehr oder weniger ernsthaften Fußballspielen, in denen ihm zehn Tore gelangen. 28 Partien und alle zehn Treffer davon sammelte er in der vergangenen Saison bei Bayerns zweiter Mannschaft in der Regionalliga.

Der Rest verteilt sich auf sein Leih-Jahr beim Hamburger SV direkt nach der ersten spaßigen US-Tour, einen Champions-League-Einsatz für die Bayern sowie ein paar Länderspiele für die A-Mannschaft und die U23-Auswahl der USA.

Ancelotti lobt

Kein Wunder, dass Green vorsichtig geworden ist. Trainer Carlo Ancelotti lobte die Gala des Angreifers zwar: "Er hat wirklich gut gespielt. Er war bereit im Strafraum. Die Mannschaft hat die Angriffe gut aufgebaut und Julian war bereit, sie abzuschließen." So ähnlich hatte sich aber auch Vorgänger Pep Guardiola geäußert und das Talent anschließend weggeschickt.

Für Ancelotti ist klar: "Wir haben nichts Besonderes für ihn geplant. Er ist bei uns, er trainiert mit uns und er wird die Chance bekommen zu spielen." Wann und wo, das bleibt natürlich offen. Garantien gibt es nicht, wäre auch seltsam, wenn er bekommen würde, was zum Beispiel Mario Götze nicht bekam.

Schlimmes Jahr beim HSV

Greens letzter Versuch, sich bei einem anderen Klub zu empfehlen, scheiterte krachend: Beim HSV kam er auf 199 Pflichtspielminuten, null Tore, dafür umso mehr Zoff. Im Februar 2015 versetzte ihn Trainer Joe Zinnbauer zur U23, Green weigerte sich zunächst, in der Regionalliga zu spielen. Ein Einsatz für Hamburgs zweite Mannschaft kam schließlich zustande - meist blieb Green nicht mehr als Training.

Nach seiner Rückkehr zu den Bayern wusste Guardiola immer noch nichts mit ihm anzufangen, obwohl mit Claudio Pizarro ein interner Konkurrent den Verein verließ.

Jetzt spielt Green - der wie Philipp Lahm von Roman Grill beraten wird - um seine letzte Chance in München. Die Bayern hätten ihn wohl schon im vergangenen Jahr abgegeben, doch es fand sich kein Abnehmer. Die Lösung in der Regionalliga hat sich in seinem letzten Vertragsjahr auch erledigt: Green bestätigte im kicker, dass er in Absprache mit dem Verein nicht mehr für Bayerns U23 auflaufen werde.

Green als Option hinter Lewandowski

Für ihn spricht: Nach Götzes Abgang hat Ancelotti mit Thomas Müller nur noch eine natürliche Alternative für Robert Lewandowski in der Sturmmitte. Green kann den Polen positionsgetreu ersetzen, ohne dass Müller zwangsweise eine andere Rolle auf dem Feld bekommt.

Doch egal ob sich die Bayern für diese Option entscheiden oder einen anderen Klub zugreifen lassen: Green spielt noch ein paar Wochen im Schaufenster, um sich für mehr Pflichtspielminuten da oder dort zu empfehlen.

Die nächste Gelegenheit hat er beim letzten Stopp der USA-Reise gegen Real Madrid in New Jersey (in der Nacht auf Donnerstag, 4. August, ab 1.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 sowie im kostenlosen LIVESTREAM).

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