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FC Augsburg v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga
Schreckmoment: Dominik Kohr spielt seit 2014 für den FC Augsburg © Getty Images

Nach dem brutalen Foul des Mainzers Jose Rodriguez an Augsburgs Dominik Kohr spricht jetzt DFB-Chefankläger Dr. Anton Nachreiner bei SPORT1 über eine mögliche Rekordstrafe.

Es war der Aufreger des 3. Spieltags. In der Nachspielzeit trat der Mainzer Jose Rodriguez Augsburgs Mittelfeldspieler Dominik Kohr böse um.

Die FCA-Spieler, die den blutigen Unterschenkel ihres Mitspielers ansehen mussten, waren geschockt. Selbst die Gegenspieler wendeten sich mit Grausen ab.

Der FSV Mainz 05 will Rodriguez mit einer Geldstrafe bestrafen, der DFB wird jedoch kein Exempel statuieren. Das stellte DFB-Chefankläger Dr. Anton Nachreiner bei SPORT1 klar.

"Wir statuieren grundsätzlich keine Exempel und meine Gefühle spielen da keine Rolle. Wir versuchen sachgerecht und entsprechend dem, was wir bisher in vergleichbaren Fällen beantragt haben, zu einem Urteil zu gelangen", sagte der 61-Jährige.

"Eingriffe in die Berufsfreiheit"

Eine lange Strafe dürfte es aber trotz der Schock-Diagnose nicht werden.

Nachreiner erklärt, warum es nicht zu einer Rekordstrafe kommen wird: "Diese Fouls sind alle Wahnsinn, aber leider auch nicht so ganz unproblematisch, weil wir bei Berufsfußballern auch über Eingriffe in die Berufsfreiheit reden. Da ist es nicht so einfach, dass man die Leute ewig lange aus dem Verkehr zieht. Das spielt schon auch eine Rolle."

Doch auch dem Chefankläger sind die Szenen vom Sonntag nahe gegangen: "Es kommt im Fußball leider immer wieder vor, dass es so schlimme Fouls gibt. Schön ist das sicher nicht. Der Mainzer Donati hat da selbst geweint."

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Einen ähnlichen Fall gab es in der Vorsaison beim Foul des Schalkers Johannes Geis, der Andre Hahn von Borussia Mönchengladbach schwer verletzte. Hahn erlitt einen Schienbeinkopfbruch und einen Riss des Außenmeniskus.

Fünf Spiele Sperre für Geis

"Johannes Geis hat fünf Spiele und eine Geldstrafe bekommen", so Nachreiner. "Nicht alles kann von den groben Verletzungen her beurteilt werden. Jedes grobe Einsteigen von hinten beinhaltet das Risiko einer schweren Verletzung."

Bei Kohr endete dieses Einsteigen besonders schockierend. Es bestand der Verdacht auf einen Schien- und Wadenbeinbruch, in der Kabine musste der Augsburger mit Morphium behandelt werden.

Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass der 22-Jährige ein schweres Weichteiltrauma mit tiefer, offener und ca. 14 Zentimeter großer Wunde und freiliegendem Unterschenkelknochen erlitten hat. Dies bestätigte der FC Augsburg auf seiner Vereinshompage.

Auch Muskel und Sehnen sind betroffen, sodass Kohr direkt operiert werden musste. Immerhin: Ein Knochenbruch wurde nicht diagnostiziert.

Die Diagnose erklärt auch die Bilder von schockierten Mitspielern und Gegenspielern. Der freiliegend zu sehende Knochen sorgte für Entsetzen.

Nachreiner zieht Vergleich

Welche Strafe Rodriguez nun genau droht, ist Nachreiner zufolge noch offen. "Ich muss mich hier an das System halten. Die Grundvorschrift ist rohes Spiel und da ist die Mindeststrafe zwei Wochen. Bei sonstigen Grätschen sind wir bei drei Spielen. Wenn einer verletzt wird, kriegt er einen Aufschlag."

Der Vorsitzende des Kontrollausschusses zieht einen Vergleich. "Auch im Amateurbereich hatten wir einen Fall, wo ein Spieler schwer durch grobes Spiel verletzt wurde, da hatten wir sieben Spiele verhängt. Dann wurde das vom Verbands-Sportgericht Bayern aufgehoben mit dem Argument, dass es auch für fünf Spiele reicht."

Nachreiner weiter: "Und das im Amateurbereich, wo man härter durchgreifen müsste wie im Profibereich. Unser Strafantrag ist raus und am Montag wird das Urteil fallen."

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