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Gelsenkirchen - Nach der vierten Pleite im vierten Spiel ist Schalkes neue sportliche Führung gefordert. Noch brennt es nicht, es lodert allerdings an einigen Stellen. SPORT1 sagt, wo.

Clemens Tönnies schweigt.

Natürlich, der Schalker Klub-Boss hatte genau das vor einigen Monaten versprochen. Dass er sich zurücknimmt. Und so lange sich Tönnies an sein Versprechen hält und noch nicht wie in der Vergangenheit öffentlich lospoltert, hat die Krise auf Schalke noch keine bedenklichen Ausmaße angenommen.

Auch wenn es intern möglicherweise anders aussieht. Denn das versteinerte Gesicht des 60-Jährigen auf der Tribüne sprach nach dem 1:3 (1:1) gegen den 1. FC Köln Bände.

Vier Niederlagen zum Bundesliga-Auftakt in Folge: Eine Krise ist auf Schalke nicht wegzudiskutieren. Es brennt zwar noch nicht lichterloh, dafür lodert es an einigen Ecken und Enden. SPORT1 zeigt, wo genau.

Der Trainer:

Gegen den FC hat Trainer Markus Weinzierl rotiert und vier Mann ausgetauscht. Oder weiterhin fieberhaft seine Formation gesucht, je nach Perspektive. Fakt ist, dass er seine Wunschtruppe noch nicht gefunden hat.

Seine Änderungen in der Abwehr gingen in die Hose, alle Treffer fielen über Schalkes rechte Seite, wo Sascha Riether in die Mannschaft gerückt war. Auch die Rückkehr von Johannes Geis im Mittelfeld verpuffte wirkungslos.

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Auch Johannes Geis (r.) konnte dem Schalker Spiel nicht die erhofften Impulse verleihen © Getty Images

Weinzierl wirkte nach der erneuten Schlappe sichtlich geschockt und ratlos, er hatte solch einen Start auch in seinen düstersten Träumen nicht erwartet. "Wir haben ein Spiel verloren, das du nicht verlieren darfst. Wenn du die ersten drei Spiele verlierst, kommt der Druck dazu", sagte er.

Dieses Gefühl kennt Weinzierl schon. Mit dem FC Augsburg kassierte er in den ersten zehn Spielen jeweils mindestens sechs Niederlagen. Er scheint generell ein Langsamstarter zu sein.

Doch der Druck ist auf Schalke definitiv anders als in Augsburg. Es wird interessant sein zu sehen, wie er damit umgeht.

Der Manager:

Christian Heidel ist schon früh als Krisenmanager gefordert. Viel früher als gedacht. "Viel schlimmer geht es nicht. Das war sicherlich alles andere als geplant und auch in der Art nicht befürchtet", sagte er. Und natürlich wird nicht nur der Trainer an den Ergebnissen gemessen.

Sein kurzfristiger Lösungsansatz: "Wir müssen weiter arbeiten, weiter trainieren, damit die Automatismen reinkommen. Es gibt da gar keinen anderen Weg." Augen zu und durch also.

Die Mannschaft:

Fußball ist Kopfsache. Und drei Niederlagen brennen sich schnell ein, vier erst recht. Die Verunsicherung war den Schalkern anzumerken, die Angst, Fehler zu machen.

FC Schalke 04 v 1. FC Koeln - Bundesliga
Ende einer langen Fehlerkette: Simon Zoller (l.) trifft zum 3:1-Endstand für Köln © Getty Images

Die Kölner haben S04 mit relativ einfachen taktischen Mitteln vor unlösbare Probleme gestellt. Sie standen tief und warteten geduldig auf ihre Chancen, die sie eiskalt nutzten. Schalke betrieb einen großen Aufwand, allerdings ohne Ideen und Ertrag. Die Automatismen stimmen noch nicht, Leistungsträger wie Naldo beispielsweise leisten sich haarsträubende Fehler.

Kapitän Benedikt Höwedes macht sich noch keine Sorgen: "Ich habe nicht das Gefühl, dass wir in Hektik verfallen oder kopflos werden. Es hat sich viel zum Guten entwickelt. Das einzige, das fehlt, sind die Resultate."

Fehlendes Engagement will Heidel dem Team nicht unterstellen. Das ist in der Tat richtig - es ist aber auch das Mindeste, was Schalke in die Waagschale werfen sollte.

Das Umfeld:

Es gab während des Spiels erste Unmutsbekundungen und Pfiffe der Anhänger, die dem x-ten Neuaufbau mit hauchzarter Aufbruchstimmung vermutlich sowieso nicht mehr über den Weg trauen.

Man kennt und spürt diese kurze Zündschnur, den fließenden Übergang von Enttäuschung zu Wut. Und man kennt auch das traditionell unruhige Umfeld, das die Arbeit nach dem verpatzten Saisonstart nicht einfacher macht.

Höwedes mahnt, einen kühlen Kopf zu bewahren. Heidel versucht, zu beschwichtigen. "Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Und alle müssen wissen: Wir kommen da auch nur gemeinsam wieder raus", sagte Heidel. Die Geduld ist weiterhin da, ewig strapazierbar ist sie aber auch unter Weinzierl und Heidel nicht.

Die Zukunft:

Natürlich kommen reflexartig erst einmal die spontanen Durchhalteparolen. "Es war nicht alles schlecht", sagte Weinzierl. Heidel appellierte daran, dass man mit "Ruhe und Verstand da durch" müsse.

In englischen Wochen wird dann oft genauso reflexartig der Fakt bemüht, dass man kaum Zeit habe, über die Krise nachzudenken. Schließlich gehe es Schlag auf Schlag. Am Sonntag (ab 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) geht es nach Hoffenheim, dann kommt am Donnerstag (ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) in der UEFA Europa League Salzburg - und am Sonntag darauf Borussia Mönchengladbach.

Klar ist: Irgendwann muss Weinzierl auch mal ein Spiel gewinnen, sonst geht es ganz schnell auch um seinen Job.

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