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Hamburg - Nach der Heim-Niederlage gegen die Bayern ist die Zeit von Bruno Labbadia beim Hamburger SV wohl abgelaufen. Bei den Bossen hat er keinen Kredit mehr. Schmeißt er selbst hin?

Bruno Labbadias Zukunft beim Hamburger SV bleibt weiter offen, aber fast alles deutet nach dem 0:1 gegen Bayern München auf eine baldige Trennung.

Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer vermied nach der Partie erneut jegliche Rückendeckung für den angeschlagenen Trainer und verwies auf den missratenen Saisonstart.

Die Gesamtsituation sei weiter negativ, meinte der Klub-Boss: "Wir haben nach fünf Spielen nur einen Punkt."

Kein Kredit mehr bei der Vereinsführung

Nach SPORT1-Informationen hat Labbadia trotz der guten Vorstellung in seinem 200. Bundesligaspiel gegen den deutschen Rekordmeister keinen Kredit mehr in der Vereinsführung und bei Geldgeber Klaus-Michael Kühne.

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Beiersdorfer meinte trotz des späten Bayern-Siegtors durch Joshua Kimmich in der 89. Minute am SPORT1-Mikrofon: 

"Die Mannschaft hat heute mit Herz gespielt, sich reingeworfen und hervorragend dagegen gehalten. Das war sehr gut. Dennoch muss man feststellen, dass wir von fünf Spielen die letzten vier verloren haben bei einer Tordifferenz von 2:10. Das ist nicht so gut. Das müssen wir heute noch analysieren."

Keine Rückendeckung für Labbadia

Auf die Frage, ob Labbadia auch gegen Hertha BSC auf der Trainerbank sitzt, sagte Beiersdorfer nur schmallippig: "Das kann ich jetzt nicht sagen. ich muss die Gesamtsituation betrachten und kann mich nicht nach Zeitpunkten richten."

Das klingt nicht nach Rückendeckung. Eine Weiterbeschäftigung ist wohl nur dann denkbar, wenn der HSV keinen neuen Chefcoach findet. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass Labbadia von sich aus die Brocken hinschmeißt.

Beiersdorfer kündigte jedenfalls noch für den Samstag Gespräche an. Möglicherweise in diesem Zusammenhang steht die auf den ersten Blick merkwürdige Maßnahme, der Mannschaft zwei Tage frei zu geben.

Zudem kursierten zunächst weit kritischere Aussagen von Beiersdorfer zum Spiel ("Wir haben den HSV heute schlecht repräsentiert, es war eine schwache Leistung, speziell in der zweiten Halbzeit"), die aber offenbar nach einiger Zeit von der HSV-Homepage verschwanden.

Schnoor: Umgang mit Labbadia amateurhaft

SPORT1-Experte Stefan Schnoor ist der Meinung, dass der "Umgang mit Labbadia amateurhaft" ist.

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Als Favorit für die Labbadia-Nachfolge gilt Markus Gisdol, der auch bei Werder Bremen gehandelt wird. Laut Hamburger Morgenpost besteht sogar bereits Einigkeit. Weitere Kandidaten sind Andre Breitenreiter und André Villas-Boas, den Beiersdorfer 2014 nach St. Petersburg holte.

Auf die Frage, ob er schon Kontakt zum auch bei Werder Bremen gehandelten Gisdol habe, meinte der HSV-Boss ausweichend: "Da möchte ich nicht drüber sprechen. Wir beschäftigen uns mit unserem Trainer, der gesamten Situation und der Entwicklung."

Souveräner Auftritt des Trainers

Ein weit souveräneren Eindruck als Beiersdorfer machte dagegen Labbadia. "Was kommen wird, tangiert mich wenig", meinte er zu seiner fraglichen Zukunft.

"Es ist eine große Traurigkeit in mir und der Mannschaft. Wir haben viel investiert und haben aber gemerkt, dass wir gut Paroli bieten können. Ich hatte richtig Lust auf das Spiel. Die Mannschaft hat das super gemacht."

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Labbadia wurde nach dem Spiel von den Fans gefeiert. "Das ist schön, es ist die Anerkennung für schwierige 17 Monate, es wurde honoriert von den Zuschauern und das ist ein gutes Gefühl. Aber natürlich bin ich traurig darüber, dass wir nach fünf Spielen nur einen Punkt haben, das ist zu wenig."

Es sei traurig, dass "wir uns da nicht belohnen und das nehme ich natürlich auf meine Kappe. Was jetzt kommen wird, tangiert mich echt wenig".

Die Spieler sprachen sich derweil für den Trainer aus. "Labbadia ist der Mann für diese Situation, er kennt das", meinte Johan Djourou.

Und Nabil Bahoui ergänzte: "Wir spielen auch für den Trainer, auch für Verein, Fans und uns."

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