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Hella von Sinnen freut sich über den Erfolg des 1. FC Köln © SPORT1-Grafik: Getty Images/Privat

München - Der 1. FC Köln reist zum Spitzenspiel nach München. Komikerin Hella von Sinnen erzählt im SPORT1-Interview von ihrer Liebe zum FC und einem Selfie mit Peter Stöger.

Ihre Markenzeichen sind die blonde Gelfrisur, ihre durchdringend-schrille Stimme und ihre frechen Sprüche.

So hat Hella von Sinnen Kabarett- und Fernsehgeschichte geschrieben. Die 57-Jährige ist eine rheinische Frohnatur. Und natürlich schlägt ihr Herz für den 1. FC Köln. Und in diesen Tagen noch etwas schneller als sonst.

Vor dem Gastspiel der Domstädter beim FC Bayern (Sa., 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht die Komikerin im SPORT1-Interview über den Höhenflug des FC, Trainer Peter Stöger, Lukas Podolski - und eine lange Leidenszeit.

SPORT1: Frau von Sinnen, der 1. FC Köln steht so gut da wie seit 29 Jahren nicht mehr. Was löst das in Ihnen aus?

Hella von Sinnen: Es ist unfassbar. Ich bin glücklich, gerührt und geschüttelt. Das letzte Mal hat Pierre Littbarski noch in Köln gespielt, als man noch Erfolgserlebnisse hatte. Kann das sein? Ganz Köln hat sich seit gefühlten 100 Jahren über den FC aufgeregt. Es gab einen kleinen hoffnungsvollen Aufschwung mit Christoph Daum, doch dann war das doch alles quietschig. Köln identifiziert sich so sehr mit dem Verein und die FC-Hymne von den Höhnern (Kölner Kultband, d. Red.) ist praktisch auch ein Karnevalslied. Nicht umsonst singt das ganze Stadion Karnevalslieder, wenn der FC gut spielt.

SPORT1: Quasi die größtmögliche Identifikation...

Von Sinnen: Genau. Diese Höhe an Identifikation zwischen Köln, der kölschen Folklore und dem FC ist hundertprozentig. Über die ganze Stadt legt sich eine freudige Euphorie, das ist einfach nur schön.

SPORT1: Und wie war das mit der Fan-Liebe in den schweren Jahren?

Von Sinnen: Ich habe nicht so viel gelitten wie andere Menschen, die den FC im Blut haben. Es war schon so eingegroovt, dass der FC nicht mehr kann. Abgestiegen, aufgestiegen, abgestiegen, aufgestiegen. Ich war manchmal dankbar, dass wir in der 2. Liga waren, weil wir uns dort wenigstens im oberen Mittelfeld festgesetzt hatten. Dass wir jetzt in der Spitzengruppe der Bundesliga wohnen - it's a miracle. Ich trage seit vielen Jahren meinen FC-Overall und im Moment schlüpfe ich da ganz anders rein.

Hella von Sinnen ist ein großer Fan von Kölns Trainer Peter Stöger © Hella von Sinnen

SPORT1: Wie wurden Sie eigentlich FC-Fan?

Von Sinnen: Meine verstorbene Mutter war gebürtige Kölnerin und die Großeltern kamen jeden Donnerstag aus Köln. Da waren jedes Wochenende der FC, Fortuna Köln und Viktoria Köln das Thema. Wir waren alle Fans von denen. Ich fand damals immer die Teams mit den schöneren Leibchen toll. Wenn es nach mir ging, müsste Eintracht Frankfurt Meister werden, weil sie so schöne gestreifte Trikots hatten. Die waren aber sehr frech mit ihrem Adler, als sie sagten 'Wir haben das schönere Maskottchen'. Deshalb habe ich Frankfurt nicht mehr so lieb. Aber so verliebte ich mich in den FC.

SPORT1: Seit Trainer Peter Stöger und Sportchef Jörg Schmadtke da sind, läuft es kontinuierlich besser. Wann haben sie den Aufschwung zum ersten Mal wahrgenommen?

Von Sinnen: Ich habe das von Anfang an verfolgt. Ich dachte mir 'Ein Österreicher kann nicht so schlecht sein, weil Toni Polster uns auch jahrelang gute Laune gebracht hat'. Richtig bewusst, dass die beiden Jungs die richtige Zielrichtung haben, wurde es mir, als ganz Köln nach Prinz Poldi (Lukas Podolski, d. Red.) rief, der damals auch verfügbar war. Doch die Bosse sagten 'Nein Kinder, lasst das mal stecken, wir wollen keinen einzelnen Star, wir möchten eine funktionierende Mannschaft mit jungen Spielern haben, die aufbauen und zu einem Team formen'. Das schien mir ein sehr guter Plan zu sein.

SPORT1: Podolski ist so etwas wie der Sohn der Stadt. Wollten Sie ihn auch nicht zurück?

