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Dortmund - Mario Götze erfährt bei seinem Startelf-Comeback in Dortmund viele Sympathien. In Mini-Schritten kommt er der Topform näher. Ein Journalist bringt ihn aus der Fassung.

Mario Götze schaute konsterniert. Sein verständnisloser Blick unter der schwarzen Baseballkappe sagte: Was soll das jetzt?

Ein Journalist hatte nach Anfeindungen gegen Götze von Teilen der BVB-Fans gefragt. "Da sucht man das Haar in der Suppe", meinte der Rückkehrer von Borussia Dortmund kurz angebunden. Der Rest war Schweigen.

Bis dahin war sein schwarz-gelbes Startelf-Comeback im Signal-Iduna-Park nach 1248 Tagen gut verlaufen für den 24-Jährigen.

Von der Masse der 80.800 Zuschauer war ihm wohlwollender Applaus entgegen geschallt. Sogar stehende Ovationen hatte es für den Rückkehrer vom FC Bayern München gegeben.

Nur eine Minderheit pfeift

"Sehr emotional" nannte Götze das Geschehen vor, nach und während des Spiels: "Ich hatte sehr viel Respekt vor diesem Abend. Ich wusste selbst nicht, was mich erwarten wird und habe mir im Vorfeld natürlich Gedanken gemacht, wie die Reaktion sein wird."

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Die war überwiegend positiv. Lediglich eine Minderheit aus dem Block der Ultras hatte beim Warmmachen und Verlesen der Mannschaftsaufstellung ihre Missbilligung mit Pfiffen kundgetan.

Auch die Schmähgesänge von einem kleinen Teil der Anhänger auf der Südtribüne gingen bei seiner Auswechslung nach 71 Minuten in den Ovationen unter.

"Die absolute Mehrheit hat ihre Solidarität bekundet, um die Pfiffe zu übertönen und zu sagen, dass die Mehrzahl hinter Mario steht und er ihre volle Unterstützung genießt", betonte BVB-Trainer Thomas Tuchel.

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Ball- und passsicher

Die Leistung des offensiven Mittelfeldspielers beim 3:1-Sieg gegen den SC Freiburg war nicht berauschend, aber sehr ordentlich.

"Ich bin sehr, sehr erleichtert. Mit den drei Punkten, dem Sieg und dem Applaus bei der Auswechslung bin ich sehr glücklich, dass es heute so gelaufen ist", sagte Götze.

Die Statistik zu Borussia Dortmund - SC Freiburg
Die Statistik zu Borussia Dortmund - SC Freiburg © iM Football

In Tuchels 4-1-4-1-System war der Nationalspieler im linken zentralen Mittelfeld zunächst unauffällig, zeigte sich aber über seine gesamte Einsatzzeit ball- und passsicher. 90 Prozent seiner Bälle brachte er an den Mann, den Führungstreffer leitete er mit einem schönen Zuspiel auf Ousmane Dembele ein.

Was noch fehlt? Bei der Zweikampfhärte ist noch Luft nach oben, ebenso was die Torgefahr angeht. Die Euphorie um die Rückkehr des fünfmaligen Deutschen Meisters ist dennoch groß.

Weniger Kraftpaket, mehr Fußballer

Beim TV-Interview auf dem Rasen unmittelbar nach dem Spiel feierten ihn auf den Rängen einige ganz hartnäckige Anhänger mit lauten "Maaaaaarioooooo"-Rufen und Sprechchören, die den Umjubelten auch selbst zum Lachen brachten.

Der 1,76 Meter große Ausnahmefußballer befindet sich in Dortmund definitiv auf dem Weg zurück zum Sympathieträger.

Auf dem Platz scheint er leichtfüßiger zu sein als in den vergangenen Jahren - weniger Kraftpaket, mehr Fußballer. Und Tuchel hat offenbar den richtigen Zugang zu dem Ausnahmekönner gefunden.

Götze selbst sagt, dass der Cheftrainer und sein Team "den Fußball so ganzheitlich verstehen, wie ich das überhaupt noch nie erlebt habe".

Akt der Befreiung

Den ganzen Götze gibt es bei aller Ganzheitlichkeit bislang noch nicht. Aber trotz kleiner Schritte: Tuchels Aufbau-Kur fruchtet zusehends. Die Altlasten, Vorurteile und Bedenken schüttelt Götze immer mehr ab.

In Mini-Schritten geht es für den Weltmeister zurück in Richtung Topform. Verläuft der Akt der Befreiung weiter so, kann er der erhoffte Schlüsselspieler werden - vor allem in den besonderen Spielen.

So wie am Dienstag in der Champions League gegen Real Madrid (20.45 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER). Dann muss er liefern.

Und dann wird's für Götze vielleicht irgendwann wieder eine Suppe ganz ohne Haare geben.

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