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Carlo Ancelotti in Frankfurt
© SPORT1-Grafik/Imago

München - Das Remis in Frankfurt lässt beim FC Bayern die Alarmglocken schrillen. Denn so wie im Moment ist der Rekordmeister lange nicht aufgetreten. Der Spieltagskommentar.

Jahrelang hat der FC Bayern der Bundesliga die Luft abgeschnürt.

Totale Kontrolle über den Gegner und die Liga. So lief das beispielsweise in der Ära von Trainer Pep Guardiola. Diese Zeiten sind unter seinem Nachfolger Carlo Ancelotti im Oktober 2016 erstmal vorbei. Eine Leistung wie die beim 2:2 in Überzahl (!) bei Eintracht Frankfurt hat man in den letzten Jahren höchstens im April oder Mai von den Münchnern gesehen - als die Meisterschaft längst unter Dach und Fach war.

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Es sieht so aus, als hätten es sich die Bayern derzeit etwas zu gemütlich gemacht. Der "Spielerversteher" Ancelotti wurde in den Wochen nach seinem Amtsantritt für seine lockerere Herangehensweise bewundert. Nach drei Jahren unter dem Dauerstrom des (erfolgs-)besessenen Pep Guardiola wirkte seine Art für manchen Beobachter wie eine Wohltat.

Wahr ist aber auch, dass ohne Guardiola und den allzeit mahnenden Sportvorstand Matthias Sammer eine Lücke entstanden ist. Kein Wunder also, dass Klub-Boss Karl-Heinz Rummenigge in Frankfurt erbost eine andere Gangart einforderte. Kapitän Philipp Lahm und Thomas Müller fanden ebenfalls deutliche Worte.

Das Eingreifen ist auch nötig. Natürlich ist es kein Drama, in der Bundesliga zwei Mal Remis zu spielen und in der Champions League eine Vorrundenpartie beim Titelkandidaten Atletico Madrid zu verlieren. Aber die Art und Weise ist bedenklich.

Selten hat man in den letzten Jahren ein Bayern-Team gesehen, das einem Gegner wie Frankfurt so viele Räume und Chancen anbietet. Das eigene Offensivspiel war auch schon mal spritziger. Müller ist noch komplett ohne Bundesligator, Robert Lewandowski hat seit dem dritten Spieltag nicht mehr getroffen. Derzeit ist Joshua Kimmich der zuverlässigste Torschütze des FCB.

So droht dem Rekordmeister ein Schneeball-Effekt: "Seht her, da geht ja wieder was gegen die Bayern", dürften sich viele vermeintlich kleinere Gegner jetzt denken, die sich in den letzten Jahren lieber vorauseilend Gelbsperren abholten oder Schlüsselspieler schonten.

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Ancelotti kündigte am Samstag Konsequenzen an. Der ausgewiesene Champions-League-Experte soll sein Team zum ganz großen Triumph im nächsten Juni führen. Er weiß aber auch, dass er sich frühzeitig angreifbar macht, wenn er die Kontrolle über das Alltagsgeschehen in der Bundesliga nicht schnell zurückgewinnt.  

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