Von Sinnen: Ich bin keine, die sagt 'Du warst schon mal hier, ein zweites Mal bitte nicht'. Mit der Rückkehr von Mario Götze scheint es bei Borussia Dortmund auch zu funktionieren. Früher gab es tatsächlich noch Spieler, die man komplett mit dem Verein in Verbindung brachte. Es war immer klar, dass Uwe Seeler den Hamburger SV verkörpert. Ich glaube, bei der Söldner-Mentalität der aktuellen Fußballstars ist das nicht mehr so. Heutzutage identifiziert sich der Fan lieber mit den Farben, dem Logo oder dem Maskottchen eines Vereins als mit einzelnen Spielern. Ganz ehrlich? Für mich war Poldi nie ein Ausnahmefußballer. Wenn er einen guten Tag hatte, haben wir uns alle gefreut. Mehr nicht. Es ist doch so, dass der gesamte Druck der ganzen Stadt auf ihm gelegen hätte. Da könnte ich auch keinen Fußball spielen. Ich fand die Entscheidung richtig, sich keinen Star ins Haus zu holen, auf den sich der ganze Boulevard einschießt.

SPORT1: Also ein dickes Lob an Jörg Schmadtke und das Präsidium?

Von Sinnen: Schmadtke hat in Hannover auch schon einen tollen Job gemacht. Für mich war der Streit zwischen dem FC und Wolfgang Overath zuvor sehr schmerzhaft. Er war und ist eine FC-Legende. Es war klar, dass er das Ding rocken musste, aber er rockte es nicht. Als das neue Präsidium als "Dreigestirn" aufgestellt wurde, kam bei mir große Hoffnung auf. Mit Toni Schumacher war da die kölsche Seele wieder dabei. Er war immer mein Kölner Held, auch wegen seines Buches "Anpfiff". Er hat für den Verein geblutet, und ihn kann man sehr ernst nehmen, weil er ehrlich ist. Die anderen zwei Jungs haben Ahnung von Geld und Organisation. Prima, dachte ich, das macht Sinn.

SPORT1: Ist Peter Stöger ein Segen für den Klub?

Von Sinnen: Ja. Als ich Herrn Stöger ein Mal am Flughafen traf, wollte ich ein Selfie mit ihm. Und das Schöne daran war, dass er mit einer Kabarettistin und Schauspielerin liiert ist, die ein Fan von mir ist. Also wollte Stöger auch ein Selfie mit mir haben. Und jedes Mal, wenn der FC spielt, habe ich in meinem WhatsApp-Profil das Bild von Stöger und mir. Darauf bin ich sehr stolz. Es war ein guter Plan mit Schmadtke und Stöger. Dennoch ist man froh, wenn man neue Namen wie Bittencourt, Osako und Modeste hört, die toll Fußball spielen können. Und eine Sache war auch ganz wichtig.

SPORT1: Nämlich?

Von Sinnen: Dass unser Torwart Timo Horn vor dieser Saison bei Olympia 2016 die Silbermedaille errungen hat. Das hat unserem FC Auftrieb gegeben, weil alle wissen, dass wir einen Top-Keeper im Kasten haben. Ich durfte im vergangenen Jahr auf einem Karnevalswagen mit Horn mitfahren und Apfelsinen werfen. Von daher bin ich bei ihm besonders happy und dankbar, wenn er die Bälle hält.

SPORT1: Ganz Köln ist gerade wie von Sinnen. Ist der FC-Fan zu schnell euphorisch?

Von Sinnen: Das wird ihm immer unterstellt. Ich weiß, dass es eine selbst gemachte Freude ist - wie beim Karneval. Man will einfach euphorisiert sein, Kölle Alaaf rufen und die rote Pappnase aufsetzen. Der Kölner hat genügend Humor und genügend Selbstironie, dass er auch in der 2. Liga vom UEFA-Cup gesungen hat. Das ist Spaß an der Freude. Wo Köln ist, ist oben. Rot-weiß ist der Traum der Welt, das gehört zum Lebensgefühl dazu. Alle eingefleischten FC-Fans wussten aber immer, dass am Traum von Europa nichts dran ist. Jetzt endlich nach 30 Jahren staunt man und träumt wirklich von Europa.

SPORT1: Da passt es prima, dass Overath und der FC sich wieder annähern.

Von Sinnen: Das ist mir sehr recht, denn ich bin ein großer Fan des Happy Ends. Ich habe Wolfgang Overath sehr lieb, und das ist wirklich schief gelaufen. Genauso wie der "Tünn" (Toni Schumacher, d. Red.) wieder in die Arme des FC geschlossen wurde, soll es mit Overath auch passieren. Ich will, dass sich alle lieb haben.

SPORT1: Jetzt spielt der FC bei den Bayern. Früher konnten die Kölner sich die Reise eigentlich sparen.

Von Sinnen: Stopp! Das stimmt so nicht. Als der Poldi bei uns war, haben wir ein oder zwei Mal in München gewonnen. Selbst, als der FC richtig schlecht gespielt hat, waren wir bei den Bayern immer ganz gut. Wir sind immer selbstbewusst nach München gefahren und spucken denen gerne zur 'Wiesn' in die Suppe. Mein Tipp: 2:2. Ich möchte da meinen verstorbenen Vater zitieren: "Man hat schon Pferde kotzen sehen und zwar mitten vor die Apotheke und dabei haben sie auch noch gelacht."

SPORT1: Wann wird der FC Deutscher Meister?

Von Sinnen: In drei Jahren.

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