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DFL-Geschäftsführer Christian Seifert (r.) löste eine Debattes aus, in der sich nun auch Karl-Heinz Rummenigge und Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch (l.) zu Wort meldeten © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images/Imago

München - Christian Seifert will Bayern-Gegner, die mit B-Elf auflaufen, bestrafen. Ein Hauptadressat kontert bei SPORT1, er hält die Drohung für leer - aus guten Gründen.

Es ist eine spektakulär klingende Idee, die der Boss der Bundesliga da ausgesprochen hat.

Strafen für Vereine, die gegen den FC Bayern München Stammspieler schonen und so "Betrug am Fan" begehen: DFL-Geschäftsführer Christian Seifert drohte am Samstag im Interview mit der Süddeutschen Zeitung damit - sollten es sich die angesprochenen Klubs nicht von selbst abgewöhnen.

Es ist eine Ansage, mit der Seifert sich keine Freunde zu machen scheint. Nicht bei den Bayern - Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge verspottete Seifert, er sei nicht "der Staatsanwalt der Liga". Und natürlich auch nicht bei den Bayern-Gegnern.

"Wer will denn entscheiden, wer die besten Elf sind?", fragt Rüdiger Fritsch, Präsident von Darmstadt 98, im Gespräch mit SPORT1: "Das entscheidet der Trainer."

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Absichtliche Gelbsperren

Darmstadt beschäftigt sich nach Fritschs Angaben überhaupt nicht mit diesem Thema - auch wenn sein Klub ein Hauptadressat Seiferts ist.

In der vergangenen Saison holten sich fünf Spieler einigermaßen offensichtlich Gelbsperren vor einem Spiel gegen die Münchner - eine Praxis, die Seifert ebenfalls explizit rügte.

Dennoch fürchtet Darmstadts Präsident Seiferts Strafandrohung nicht - aus einem simplen Grund: "Das ist in der Praxis doch gar nicht durchführbar", meint er. Für diese Annahme hat er gute Gründe.

Rüdiger Fritsch, Präsident von Darmstadt 98, hält nichts von Christian Seiferts Vorstoß
Rüdiger Fritsch, Präsident von Darmstadt 98, hält nichts von Christian Seiferts Vorstoß © Getty Images

UEFA und FIFA setzen Regel nicht um

Ein Blick dazu in die Regeln der Verbände UEFA und FIFA. In den Regularien zur Europameisterschaft in Frankreich stand: "Mit der Anmeldung zum Wettbewerb verpflichten sich die teilnehmenden Verbände, den Wettbewerb bis zu ihrem Ausscheiden zu bestreiten und während des gesamten Wettbewerbs stets in ihrer bestmöglichen Formation anzutreten."

Wortgleich ist das auch in den Regeln für die Champions League und die UEFA Europa League festgehalten. Und eine ähnliche Formulierung wählte die FIFA für die Weltmeisterschaft 2014. In der Praxis haben sie aber denselben Effekt wie die Todesstrafe in der hessischen Verfassung: keinen.

"Die Frage ist doch: Welche Strafe soll es sein? Und was ist mit leicht angeschlagenen Spielern, die man draußen lässt?", gibt Fritsch zu bedenken. An genau diesen Punkten scheitert die Umsetzung dort, wo derartige Regeln bereits existieren.

Italien, Liverpool und England ohne Strafe

Italien konnte deshalb in seinem letzten EM-Gruppenspiel gegen Irland genauso gefahrenlos Spieler schonen wie der FC Liverpool 2014 in der Champions League gegen Real Madrid. England änderte seine Startelf nach dem bereits feststehenden Aus bei der WM 2014 im dritten Spiel auf neun Positionen - natürlich auch ohne Strafe.

Schon die Geldstrafen für die Bremer Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic für deren absichtliche Gelbe Karten und das damit verbundene Aussetzen gegen die Bayern war problematisch. Schließlich kamen fünf Darmstädter Spieler damit durch - sie machten anders als Junuzovic nicht den Fehler zuzugeben, was offensichtlich war.

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Die bloße Aufstellung zu bestrafen, wäre endgültig zu viel, findet Fritsch: "Das muss jeder Verein selbst entscheiden. Das ist eine rein sportliche Entscheidung." Zu der gleichen Erkenntnis kam die Premier League übrigens auch.

Vage Formulierung

Bis 2011 galt in England das, was sich Seifert jetzt in Deutschland in Aussicht stellt. "In jedem Ligaspiel muss jeder teilnehmende Verein die bestmögliche Mannschaft aufbieten", hieß es in den Regeln. Das war so vage formuliert, wie sich jetzt auch Seifert äußert.

Entsprechend sauer waren etwa Wolverhamptons Trainer Mick McCarthy und Blackpools Ian Holloway, als sie Geldstrafen für ihre Mannschaftsauswahl kassierten. Vor allem, weil ein Jahr zuvor Roy Hodgson beim FC Fulham ungestraft wild durchwechseln durfte.

Die Vereine in England stimmten deshalb für die Abschaffung der Regel. Das Beispiel zeigt: Sobald ein Verband ernsthaft mit so etwas anfängt, gibt es nichts als Ärger.

Der wäre auch in Deutschland zu erwarten. Angenommen, ein Bayern-Gegner wird für seine B-Elf bestraft - es ginge sofort die Debatte los, ob dann nicht auch die Bayern oder die Dortmunder Ärger bekommen müssten, wenn sie Spieler für die Champions League schonen. Viel Spaß damit.

Vereine müssten abstimmen

Ein weiteres Problem für Seifert: Er alleine kann natürlich nichts entscheiden.

Die 36 Vereine der DFL müssten über eine Änderung der Statuten abstimmen. "Davon gehe ich auch aus", bestätigt Darmstadts Fritsch.

Eine Mehrheit für Seiferts Idee: äußerst unwahrscheinlich.

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