Video

Leipzig - Das erste Heimspiel in der Bundesliga wird für RB Leipzig zum bislang herausragenden Tag der Vereinsgeschichte. Der Aufsteiger kämpft den BVB nieder und siegt spät.

Und plötzlich nimmt die Saison für Borussia Dortmund eine unerwartet eklige Wendung. Das 0:1 (0:0) bei RB Leipzig hat schon früh die Verwundbarkeit der neu zusammengestellten Mannschaft des BVB gezeigt.

Trainer Thomas Tuchel gefiel die wenige Gefahr im Angriff überhaupt nicht. "Wir hatten in der ersten Halbzeit keinen Schuss aufs Tor, das ist schon ein Manko. Wir sind dann doch noch zu Chancen auf die Führung gekommen, aber ohne die nötige Präzision wird es schwierig. Wir wurden gar nicht so oft zu Fehlern gezwungen, sondern haben uns selbst mit unnötigen Fehlern das Leben schwer gemacht. Wir hatten zwar eine sehr gute Zweikampfquote und waren bereit für dieses Spiel. Aber im Abschluss hat es gefehlt", sagte er.

Der Aufsteiger hingegen freut sich über eine perfekte Heimpremiere in der Bundesliga. Dank eines späten Tores von Naby Keita (89.) feierte Leipzig den ersten Bundesliga-Sieg der erst siebenjährigen Vereinsgeschichte.

Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl im Volkswagen Doppelpass ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1

BVB-Kapitän Marcel Schmelzer kritisierte die Harmlosigkeit im Angriff. "Wir haben nicht die Räume angespielt und genutzt, die Leipzig uns geboten hat. Wir haben es nicht ein Mal geschafft, aufs Tor zu schießen, obwohl wir uns viele Chancen herausgespielt haben. Dann bekommen wir noch so ein doofes Gegentor kurz vor Schluss", sagte Schmelzer bei Sky. Die Borussia geht am Mittwoch angeschlagen in ihre Auftakt-Partie in der Champions League bei Legia Warschau. (Tabelle der Bundesliga)

Ganz anders sah die Gefühlslage bei RB Leipzig aus. "Es ist großartig, wenn man so ein gutes Spiel macht in der zweiten Halbzeit, dann hat man den Sieg auch verdient. Man hat das Gefühl gehabt, das Dach fliegt jeden Moment weg. Einfach großartig für die Stadt, für die Mannschaft, für den Verein. Einfach fantastisch", sagte Sportdirektor Ralf Rangnick.

Matchwinner Keita kommentierte lapidar: "Es ist wichtig, dass man immer hellwach ist. Das war der Unterschied, weshalb wir gewonnen haben."

Leipzig diszipliniert

Vor 42.558 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena agierten die Gastgeber auffallend diszipliniert. Das Interesse an der Partie war im Vorfeld riesengroß, erstmals seit mehr als 22 Jahren gab es wieder Bundesliga-Fußball in der Messestadt zu sehen. Zuletzt hatte der VfB Leipzig in der Saison 1993/94 im Oberhaus gespielt.

Der BVB begann furios. Götze legte ein hohes Tempo vor und holte in der Anfangsphase zwei Freistöße an der Strafraumgrenze heraus, die für Gefahr sorgten. (Spielplan und Ergebnisse)

© iM Football

Der 24-Jährige agierte im 4-2-3-1 als Zehner hinter Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang und war zunächst ein wichtiger Impulsgeber. Doch als die gesamte Mannschaft Mitte des ersten Durchgangs einen Gang zurückschaltete, ließ auch Götze nach.

Dortmund macht Druck

Leipzig hatte in der Abwehr immer Mühe, wenn der BVB das Spiel schnell machte. Ein ums andere Mal brannte es im Strafraum vor Torhüter Peter Gulacsi.

Audio

Doch die Mannschaft von Trainer Ralph Hasenhüttl hielt den Kopf oben und lauerte auf Konter. Timo Werner konnte auf der linken Seite einige Male durchbrechen, doch im Abschluss zeigte der Ex-Stuttgarter Nerven oder passte zu ungenau. Dortmund brachte sich in dieser Phase durch Fehlpässe von Lukasz Piszczek und Neuzugang Marc Bartra immer wieder selbst in Gefahr. (Der Ticker zum Nachlesen)

Viele BVB-Anhänger waren der Partie aus Protest gegen das von Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz mit etlichen Millionen subventionierte Modell Leipzig ferngeblieben. Dennoch war der Gäste-Block mit gelb-schwarzen Anhängern ausverkauft, zu Ausschreitungen kam es nicht. (Die Statistiken des Spiels)

Gelb für Orban und Werner

Nach dem Wechsel verlor das Spiel an Klasse, es ging ruppiger zur Sache. Schiedsrichter Wolfgang Stark verteilte Gelb an Willi Orban und Werner. Angetrieben von den Gesängen ihrer Fans wagten die Hausherren nun mehr und brachten die Dortmunder Defensive einige Male in Verlegenheit, der tödliche Pass in die Spitze fehlte jedoch.

Ab der 70. Minute erhöhte RB-Trainer Hasenhüttl den Offensivdruck und brachte den 15,5-Millionen-Euro-Neuzugang Oliver Burke, der dann auch den Siegtreffer vorbereitete. "Ich habe mich gut eingewöhnt. Die Jungs haben es mir sehr leicht gemacht. Ich habe erst dreimal trainiert, aber ich fühle mich hier schon zuhause", freute sich der Schotte. "Jeder einzelne Fan ist nach dem Schlusspfiff noch geblieben, um zu feiern. Das habe ich noch nie gesehen." Bei Dortmund war kurz danach für Götze Schluss.

Hasenhüttl gefiel die Atmosphäre und der Auftritt seiner Mannschaft. "Es war ein echtes Highlight, wie man es sich nur wünschen kann. Wir haben uns zunächst für Automatismen entschieden, um den Gegner auszubremsen. Mit den Einwechslungen haben wir dann reagiert, als wir das Gefühl hatten, dass wir das Spiel gewinnen können. Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können. Wir wissen schon, wo wir herkommen, aber wir machen uns nicht kleiner als wir sind", sagte Hasenhüttl.

Die Bundesliga ist gewarnt vor solchen Leipzigern. 

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel